Seedorf (UR, Gemeinde)

Polit. Gem. UR, links der Reuss am Urnersee gelegen. 1254 Sedorf. Schon im 13. Jh. war S. in Ober- und Unterdorf geteilt. Das Dorfbild wird durch das Klostergebäude sowie das Schlösschen der Fam. a Pro geprägt. 1743 (inkl. Bauen) 271 Einw.; 1799 (ohne Bauen) 202; 1850 420; 1900 596; 1950 642; 1970 1'049; 2000 1'509. Alemannen siedelten im FrühMA, die Dorfbildung erfolgte wohl unter fränk. Einfluss. Infolge des Gotthardverkehrs erfuhr S. im 13. Jh. einen Aufschwung. Der Ort war Grundbesitz des Fraumünsters Zürich und von Adligen aus dem Raum der Landgrafschaft Burgund. Im 13. Jh. ging der grösste Teil des adligen Besitzes wohl an das Lazariterkloster, das seit 1559 ein Benediktinerinnenkonvent ist. 1556-58 erbaute die Fam. a Pro das Schlösschen und richtete 1578 ein Fideikommiss ein. Erste Ansätze der Gemeindebildung sind um 1400 zu beobachten, als Mitglieder der Kirchgemeinde der Kirche ihren Boden abkauften. 1517 werden sog. Dorfleute erwähnt. S. bildete zusammen mit Attinghausen eine Genosssame und entsandte zwei Ratsherren in den Rat der Sechzig des Landes Uri. Verbauungen der Reuss ab 1850 und des Palanggen ab 1888 sowie ausgedehnte Meliorationen im 2. Weltkrieg vergrösserten die Kulturlandfläche. Eine erste, Ulrich und Verena geweihte Kirche entstand im 12. oder 13. Jh. Bis 1591 war S. nach Altdorf kirchgenössig, nach der Abkurung umfasste die Pfarrei S. bis 1621 auch Isenthal und bis 1801 Bauen. 2010 schlossen sich S., Bauen und Isenthal zu einem Seelsorgeraum zusammen. Die Kantonsverfassung von 1850 bestätigte S. als polit. Gemeinde. Die Ausscheidung der Bürgergemeinde erfolgte 1944, jene der Kirchgemeinde 1994. Die Landwirtschaft, die bis in die frühe Neuzeit im Passverkehr einen Nebenverdienst fand, wurde durch holzverarbeitende Betriebe ergänzt. Ab 1900 entstand weiteres Gewerbe, 1981 eine Maschinenfabrik. 2005 stellten Industrie und Gewerbe 44% der Arbeitsplätze in der Gemeinde. Nach dem Bau der A2 entlang der Reuss bzw. des Seeufers Ende der 1960er Jahre entstanden mehrere neue Wohnquartiere. S. ist seit 1972 Sitz der Kreisschule mit Real- und Sekundarstufe.


Literatur
– H. Stadler-Planzer et al., S., 1991

Autorin/Autor: Hans Stadler