Büsingen

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Gem. Baden-Württemberg, Landkreis Konstanz. Dt. Enklave am Nordufer des Hochrheins, allseits von Schweizer Gebiet umgeben. 1090 Bousinga. 1871 755 Einw.; 1950 936; 1993 1'500 (darunter ca. 240 Schweizer); 2000 1'438.

Scherben- und Metallfunde stammen überwiegend aus Grabhügeln der Urnenfelder-, Hallstatt- und Latènezeit. Ein alemann. Gräberfeld datiert in das 6./7. Jh. Die auf dem Kirchberg oberhalb von B. gelegene Michaelskirche (1095 ecclesia ad Kirichberch) ist eine der ältesten christl. Kultstätten im Landkreis Konstanz. Zu ihrem Pfarrsprengel zählte bis zur Mitte des 13. Jh. auch Schaffhausen. Danach wurde B. kirchlich von Schaffhausen aus betreut, 1529-1843 von ref. Geistlichen der Schaffhauser Landeskirche. 1090 schenkte Gf. Burkhard von Nellenburg umfangreiche Güter in B. dem von seinem Vater gegr. Kloster Allerheiligen in Schaffhausen. Von 1361 an besassen die Herren von Klingenberg die Ortsherrschaft in B. Sie verpfändeten mit Zustimmung der Lehensherrschaft Österreich 1437 Nutzungen und Gefälle sowie 1446 die Vogteirechte in B. dem Frauenkloster St. Katharinental bei Diessenhofen. 1463 kam die Vogtei durch Kauf an Bürgermeister Heinrich Barter von Schaffhausen und nach dem Aussterben der Barter an die Schaffhauser Bürger Im Thurn, die von 1535 bis ins 19. Jh. Ortsherren in B. waren. Die Territorialhoheit, insbesondere die hohe Gerichtsbarkeit, über B. behielt sich jedoch das Haus Habsburg vor. Beim Reiather Jurisdiktionskauf durch die Stadt Schaffhausen 1723 blieb B. wegen Differenzen zwischen Österreich und Schaffhausen (sog. Imthurn- oder Büsinger Handel) ausgenommen. Als Österreich 1770 seine landgräfl. Rechte über Ramsen und Dörflingen an Zürich verkaufte, von dem diese Orte 1798 an Schaffhausen kamen, wurde B. zur Enklave in der Schweiz. Mehrfache Kauf- und Tauschverhandlungen blieben erfolglos. Die Stadt Schaffhausen besitzt jedoch noch heute ca. 62 ha (davon 53 ha Wald) im Gemeindegebiet von B. 1805 fiel B. an Württemberg, 1810 an Baden (D). Bereits 1835 hatte B. durch den Beitritt Badens zum Dt. Zollverein eine zollrechtl. Sonderstellung erhalten und war Zollausschlussgebiet geworden. Die Folge war, dass B. im Laufe des 19. Jh. sich wirtschaftlich immer mehr nach Schaffhausen ausrichtete. Durch die Aufhebung der schweiz. Zollgrenze um die Enklave B. 1947 wurde der Anschluss von B. an das schweiz. Zollgebiet de facto vollzogen. Die rechtl. Anerkennung dieses Zustands brachte jedoch erst der dt.-schweiz. Staatsvertrag von 1964 über die Einbeziehung der Gem. B. in das schweiz. Zollgebiet (1967 in Kraft getreten). Die Erwerbsbevölkerung von B. ist überwiegend in Schaffhausen tätig.


Literatur
– F. Götz, Das Büsinger Vertragswerk, 1968
Der Landkreis Konstanz 3, 1979
– F. Götz et al., 900 Jahre B., 1990
– U. Wolf, H. Lieb, Die Bergkirche B., 1993
Schaffhauser Mgz., Nr. 2, 2001

Autorin/Autor: Franz Götz