Belfort (F)

Hauptort des franz. Dep. Territoire de Belfort. 1695 1'200 Einw.; 1790 4'144; 1866 6'257; 1911 39'371; 1990 51'913. Am Ursprung der Stadt stand die Feste B. oberhalb der Savoureuse an der sog. Burgundischen Pforte, dem Übergang vom Rhein- zum Rhonetal mit den Flüssen Doubs und Saône. B. war zugleich Durchgangsort und Bollwerk an der Nahtstelle zweier kultureller und polit. Welten: des deutschsprachigen Elsass und der französischsprachigen Freigrafschaft Burgund. Erstmals erw. wurde B. 1226. Zuerst im Besitz der Gf. von Montbéliard, ging es 1350 an die Habsburger über. 1648 kam es zu Frankreich und wurde zwischen 1687 und 1703 vom Festungsbaumeister Ludwigs XIV., Marschall Vauban, befestigt und zum militär. Stützpunkt ausgebaut. Die Festung stand zum einen in Frontstellung gegenüber der Eidgenossenschaft, zum andern, in zweiter Linie hinter Hüningen, gegenüber dem Reich. Die von ihr ausgehende Bedrohung wurde z.B. 1791 spürbar, als österr. Truppen Pruntrut besetzten, um dem Fürstbf. von Basel gegen seine Untertanen beizustehen. Vaubans neue, auf die doppelte Fläche vergrösserte Stadt lockte viele Zuzüger an, v.a. auch aus der Ajoie; im 18. Jh. vervierfachte sich die Bevölkerung. Als Schnittpunkt der Verkehrswege nach Paris, Basel, Lyon, Strassburg, Montbéliard, Pruntrut und Lothringen (über die Vogesen) wurde B., letzter Etappenort vor Basel, auch zum bedeutenden Umschlagplatz. In der Revolutionszeit verstärkten sich die Verbindungen zwischen B. und dem ehemaligen Fürstbistum Basel, das 1793 zum Dep. Mont-Terrible der Franz. Republik geworden war. Zahlreiche Belforter waren in der Verwaltung des neuen Departements tätig und erwarben Nationalgüter, v.a. Hüttenwerke, so Paul George und Jean-Pierre Cugnotet in Undervelier. Die Beziehungen währten auch in der Ära Napoleons fort: B. wurde zu einem Finanzplatz, wo Basler ihr Kapital anlegten und Notabeln aus Delsberg und Pruntrut ihre Geschäfte tätigten. Nach der Integration des ehemaligen Fürstbistums Basel in die Schweiz (1815) wurden die Beziehungen lockerer. Einzig als sich nach 1870 Mülhauser Unternehmer in B. niederliessen, zogen sie neben Arbeitskräften aus dem Elsass auch solche aus der Schweiz an. Beibehalten hat B. jedoch die Rolle als wichtiger Verkehrsknotenpunkt in der Nähe von Basel.


Literatur
– Y. Baradel, B. au XVIIIe siècle, 1983
– Y. Baradel et al., Histoire de B., 1985
– Y. Baradel, B.: de l'Ancien Régime au siège de 1870-1871, 1993

Autorin/Autor: Yvette Baradel / AA