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Braillard, Maurice

geboren 23.7.1879 Auvernier,gestorben 8.7.1965 Genf, von Gorgier. Sohn des Emile Auguste, Kaufmanns, und der Jenny Mathilde geb. Dessoulavy. ∞ 1908 Adèle Célestine Verdan, Sängerin. 1894-98 Ausbildung zum Architekten bei Paul Bouvier und Léo Chatelain in Neuenburg, 1898-1902 bei Charles Bonjour und Charles-François Dubois in Lausanne. Nach dem Stud. an der Ecole des Beaux-Arts in Paris (1902 Atelier Paulin) kehrte B. 1904 ohne Abschluss nach Genf zurück, wo er Leiter des Büros von Marc Camoletti wurde. Ab 1906 schrieb er für die dt. Zeitschriften "XX. Jahrhundert" und "Moderne Bauformen". 1907 eröffnete er ein eigenes Architekturbüro. Sein erstes bedeutendes Werk war das Schul- und Gemeindehaus in Onex (1908-09), das heftige Kritik hervorrief, weil der Baustil als zu "deutsch" empfunden wurde. 1908-10 baute er in Ugine (Dep. Haute-Savoie, F) für den Freiburger Industriellen Paul Girod eine Fabrik, Phalanstère, Werksiedlung und weitere Gebäude, worin seine Begabung als Heimatstil-Architekt und seine Sorgfalt im Detail in der Tradition des Schweiz. Werkbundes zum Ausdruck kommen. 1909 war B. Mitbegründer der Westschweizer Sektion des Bunds Schweizer Architekten (BSA). 1909-12 entstanden die Schulhäuser von Mies, Bernex und Avully. Das 1911-13 erbaute Wohnhaus an der Avenue Gallatin Nr. 3 markiert durch sein modernes Erscheinungsbild und die rationelle Verwendung von Beton im städt. Umfeld einen architekton. Übergang. Bereits vor dem 1. Weltkrieg wirkte B. als städtebaulicher Berater in Genf. Zusammen mit Camille Martin übernahm er in diesem neuen Bereich eine Vorreiterrolle. 1926-29 schuf er die Wohngebäude Squares de Montchoisy, 1929 den Plan der Gartenstadt Cité-Vieusseux, 1928 die Maison Ronde (fünf im Halbkreis angeordnete Wohnhäuser) und 1932 die Drahtseilbahn auf den Salève (Dep. Haute-Savoie, F). 1933-36 war B. Genfer SP-Staatsrat (Baudep.). 1935 erstellte er den ersten Richtplan der Schweiz für den Grossraum Genf.


Archive
– Fondation Braillard Architectes, Genf
Literatur
– M. Massaglia Aït-Ahmed, Maurice B., architecte et urbaniste, 1991
Architektenlex., 83 f.

Autorin/Autor: Armand Brulhart / EM