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Polit. Gem. UR, am Aufstieg zum Furkapass. 1363 Riealb. 1799 170 Einw.; 1850 203; 1900 208; 1950 186; 1980 308; 2000 146. Die rom. Siedlung aus dem 9./10. Jh. wurde im 12. Jh. von den Walsern übernommen. R. gehörte zur Talgem. Ursern. Die 1448 erstmals erw. Kapelle Hl. Kreuz (Filiale von Andermatt) wurde 1882 zur Pfarrkirche. Der jetzige Bau datiert von 1879-80. Die 1518 gestiftete Kaplanenpfrund ist seit 1735 von Kapuzinern besetzt. Diese führten 1735-1876 auch ein Hospiz. Die Dorfgem. wählte den Kaplan und bestimmte einen Dorf- und Kapellenvogt, war aber stark von der Talgem. abhängig. Die Kantonsverfassung von 1888 anerkannte R. als polit. Gem., doch wurden Armenwesen und -güter bis 1976 weiterhin von Ursern verwaltet; 1957 wurde die Kirchgem. ausgeschieden. Einen Nebenverdienst bot die Säumerei über Gotthard und Furka. Nach dem Brand von 1848 legte R. planmässig Mehrfamilienhäuser mit dahinter liegenden Stallreihen an. Mit dem Bau der Furkastrasse 1866 erfuhren die Kutscherei und die Hotellerie einen Aufschwung. 1882 ist eine Seidenwebereifabrik belegt. 1913 wurde das Elektrizitätswerk R. gebaut, 1926 eine Station der Furka-Oberalp-Bahn und 1973-82 der Furka-Basistunnel. Ab 1878 wurde der Lawinenschutz ausgebaut und der Wald aufgeforstet. Mit dem Abbau der Gotthardfestung ab 1985 verlor R. zahlreiche Arbeitsplätze, was mit dem Rückgang der Landwirtschaftsbetriebe zu einem Bevölkerungsschwund führte. 2005 stellte der 3. Sektor fast 90% der Arbeitsplätze in der Gemeinde.


Literatur
HS V/2, 478-481
– S. Arnold, Hundert Jahre Pfarrkirche R., 1880-1980, 1980
– I. Müller, Gesch. von Ursern, 1984
– V. und T. Simmen, R. in der Fotografie ab 1850, 1986

Autorin/Autor: Hans Stadler