Eschen

Polit. Gem. FL. Umfasst das Dorf E. am Südosthang des Eschnerberges und den Weiler Nendeln an der Strasse Feldkirch-Chur. 842 Essane, 1045 Estanes, 1395 Nendlen. 1584 305 Einw.; 1880 868; 1911 725; 1941 1'014; 1991 3'138; 2000 3'791. Zahlreiche Funde in den Gebieten Malanser und Schneller unweit des Lutzengüetle bezeugen eine Siedlungskontinuität in E. vom Neolithikum bis zur Spätlatènezeit. In Nendeln wurden die Fundamente einer röm. Portikusvilla nachgewiesen, in E. alemann. Gräber. Ab 842 gehörten Kirche, Zehnt und Landgüter dem Kloster Pfäfers. Auch die Klöster St. Gallen, St. Luzi in Chur und Pfäfers sowie die Gf. von Werdenberg besassen in E. Güter. Im 13. Jh. nannte sich ein Dienstadelsgeschlecht von E. 1637-51 existierte eine jüd. Gemeinde am Eschnerberg in den Gem. E. und Mauren. Bis 1838 gehörte die vor 830 erbaute Pfarrkirche St. Martin (1893 Neubau) dem Kloster Pfäfers. Ebenfalls auf Gemeindegebiet stehen die Kapellen in Rofenberg (wahrscheinlich aus dem frühen 16. Jh.) und in Nendeln (1639). 1840 wechselte das Kollaturrecht vom Bistum St. Gallen an den Fürsten von Liechtenstein. In Rofenberg befanden sich bis 1808 die Versammlungs- und Gerichtsstätte der Herrschaft Schellenberg; in Güdigen kam es 1785 zur letzten Hinrichtung im Fürstentum Liechtenstein. 1761-1822 erfolgte die Teilung der gemeinsamen Güter zwischen den Gem. E., Mauren und Gamprin, die früher zusammen Wuhrarbeiten am Rhein leisten mussten. Traditionell boten Acker-, Obst- und Weinbau sowie Viehzucht ein Auskommen. 1953 wurde das Ried zwischen E. und Nendeln, in welchem früher eine Brettsäge, eine Mühle und eine herrschaftl. Ziegelei (bis 1918) standen, melioriert. 1836 wurde der älteste Gewerbebetrieb des Fürstentums Liechtenstein, die Keramik Schädler AG, in Nendeln gegründet. E. erhielt 1906 eine Realschule, 1968 ein Gemeinde-, 1980 ein Schul- und ein Altersbetreuungszentum sowie 1985 eine Sportanlage. 1941 erfolgte durch die Oerlikon-Bührle die Gründung der Press- & Stanzwerke Eschen, in welcher Geschosshülsen produziert wurden (1943 330 Beschäftigte). In den 1970er Jahren wurde das Unternehmen ein Zulieferer für die Automobilindustrie; 1991 wurde es durch das Firmenkonglomerat ThyssenKrupp übernommen und weiter ausgebaut (1991 694 Beschäftige, 2002 1'150).


Literatur
– J.B. Büchel, «Gesch. der Pfarrei E.», in JbFL 26, 1926, 5-109
Kdm FL 1950, 227-239
– E. Schafhauser, Liechtensteins Eschnerberg, 21964

Autorin/Autor: Arthur Brunhart