Reiden (Gemeinde)

Politische Gemeinde LU, Amt bzw. Wahlkreis Willisau. R. umfasst den Weiler Reidermoos und fusionierte 2006 mit Langnau bei Reiden und Richenthal zur neuen Gemeinde Reiden. 1168 Reiden. 1456 ca. 230 Einw.; um 1695 ca. 950; 1798 1'115; 1850 1'685; 1888 1'437; 1900 1'670; 1950 2'506; 2000 4'090. Reste einer Holz- und Erdburg bei Sertel und einer im 13.-14. Jh. belegten Ausbausiedlung mit eigenem Twing im Äbnet. R. war eine nur 1238-39 erwähnte habsburg. Zollstation, die 1612 von Luzern neu errichtet wurde. 1407 gelangte R. mit der Grafschaft Willisau an Luzern, das im SpätMA sukzessive die Aufsicht über die Kommende übernahm. Eine Hälfte des Twings R. gehörte der Johanniterkommende, die andere den Herren von Büttikon bzw. ab 1421 Luzern. 1803-1913 war R. Sitz des Bezirksgerichts. Die 1173 erw. Pfarrkirche St. Bartholomäus, auch untere Kirche genannt, wurde 1644-62 umgebaut und 1793-95 neu errichtet. Die obere Kirche war die Ordenskirche. Zur Pfarrei gehörte neben R. und Wikon bis 1972 auch Mehlsecken und ein Teil von Langnau. Die ref. Kirchgemeinde mit der Kirche von 1937 wurde 1918 eingerichtet. Im 13. Jh. wird eine Mühle erwähnt, 1233 eine Schmiede und 1391 ein Wirtshaus. 1636 wird ein Schulmeister genannt und seit 1798 bestehen zwei Schulgemeinden. Um 1700 ist die Mühle Unterwasser die wohlhabendste Luzerns. 1856 erfolgte der Anschluss an die Schweiz. Centralbahn, 1981 an die A2. Die Verkehrslage begünstigte die Entwicklung zum Industrie- und Gewerbestandort mit zwei Textilverlegern im 19. Jh., der Spinnerei/Zwirnerei Lang & Co. seit 1867, Maschinenfabriken nach 1900 sowie einer Schuhfabrik 1947-85. In den 1970er und 80er Jahren siedelten sich spezialisierte Betriebe für Maschinen, Zubehör und Verpackungen an. Seit 1991 existiert in R. ein gewerbl. Schulungszentrum für Fotografie. 2000 arbeiteten 64% der Erwerbstätigen von R. auswärts, v.a. in Zofingen. Der 2. Sektor stellte 2005 etwa 46% der Arbeitsplätze.


Literatur
Kdm LU 5, 1959, 180-195
– F. Glauser, J.J. Siegrist, Die Luzerner Pfarreien und Landvogteien, 1977, v.a. 162 f.
– J. Grossmann, Chronik der Pfarrei und Kommende R., 1980
– A. Bickel, Willisau, 1982

Autorin/Autor: Waltraud Hörsch