14/09/2005 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Göschenen

Polit. Gem. UR. Umfasst das Dorf G., den Weiler Abfrutt und die Göscheneralp. G. wurde 1875 von der Gem. Wassen abgetrennt und zur selbstständigen Gem. erhoben. Brückenort an der Reuss, bis ins 17. Jh. Zollstation des Landes Uri, wo auch der Getreideexport der Innerschweiz kontrolliert wurde. Nach 1280 Geschenden, 1290 Gescheldun, 1294 Geschenen, 1429 ze Gestinen. Ital. Casinotta, rätorom. Caschanutta. 1837 344 Einw.; 1850 348; 1880 2'992; 1900 773; 1920 974; 1950 698; 1960 1'284; 1970 888; 2000 511. Siedlungsspuren ab dem FrühMA. Der Grundbesitz mit Turm der Gf. von Rapperswil ging 1290 an das Kloster Wettingen und 1359 an das Land Uri über. Die Kapelle Unserer Lieben Frau Empfängnis entstand spätestens im 11. oder 12. Jh., der Neubau im 14. Jh. (Ablassbrief von 1341). Die 1556 gestiftete Kuratkaplanei ist seit 1641 ständig besetzt. G. gehörte zunächst zur Landespfarrei Silenen, ab 1439 zur Pfarrei Wassen. 1875 erfolgte die Abkurung von Wassen; 1900 entstand die neue Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt. Zusammen mit der kirchlichen erfolgte die polit. Verselbstständigung. 1944 Ausscheidung der Korporationsbürgergemeinde. Die Leute von G. opponierten 1290 gegen einen Gütertausch zwischen dem Kloster Wettingen und der Fraumünsterabtei Zürich. Ihre Nutzungsrechte an Wald und Allmend wurden 1547 gegen Wassen und 1571 gegen Ursern abgegrenzt. Land- und Alpwirtschaft standen neben Säumerei und Kristallhandel. Die seit 1830 fahrbare Gotthardstrasse und die 1882 eröffnete Gotthardbahn förderten den Verkehr und machten G. zu einem Mittelpunkt des Kutschergewerbes, bis 1917 die Schöllenenbahn den Betrieb aufnahm. Um 1900 bestand in G. eine blühende Granitsteinindustrie, 1905 entstand ein gemeindeeigenes Kraftwerk, 1962 wurde das Elektrizitätswerk Göschenen errichtet, 1980 der Gotthardstrassentunnel mit Kommandozentrale und Werkhof. Die starken Schwankungen der Einwohnerzahl G.s stehen in Zusammenhang mit grossen Bauprojekten (Bau der Gotthardbahn um 1880, deren Elektrifizierung um 1920, Bau des Elektrizitätswerk um 1960).


Literatur
– E. Muheim, Das Lebensbild einer Gem., 1975
– H.-J. Lehner, «Alte Kirche G.», in Gfr. 143, 1990, 71-101
– A. Binnenkade, «Leben in G.», in Kohle, Strom und Schienen - Die Eisenbahn erobert die Schweiz, 1997, 191-204

Autorin/Autor: Hans Stadler