• <b>Pays de Gex</b><br>Handgezeichnete Karte aus der Mitte der 1770er Jahre mit den Grenzen zu Genf und Bern (Universitätsbibliothek Bern, Sammlung Ryhiner). Im August 1749 unterzeichneten Genf und Frankreich den Pariser Vertrag, in dem sie unter anderem Rechte und Gebiete im Pays de Gex tauschten sowie die Grenze festlegten. Genf behielt die Exklave Genthod zwischen den Einmündungen von Vengeron und Versoix. 1767 gründete der Herzog von Choiseul, Kriegsminister König Ludwigs XV., neben dem im Pays de Gex liegenden Dorf Versoix eine neue Stadt, die als Uhrmacherzentrum mit einem Hafen Genf konkurrenzieren sollte. Nach dem Sturz des Herzogs im Jahr 1770 wurde das Projekt aufgegeben.

Gex, Pays de

Das Pays de G., zwischen Jurakette und Genfersee gelegen, wurde von den Helvetiern besetzt (Mauer von Caesar). Nach dem Ende des Kaiserreichs wurde die Colonia Iulia Equestris den Burgundern zugeteilt und der Diözese Genf angegliedert. Danach wurde das Christentum von den benachbarten Abteien Saint-Victor in Genf und Condat (heute Saint-Claude) verbreitet. Die Herrschaft G., die den Gf. von Genf gehörte, ging beim Tod von Amadeus I. von Genf 1178 an den jüngeren Zweig der Fam. über. Dessen Enkelin Léonnette brachte das Gebiet in die Fam. Joinville ein (1292 Freibrief für G.). Gf. Amadeus VI. von Savoyen besetzte es 1353, und bis 1536 blieb es im Besitz seiner Nachkommen. In diesem Jahr nahmen es die Genfer und die Berner ein, die sich den Krieg des franz. Kg. Franz I. gegen den Hzg. von Savoyen zunutze machten. Das Pays de G. wurde so bern. Landvogtei und schloss sich der Reformation an. Durch die Verträge von Nyon (1563) und Lausanne (1564) ging es zurück an den Hzg. von Savoyen, blieb jedoch reformiert. Nach der Eroberung 1589 durch Nicolas Harlay de Sancy, der von den Eidgenossen unterstützt wurde, und nach dem verheerenden, gescheiterten Gegenangriff von Hzg. Charles-Emmanuel war das Gebiet völlig zugrunde gerichtet. 1601 wurde das Gebiet durch den Vertrag von Lyon Frankreich angegliedert. Dank den in Annecy ansässigen Bf. von Genf etablierten sich im Pays de G. allmählich durch die Gegenreformation entstandene Orden (Kapuziner und Schwestern der Glaubenskongregation in Gex, Jesuiten in Ornex). Mit den Massnahmen, die ab 1662 der Aufhebung des Edikts von Nantes vorausgingen, gewann der Katholizismus nach und nach wieder an Terrain. Die wirtschaftl. Lage verbesserte sich dank Viehzucht (Käsereien im Jura) und Handwerk (Steinschneider und Uhrmacher), während Ferney durch Voltaire berühmt wurde. Während der Revolution umfasste der Bez. G. die Kt. Collonges, Ferney, Gex und Thoiry. Mit der Neuorganisation vom 17.2.1800 kam das Pays de G. vom Dep. Ain zum Dep. Léman. Mit den Verträgen von 1815 blieb das Gebiet grösstenteils bei Frankreich, allerdings ohne Collex, Le Grand-Saconnex, Mategnin, Pregny, Vernier und Versoix, die dem Kt. Genf zugeteilt wurden, und damit ohne Zugang zum Genfersee. Das Pays de G. bildet heute ein Arrondissement aus drei Kantonen, das wirtschaftlich stark von Genf abhängig ist, zu dem es dank der Freihandelszone privilegierte Beziehungen unterhält. In den 1990er Jahren kamen über 8'000 Grenzgänger täglich zur Arbeit in die Schweiz, davon knapp 6'000 nach Genf, aber auch nach Nyon und Lausanne.

<b>Pays de Gex</b><br>Handgezeichnete Karte aus der Mitte der 1770er Jahre mit den Grenzen zu Genf und Bern (Universitätsbibliothek Bern, Sammlung Ryhiner).<BR/>Im August 1749 unterzeichneten Genf und Frankreich den Pariser Vertrag, in dem sie unter anderem Rechte und Gebiete im Pays de Gex tauschten sowie die Grenze festlegten. Genf behielt die Exklave Genthod zwischen den Einmündungen von Vengeron und Versoix. 1767 gründete der Herzog von Choiseul, Kriegsminister König Ludwigs XV., neben dem im Pays de Gex liegenden Dorf Versoix eine neue Stadt, die als Uhrmacherzentrum mit einem Hafen Genf konkurrenzieren sollte. Nach dem Sturz des Herzogs im Jahr 1770 wurde das Projekt aufgegeben.<BR/>
Handgezeichnete Karte aus der Mitte der 1770er Jahre mit den Grenzen zu Genf und Bern (Universitätsbibliothek Bern, Sammlung Ryhiner).
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Literatur
– A. Malgouverné, A. Mélo, Histoire du Pays de G., 2 Bde., 1986-89

Autorin/Autor: Paul Cattin / KMG