Domodossola

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Hauptort des Eschentals (Piemont), an der Einmündung des Wildbaches Bogna in den Toce gelegen. In der "Geographia" des Ptolemaios (2. Jh. n.Chr.) als Oscela dei Leponzi erwähnt. 1891 3'643 Einw.; 1900 4'629; 1950 13'457; 2000 18'394. Im spätröm. Reich war D. Militär- und Verwaltungsstandort. Ein Grabstein aus dem 6. Jh. auf dem Mattarella-Hügel ist das erste christl. Zeugnis in der Gegend. Als Hauptort der langobard. Grafschaft entwickelte sich D. im FrühMA zu einem für die Verteidigung strategisch wichtigen Ort; das Schloss Mattarella wurde damals (und blieb es bis in die Neuzeit hinein) militär. und administratives Zentrum des Tales. Unter der Herrschaft der Bf. von Novara, Grafen des oberen Eschentales, konnte D. - kirchl. Zentrum der Pieve und seit dem MA auch Standort eines Wochenmarktes - den Unabhängigkeitsgeist seiner Bürgerschaft bewahren; nach der Plünderung durch die Walliser errichteten die Bürger 1301 gegen das bischöfl. Verbot eine Stadtmauer. Mit den 1381 unterzeichneten "Patti deditizi" wurde die Gerichtsbarkeit über das obere Eschental unter die Herrschaft der Visconti gestellt. Während der Zeit der Visconti und Sforza und der nachfolgenden Epoche der span. Herrschaft (16.-18. Jh.) beherbergte das Schloss Mattarella die Garnison und den herzogl. Verwalter. Zur Zeit der Gegenreformation entstand gerade oberhalb des Schlosses der Hl. Kalvarienberg, der 1828 zum Mutterhaus der von Antonio Rosmini neu gegr. Priesterkongregation Istituto della Carità wurde. Die 1806 errichtete napoleon. Strasse befreite die Stadt aus ihrer jahrhundertelangen Isolation und machte sie zum Knotenpunkt wichtiger Verbindungsstrassen. Die Eisenbahnverbindung mit Novara (1888), die internat. Simplonlinie (1906) und die Linie D.-Locarno (1923) führten zu einem raschen wirtschaftl., demograf. und städtebaul. Aufschwung und machten D. zu einem Verbindungspunkt zwischen der ital. und der franz. Schweiz.


Literatur
– R. Mortarotti, L'Ossola nell'età moderna, 1985
– B. Canestro Chiovenda et al., Ossola: storia, arte e civiltà, 1993

Autorin/Autor: Enrico Rizzi / CN