Niederglatt

Polit. Gem. ZH, Bez. Dielsdorf. Die beidseits der Glatt gelegene Gem. umfasst die Dörfer N. und Nöschikon. N. gehörte bis zur Ablösung 1840 politisch zu Niederhasli. 1149 Niderunglatto, 1153-55 Nidrunglate. 1467 9 Haushalte; 1634 229 Einw.; 1850 580; 1900 524; 1950 872; 1970 2'421; 2000 3'737.

Bei einer archäolog. Notgrabung 1999 wurden in Nöschikon Überreste von vier Grubenhäusern aus dem 11. oder frühen 12. Jh. sowie die Fundamente der 1370 erw. Filialkapelle von Bülach mit dem Friedhof freigelegt. Ein wichtiger Grundherr in N. war das Grossmünsterstift in Zürich, das 1364 von der Bürgermeisterfam. Brun auch den Meierhof mit dem Niedergericht in N. erwarb. Letzteres kam 1526 vom Stift an die Stadt Zürich. Hochgerichtlich gehörte N. zur Grafschaft Kyburg. Mit dieser gelangte N. 1424 bzw. 1452 an die Stadt Zürich, wobei das Gebiet links der Glatt ab 1442 zur Vogtei Neuamt gehörte, der rechtsufrige Teil weiterhin von der Kyburg aus verwaltet wurde. Trotz des Abbruchs der Kapelle in Nöschikon 1543 blieb das Kapellengut erhalten. N. gehört seit der Reformation zur ref. Kirchgemeinde Niederhasli. 1698 wehrten sich die Dorfgenossen erfolgreich gegen eine von den Obervögten geplante Teilung des Gemeindeguts (inklusive Allmend) zwischen N. und Nöschikon. Im 18. Jh. betätigten sich die Bewohner von N. im Landhandwerk und in der textilen Heimindustrie. In Nöschikon beschäftigte sich sogar jeder sechste Erwerbstätige als Zimmermann, Maurer oder Maler. Die Landwirtschaft war auf Pferdezucht spezialisiert. 1865 bekam N. eine Station an der Eisenbahnlinie Zürich-Bülach und wurde 1877 zur Abzweigung der Linie Bülach-Baden (1937 von den SBB stillgelegt). 1913 wurde die Bauunternehmung Emil Krämer AG mit Geschäftshaus und Magazin gegründet, 1928 erweitert mit Zimmerei und Sägewerk. 1937 eröffnete die Spezialpapierfabrik Schindler & Co. ihren Betrieb. 1939 siedelte sich das Aluminium-Recycling Unternehmen Refonda der Alusuisse in N. an. Die Stilllegung des Werks 1992 hatte eine der aufwendigsten Altlastensanierung im Kt. Zürich mit über 12 Mio. Fr. Kosten zur Folge. In den letzten dreissig Jahren entwickelte sich N. zur suburbanen Wohngemeinde der Agglomeration Zürich, die 2000 einen Wegpendleranteil von rund 80% aufwies.


Literatur
– P. Nussberger, E. Schneiter, Bezirkschroniken des Kt. Zürich 5, 1962, 139-141
– T. Meier, Handwerk, Hauswerk, Heimarbeit, 1986
– C. Bader et al., «Die ma. Siedlungsreste von N.-Nöschikon», in Ber. der Kantonsarchäologie 16, 2002, 121-140

Autorin/Autor: Martin Illi