Montbéliard

Gem. im Dep. Doubs (F), 1999 27'556 Einw., früher dt. Mömpelgard. Die Stadt an der dt.-franz. Sprachgrenze erhielt 1283 ihre Freibriefe von Rainald von Burgund, im gleichen Jahr wie Pruntrut. Die Geschichte der beiden Städte diesseits und jenseits der Burgund. Pforte weist viele Parallelen auf.

An der Wende zum 12. Jh. fasste das grosse Grafengeschlecht de Montfaucon, das in M. schon über Besitzungen verfügte, in der Ajoie und im Waadtland Fuss. 1236 wurden Pruntrut und ein Teil der Ajoie auf Lebenszeit an den Gf. von M., Dietrich III., verpfändet. Bei dessen Tod sollte die Stadt an den Gf. von Ferrette zurückfallen. Aber dieser trat noch vorher seine Rechte an den Bf. von Basel ab, und so geriet Pruntrut 1282 in enge Abhängigkeit des Fürstbischofs. Mit der Veräusserung von Schloss und Stadt Pruntrut an den Gf. Etienne von M. 1386 schien alles wieder in Frage gestellt, doch 1461 nahm der Fürstbischof das Rückkaufsrecht wahr, und der Verkauf wurde annuliert. 1407 fiel M. durch Heirat an die Fürsten von Württemberg, die im 16. Jh. in der Stadt die von Guillaume Farel verkündete Reformation einführten. Aus diesem Grund hielt die Rivalität zwischen den Fürsten von M. und dem Bf. von Basel, die durch ihre beidseitigen Ansprüche auf die Festung Franquemont genährt wurde, bis zur Franz. Revolution an, in der Pruntrut M. in der Verwaltungshierarchie übergeordnet war. Erst 1815 wurde M. schliesslich dem Dep. Doubs angegliedert und erhielt den Rang einer Unterpräfektur. Der wirtschaftl. Aufschwung im 19. Jh. ist hauptsächlich auf die Uhrenindustrie zurückzuführen, die zahlreiche Schweizer Arbeiter und Unternehmer in die Stadt zog, so dass die Schweizer 1914 die grösste Ausländergruppe in M. darstellten. Doch dieser Wirtschaftszweig ging nach dem 1. Weltkrieg rasch zurück. An seine Stelle trat die Metallindustrie, die nach dem 2. Weltkrieg dank der Automobilindustrie (Peugeot) einen rasanten Aufschwung erlebte.


Literatur
Le Pays de M. et l'Ancien Evêché de Bâle dans l'Histoire, 1984
Dictionnaire des communes du département du Doubs 4, 1985, 2062-2151

Autorin/Autor: Jean Courtieu / AHB