Gamprin

Gem. FL. G. liegt an der Rheingrenze zur Schweiz am westl. Ausläufer des Eschnerbergs und deckt sich seit 1874 mit der ursprünglich weiträumigeren Pfarrei Bendern. 1150 Camporin. 1784 292 Einw.; 1806 285; 1852 369; 1930 333; 1950 390; 1989 944; 2000 1'159.

Funde aus der Stein-, Bronze- und Eisenzeit. Auf dem Gebiet der Gem. befindet sich der bedeutende archäolog. Fundplatz Lutzengüetle. Die kirchl. und herrschaftl. Verhältnisse von G. entsprechen vom MA bis in die Neuzeit jenen der Pfarrei Bendern. 1499 Brandschatzung durch Eidgenossen. 1622-37 war G. während der Bündner Wirren von Truppendurchzügen und der Pest betroffen. Die älteste erhaltene Dorfordnung von 1643 umschrieb Nutzungsrechte und -pflichten der Dorfgenossen an Weiden und Wäldern. 1761-1822 Bildung der Gemeindegrenzen durch Aufteilung der gemeinsamen Güter (Wiesen, Auen, Felder, Wälder) zwischen G., Eschen, Ruggell und Mauren. Eine bis 1927 betriebene Rheinmühle war bis Mitte des 18. Jh. im Besitz der Landesherrschaft, danach von G. Die Rechte an der Rheinfähre Bendern-Haag hatten die Gf. von Werdenberg, 1517-1798 Glarus, ab 1803 der Kt. St. Gallen inne. Der erste Brückenbau 1867-68 bedeutete die Auflassung der Fähre; 1895-96 und 1963-65 folgten Neubauten. Bis 1923 wurde zeitweilig ein Brückengeld erhoben. 1927 ereignete sich ein verheerender Rheineinbruch. Nach dem Zollvertrag von 1923 nahm der schweiz. Bevölkerungsanteil von 2% (1930) auf 12% (1989) zu. 1998 lag er bei 10%. Bis Mitte des 20. Jh. dominierten Ackerbau und Viehwirtschaft: 1955-85 ging die Zahl der Betriebe von 61 auf 16 zurück. Die Gem. besitzt die Alpe Rauz am Arlberg und zusammen mit Ruggell die Genossenschaftsalpe Fahren-Ziersch im Montafon. Mit der Ansiedlung eines vielfältigen Gewerbes und von Industrie änderte sich ab 1955 die Beschäftigungsstruktur. 2000 gab es in G. rund 1'600 Arbeitsplätze, davon rund drei Fünftel im 2. Sektor.


Literatur
Kdm FL 1950, 240 f.
– E. Schafhauser, «Der Rhein und seine Verkehrsstellung Gams-Haag -- Bendern-Eschen», in JbFL 71, 1971, 113-143
– W. Büchel et al., G., 1988

Autorin/Autor: Arthur Brunhart