28/10/2009 | Rückmeldung | PDF | drucken

Flüelen

Dieser Artikel wurde für die Buchausgabe des HLS mit Bildern illustriert. Bestellen Sie das HLS bei unserem Verlag.

Polit. Gem. UR, bestehend aus dem Dorf, dem Ausserdorf und zerstreuten Tal- und Bergheimwesen. 1266 Vluolon. Die Entwicklung des Strassendorfes mit seinen Hafen- und Sustanlagen war eng mit der Schifffahrt auf dem Vierwaldstättersee (Gotthardverkehr) verknüpft. 1685 337 Einw.; 1743 372; 1799 469; 1850 600; 1880 1'420; 1900 941; 1950 1'645; 2000 1'787. Der Ursprung der Turmburg Rudenz dürfte mit der erstmals 1313 erw. Reichszollstätte zusammenhängen. Die Fraumünsterabtei Zürich besass in F. Grundbesitz, zwei Fährstellen und das Zehntrecht. Der Reichszoll von F. ging samt Sust und -recht zwischen 1360 und 1427 vollständig an das Land Uri über. 1360 wird die Kirche St. Georg und St. Nikolaus als Filiale von Altdorf erwähnt, 1374 die Dorfleute; das erste Dorfrecht stammt von 1541. 1664 Neubau der Kirche, 1665 Abkurung von Altdorf. 1910-12 Bau der Pfarrkirche Herz Jesu mit Dekorationen im Jugendstil sowie Malereien der Beuroner Schule. Die 1383 erw. Säumer- und die 1374 erw. Schifffahrtsgenossenschaft dienten nebst Spezialgewerbe und Gaststätten dem Verkehr. 1675 erhielt F. mit Altdorf und Bürglen den Gruonwald zur Nutzung. Durch die seit 1830 fahrbare Gotthardstrasse und die Dampfschifffahrt wuchs Fs. Bedeutung als Warenumschlagplatz. Der 1865 abgeschlossene Bau der Axenstrasse leitete eine tourist. Entwicklung ein. Mit der 1882 eröffneten Gotthardbahn wurde F. Knotenpunkt im regionalen Personenverkehr, was den Aufschwung von Gewerbe und Kleinindustrie nach sich zog. Nach der 1884-86 erfolgten Verbauung des Gruonbaches entstanden Wohnquartiere im Ausserdorf, und am südl. Seeufer bildete sich eine Industriezone. 1943 wurden die Korporationsbürger- und Kirchgemeinde aus der Einwohnergemeinde ausgeschieden. 1988 wurde für den Dorfkern ein neues Verkehrskonzept erlassen, 1995 eine neue Gemeindeordnung. 2005 wurde ein Umfahrungstunnel eröffnet.


Literatur
– R. Müller, F., seine Gesch. und Entwicklung, 1912
F., hg. von L. Birchler u.a., 1965
Kdm UR 2, 1986, 61-138

Autorin/Autor: Hans Stadler