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Nebikon

Polit. Gem. LU, Amt Willisau, am Zusammenfluss von Luthern und Wigger. 924 Nevinhova. Um 1695 ca. 280 Einw.; 1798 128; 1816 450; 1850 578; 1900 610; 1950 971; 2000 2'141.

Der Twing N. wurde vermutlich von den Rust und den Luternau in die Herrschaften Kasteln bei Alberswil und Wyher bei Ettiswil integriert, welche ihn ab dem SpätMA je hälftig besassen, ab 1664 gehörte er Wyher allein. Als Teil der Grafschaft Willisau gelangte N. 1407 an Luzern. Im 17./18. Jh. bildete N. einen Steuerbrief. Bis 1968 gehörte N. zur Pfarrei Altishofen; seither ist es pfarreilich selbstständig, während die gemeinsame Kirchgemeinde Altishofen-N. bestehen blieb. Die Pfarrkirche Maria Königin der Apostel wurde 1968 geweiht. In MA und früher Neuzeit wurde Dreizelgenwirtschaft betrieben, auf den Schotterböden wässerten die Bauern bis zur Melioration von 1936-42 ihre Wiesen. 1578 brannte das Dorf nieder. Im 19. und 20. Jh. herrschten Obstbau, Milchwirtschaft und Schweinezucht vor. Bis zur Industrialisierung war N. arm an Gewerbe; Seide, Leinen und Baumwolle wurden im Verlagssystem verarbeitet. Mit der Eröffnung der Centralbahn 1856 entwickelte sich N. rasch zum Umschlagplatz für das Willisauer Hinterland bis ins Entlebuch. Ein erster Industrialisierungsschub erfolgte um 1880: Die 1801 errichtete Hammerschmiede wurde ausgebaut, 1872 die auf die Herstellung von Ketten und Hebezeug spezialisierte Metallwarenfabrik Brun gegründet (1977 eingegangen, 1997 als Brun Mech AG neu gegr.) und 1869-1918 eine mechanisierte Ziegelei betrieben. 1884 wurde die Käsehandlung Lütolf ins Leben gerufen (regionaler Vertrieb und Export von Milchprodukten, bis Ende der 1990er Jahre). Seit 1902 ist N. Sitz der Eiseneinkaufsgenossenschaft der Wiggertaler Schmiede und Schlosser (1936 in die Rekag AG umgewandelt). Nach dem 2. Weltkrieg siedelten sich erneut zahlreiche Gewerbe- und Industriebetriebe an: u.a. Maschinenfabrikation, 1948 die Pavag AG als Herstellerin von Papiersäcken (2001 Konkurs und Neugründung als Pavag Folien AG), ab 1955 Fabriken für Heizradiatoren und Boiler. Die Egli-Mühlen AG begannen 1954 mit der Futterherstellung und erhöhten ihre Produktionskapazität Anfang des 21. Jh. erheblich. 1977 zog die Transportfirma Galliker AG zu (Hauptsitz in Altishofen). Im industriell geprägten N. arbeiteten 1985 75% der Beschäftigten im 2. Sektor, 2005 noch 46%. Seit 1955 besteht die Sekundarschule. Nach Überschwemmungen 1972 und 1975 wurden Luthern und Wigger grossflächig korrigiert.


Literatur
– H. Marti, N. - 1100 Jahre, 893-1993, 1993

Autorin/Autor: Waltraud Hörsch