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Como (Diözese)

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Die Errichtung eines Bischofssitzes in C. und die Ernennung des ersten Bf. Felix 386 erfolgten im Rahmen einer vom Mailänder Bf. Ambrosius angeregten kirchl. Neuorganisation der Lombardei. Die junge Bischofskirche förderte die Christianisierung und den Aufbau der kirchl. Verwaltung im Gebiet zwischen Comer- und Luganersee und dem Veltlin.

1 - Mittelalter

Vom 5. Jh. an sind Kirchen auf der Landschaft bezeugt, spätestens ab dem 9. Jh. wurden auch Pfarrbezirke eingerichtet. Comaskische Gründungen sind die Taufkirchen und späteren Pieven - so werden die alten Grosspfarreien im Tessin genannt - von Balerna, Riva San Vitale und Lugano, während die Pfarreikreise, die auf die Mutterkirchen von Muralto, Bellinzona und Agno (wahrscheinlich mailänd. Gründungen) zurückgehen, spätestens zwischen 1002 und 1004 unter die Jurisdiktion von C. fielen. Das Bistum C. wirkte wohl auch mit an der Christianisierung des Veltlins und damit auch des Puschlavs (im 8.-9. Jh. zeitweilig unter der kirchl. Jurisdiktion der Abtei Saint-Denis bei Paris), ebenso des Bergells, das schon vor dem Jahr 1000 dem Bf. von Chur zugeteilt wurde.

Das Territorium des Bistums, das sich bis zum 13. Jh. verfestigte, wies einen unregelmässigen Grenzverlauf auf, insbesondere im heutigen Kt. Tessin: Es erstreckte sich über das ganze Sottoceneri mit Ausnahme der Capriasca, die der Erzdiözese Mailand angehörte, und Campiones, das seit dem 8. Jh. dem Kloster S. Ambrogio in Mailand unterstellt war. Im Norden gehörten die Pieven Locarno und Bellinzona zur Diözese C., nicht aber die dreiAmbrosianischen Täler und Brissago, die Mailand unterstanden. Die Grenze zwischen den beiden Bistümern war das Ergebnis eines unsystemat. Christianisierungsprozesses, einer langen Reihe von Erwerbungen und Schenkungen und versch. politischer Ereignisse im FrühMA. Dank der engen Beziehung zu Königen und Kaisern hatten die Bischöfe zahlreiche weltl. Privilegien erhalten, hauptsächlich von den sächs. Kaisern, und so die Grundlage für das weltl. Herrschaftsgebiet der Diözese gelegt, das später von der Stadtkommune ausgebaut wurde. Die Bischöfe besassen versch. Rechte und Regalien (Steuern, Zölle, Jagd-, Fischerei- und Mahlrechte usw.) und verfügten über beträchtl. Zehnt- und Grundbesitz v.a. im Mendrisiotto, im Gebiet von Lugano und Bellinzona, den sie aber teilweise weltl. Besitzern und wohl auch anderen, mit dem Bischofssitz verbundenen kirchl. Körperschaften C.s (Domkapitel, Klöster) überliessen. Durch die Belehnungen mit Gütern und Rechten knüpften sie dauerhafte Beziehungen zu den bedeutendsten Familien der einzelnen Orte (z.B. den Adelsfamilien von Locarno) und spielten auch im Wirtschaftsleben auf dem Land eine wichtige Rolle. Ausserdem besassen die Bischöfe Schlösser, Festungen und Residenzen, darunter die bedeutenden Anlagen von Castel San Pietro und Lugano.

Vom FrühMA an war die Geschichte der Diözese C. vom Gegensatz zu Mailand geprägt. 606-608 bestätigte sie im Dreikapitelstreit die Gefolgschaft zur schismat. Partei, die in Bf. Abbondio (449 bis ca. 468 im Amt) einen ihrer wichtigsten Exponenten hatte; C. löste sich deswegen von Mailand, das bereits wieder zu Rom zurückgekehrt war, und wurde dem Patriarchat von Aquileja unterstellt, dessen Ritus die Diözese bis in die Neuzeit bewahrte. Die Rivalität zwischen C. und Mailand verschärfte sich im 10.-12. Jh., als die Bischöfe von C. eine umfassende weltl. Macht ausübten. Erst im 15. Jh., nach der Unterwerfung der Stadt C. unter Mailand und mit der Konsolidierung des mailänd. Territorialstaates unter den Visconti, kamen versch. Vertreter von Mailänder Adelsfamilien auf den comask. Bischofsstuhl, während die Behörden der Mailänder Herzöge de facto die Aufsicht über einige Teile der Diözesanverwaltung ausübten, v.a. im wirtschaftl. Bereich und im Pfründenwesen. Der Betrieb der bischöfl. Kurie und die Beziehung zum Hoheitsgebiet wurden in jener Zeit zum grossen Teil von Generalvikaren wahrgenommen, weil die Titularbischöfe andernorts beschäftigt waren.

Autorin/Autor: Paolo Ostinelli / RG

2 - Frühe Neuzeit

Der polit. Niedergang C.s, der sich schon im 15. Jh. abzeichnete, beschleunigte sich im folgenden Jahrhundert. Einige der kirchl. Jurisdiktion der Diözese unterstellten Pieven im Tessin gerieten unter den Einfluss der Eidgenossen (1500-16), im Veltlin und Puschlav (mit den Pfarreien Poschiavo und Brusio) der Bündner. Als C. 1526 spanisch wurde und sich zugleich die Reformation ausbreitete, komplizierten sich die Beziehungen des Bischofs zu den eidg. und bündner. Gebieten zusätzlich. Aufgrund der Bestimmungen des 2. Kappeler Landfriedens (1531) über die gemeinen Herrschaften wurde die ref. Gemeinde Locarnos zur Auswanderung gezwungen (1555). Im Veltlin hingegen, das der direkten Herrschaft der rät. Oberherren unterworfen war, siedelte sich eine bedeutende evang. Gemeinde an. In den ennetbirg. Vogteien des Tessins kamen zwischen der 2. Hälfte des 16. und dem Anfang des 17. Jh. die Normen der kath. Reform zur Anwendung. Den zahlreichen Hirtenbesuchen (v.a. von Karl Borromäus) folgten Gründungen von Klöstern, karitativen Werken, Bruderschaften und Schulen zur Erziehung des Klerus und des Volkes. Es fehlte allerdings nicht an Spannungen mit den örtl. Zivilbehörden, v.a. in der Rechtsprechung.

Die Feindseligkeit der bündner. Amtleute gegenüber den Katholiken verhinderte die normale Durchführung der Pastoraltätigkeit. Die Spannungen zwischen den beiden Konfessionen entluden sich im Mord an Nicolò Rusca, dem aus Bedano stammenden Erzpriester von Sondrio, und v.a. im Veltliner Mord (1620). Die Lage änderte sich, als die von Frankreich und Spanien umkämpften Drei Bünde und das Veltlin in den Dreissigjährigen Krieg verwickelt wurden (Bündner Wirren). Im Mailänder Kapitulat von 1639 schliesslich gelangte das Veltlin wieder unter die Herrschaft der Bündner. Mit der Bestimmung, die kath. Religion als einzigen Glauben zuzulassen, wurde der einheim. Klerus dem Zugriff der rät. Oberherren entzogen und die Protestanten zur Auswanderung gezwungen.

1714 begann die österr. Herrschaft; 1751 änderte sich mit dem Übergang C.s vom Patriarchat von Aquileja an die Erzdiözese Görz auch die kirchl. Zugehörigkeit. Die Zeit der habsburg. Regierung zeichnete sich in den von ihnen direkt kontrollierten Gebieten durch eine starke Einmischung in die religiösen Angelegenheiten aus. Der Einmarsch der Franzosen 1796 verstärkte diese Tendenz.

Im Verlauf der drei frühneuzeitl. Jahrhunderte erfuhren die jurisdiktionellen Grenzen der Diözese keine wesentl. Änderungen; die Zahl der Pfarreien (parrocchie) hatte sich erhöht, obwohl die der ländl. Pfarreikreise (circoscrizioni plebane) mit Ausnahme einer leichten Erhöhung im Veltlin und den südlichen ennetbirgisch. Vogteien konstant blieb. Bf. Lazzaro Caraffino (1626-65) richtete neue Propsteien (Intragna für die ennetbirg. Vogteien) und Pfarreien ein, reorganisierte die Kollegiatskapitel und ernannte Dekane. Auch die Zahl der Domherren blieb praktisch unverändert. In den Akten des Hirtenbesuchs des Bf. Feliciano Ninguarda (1591-93) werden 20 Domherren aufgezählt, 17 einfache sowie drei mit besonderer Würde, der Propst, der Erzpriester und der Erzdiakon; mehrere Domherren stammten aus der ital. Schweiz.

Autorin/Autor: Pablo Crivelli / RG

3 - 19. Jahrhundert

Die Entstehung des Kt. Tessin 1803 hatte vorerst keine Auswirkungen auf die kirchl. Organisation des Kantons. Bis ins letzte Viertel des 19. Jh. blieben die Tessiner Pfarreien (ca. 180 in den sechs comask. Pieven) der Diözese C. bzw. der Erzdiözese Mailand unterstellt. Allerdings forderten die Tessiner Behörden bereits 1804 ein kant. Bistum und das Recht auf die Ernennung des Bischofs. In jener Zeit musste sich Bf. Carlo Rovelli (1793-1819) auch im Tessiner Teil seiner Diözese mit den ersten, vorsichtigen Eingriffen des Staates in das Kirchenleben auseinandersetzen. 1819 brachte sein Rücktritt das Problem einer Tessiner Diözese konkret aufs Tapet; der Bereitschaft des Hl. Stuhls stand jedoch die entschiedene Gegnerschaft der österr. Regierung und die Uneinigkeit der Geistlichkeit entgegen (die Priester der zu Mailand gehörenden Pfarreien standen der Idee einer Loslösung ablehnend gegenüber). Die Diözesanfrage stellte sich 1831 wieder beim Tode von Rovellis Nachfolger Giovanni Battista Castelnuovo (1821-31), der sich um die Ausbildung und Disziplin des Klerus verdient gemacht hatte; die Rom-Mission 1833 zweier Priester des Kapitels Lugano (Luigi Amadio und Giovanni Maria Bossi) führte erneut zu einer abschlägigen Antwort Österreichs. Das Problem spitzte sich zu in den Jahren des Episkopats von Carlo Romanò (1834-55), einem konservativen und Österreich ergebenen Bischof, der nach der Machtübernahme der Liberalen im Tessin 1839 auf immer radikalere Positionen der Tessiner Regierung stiess. Der Tod Romanòs führte zur Aufnahme von Verhandlungen, die sich jedoch schwierig gestalteten, weil Rom und der Tessiner Klerus den Plan der polit. Behörden, die Pfarreien des Kantons nun mit einer schweiz. Diözese (Chur oder Basel) zu vereinen, entschieden ablehnten. Nach dem Scheitern einer österr. Vermittlung dekretierten die eidg. Behörden 1859 die Aufhebung ausländischer bischöflicher Jurisdiktion auf schweiz. Gebiet. Während des Episkopats von Giuseppe Marzorati (1858-65) erschwerte die strenge Überwachung durch die Regierung die Position des Klerus weiter. 1862 bestätigte das mit der Regierung des Königreichs Sardinien abgeschlossene Abkommen von Turin, die Tessiner Mensalgüter - gegen eine jährl. Entschädigung an die comask. Mensa - dem Kanton zu übertragen. 1867 trat C. die Pfarreien Brusio und Poschiavo dem Bistum Chur ab. Während Staat und Kirche sich auch in Italien heftig befehdeten, wurde nach einer Sedisvakanz von sieben Jahren Pietro Carsana (1871-87) zum Bischof gewählt, der sein Amt jedoch nicht vor 1877 antreten konnte. Die Diözesanfrage liess sich erst nach 1875, während der Zeit der konservativen Regierungen im Tessin, lösen. Im Sept. 1884 wurde der Vertrag zwischen dem Hl. Stuhl, der Eidgenossenschaft und dem Kt. Tessin abgeschlossen, der die Tessiner Pfarreien von den beiden lombard. Diözesen abtrennte und sie dem vom Papst ernannten apostol. Administrator Eugène Lachat anvertraute. Dadurch wurde der Weg frei für die Schaffung der Diözese Lugano.

Die Bischöfe des Bistums Como von 1500 bis zur Schaffung der Diözese Lugano
AmtsdatenBischofAmtsdatenBischof
1487-1508Giovanni Antonio Trivulzio1696-1709Francesco Bonesana
1508-1518Scaramuzza Trivulzio1711-1735Giuseppe Olgiati
1518-1519Antonio Trivulzio1735-1739Alberico Simonetta
1519-1548Cesare Trivulzio1739-1746Paolo Cernuschi
1548-1559Bernardino Della Croce1746-1760Agostino Maria Neuroni
1559-1588Giovanni Antonio Volpe1760-1764Giovanni Battista Pellegrini
1588-1595Feliciano Ninguarda1764-1789Giovanni Battista Muggiasca
1595-1621Filippo Archinto1789-1792Giuseppe Bertieri
1621-1622Aurelio Archinto1793-1819Carlo Rovelli
1622-1626Desiderio Scaglia1821-1831Giovanni Battista Castelnuovo
1626-1665Lazzaro Caraffino1834-1855Carlo Romanò
1666-1679Giovanni Ambrogio Torriani1858-1865Giuseppe Marzorati
1680-1694Carlo Stefano Ciceri1871-1887Pietro Carsana
1694-1695Stefano Menati  

Quellen:HS

Autorin/Autor: Fabrizio Panzera / RG

Quellen und Literatur

Literatur