Willisau Land

Ehemalige politische Gemeinde LU, Amt bzw. Wahlkreis Willisau, seit 2006 mit Willisau Stadt Teil der neuen Gemeinde Willisau. Sie umfasste mit dem Hinterland westlich und südlich der Stadt Willisau, vielen Einzelhöfen und einigen Weilern ein relativ ausgedehntes Gebiet. Dazu gehörten auch die Burgruine Hasenburg und die Burgstelle Gütsch der Frh. von Wediswil. 1101 Willineshouwo. Um 1695 ca. 1'140 Einw.; 1798 2'173; 1850 3'161; 1900 2'537; 1950 3'144; 2000 4'105.

Die Siedlungen Ostergau, Gesserswil, Bauwil, Daiwil, Opfersei (heute Gem. Hergiswil bei Willisau), Wüschiswil (seit 1814 beim Amt Sursee), die im MA von versch. Twingherren (von Habsburg, von Hasenburg, von Wolhusen) beherrscht wurden, entwickelten rudimentäre Twing- und Zelgstrukturen ohne Gericht. Spätestens ab dem 15. Jh. übte die Stadt Willisau im Gebiet der alten Pfarrei die niedere Gerichtsherrschaft aus. Im SpätMA entstanden in der Pfarrei für Stadt und Land getrennte Steuer- und Aushebungsbezirke, im 17. und 18. Jh. zwei Steuerbriefe für die Armenpflege, die nur 1757-63 vereinigt waren. Hauptsächlich auf der Grundlage des Steuerbriefs für die Pfarreiangehörigen auf dem Land wurde 1798, 1803 und 1807 die polit. Gemeinde W. geschaffen. 1820 kamen Olis- und Mittmisrüti dazu. Bis zur Fusion war Willisau Stadt eine Enklave in der Gem. W. Kirchlich bilden Willisau Stadt und W. seit je die Pfarrei Willisau. Die wahrscheinlich von 1722 stammende Kapelle St. Jakob auf der Bösegg wurde 1949 neu gebaut. 1894 entstand in W. die erste ref. Kirche auf der Luzerner Landschaft.

Die Gem. pflegte Getreidebau sowie Vieh- und Milchwirtschaft. Vom MA an sind zahlreiche Mühlen belegt. 2005 stellte der 1. Sektor noch 28% der Arbeitsplätze in der Gemeinde. Die durch Torfabbau entstandene Weiherlandschaft im Ostergau steht unter Schutz. Die Nähe zu Willisau Stadt führte im 20. Jh. zum Bau städt. Wohnquartiere. In der Industriezone sind Fabrikationsbetriebe für Kunststoffplatten, Möbel, Landmaschinen, Holzverarbeitung und -imprägnierung angesiedelt. Willisau Land war Sitz der 1926 vereinten und 1985 in einem Neubau untergebrachten Gewerbeschule (gegr. 1908), der kaufmänn. Berufsschule und der Verkaufsschule (1912 bzw. 1966, heute alle Teil des Berufsbildungszentrums Wirtschaft, Informatik und Technik), der kant. Landwirtschaftsschule (1921-99), der Bäuerinnenschule (1947-97) und seit 1971 der Mittelschule (Schlossfeld). Ländl. Primarschulen werden in Käppelimatt, Rohrmatt und Schülen betrieben, jene im Ostergau bestand 1812-1967.


Literatur
– A. Bickel, Willisau, 2 Bde., 1982
– J. Zihlmann, Namenlandschaft im Quellgebiet der Wigger, 1984
– A. Häfliger, Willisau-Land, 1996

Autorin/Autor: Waltraud Hörsch