24/10/2008 | Rückmeldung | PDF | drucken

Menznau

Polit. Gem. LU, Amt Willisau, umfasst die drei Ortsteile M., Geiss und Menzberg. 1185 Menzenowa. Um 1695 ca. 650 Einw. (Geiss ca. 85); 1798 1'894; 1837 2'402; 1850 2'337; 1900 1'906; 1950 2'410; 1970 2'185; 2000 2'850.

Um 1100 gelangte der Meierhof M. von den Gf. von Fenis an das Benediktinerkloster St. Johannsen in Erlach; im 15. Jh. erscheint dieser mit Dinghofgericht. Kirche und Pfarrei wurden vermutlich von Rechtsvorgängern der ab dem frühen 13. Jh. hier herrschenden Frh. von Hasenburg als Abspaltung von Willisau begründet; einzelne Höfe blieben lange Willisauer Exklaven. Mit der Kirchenvogtei waren Niedergerichtsrechte verbunden. Um 1320 gelangte das Deutschordenshaus Hitzkirch in den Besitz der Burgstelle Kasteln oberhalb von M. Es erwarb vor 1347 Kirche, Twing und Bann von den Hasenburgern; als Twingherren setzte die Kommende später Luzerner Ratsherren ein. 1803 übernahm Luzern die Ordensrechte. Gewisse niedere Hoheitsrechte hatten auch die Wolhuser bzw. die Habsburger, welche die Hochgerichtsstruktur vereinheitlichten und M. dem Amt Wolhusen zuteilten.

Bis 1465 gehörte auch Hasle als Filialkirche zu M. 1810 trennte sich das Menznauer Napfgebiet als Pfarrei Menzberg ab. 1470-75 wurde die Johannes dem Täufer geweihte Kirche in M. umgebaut, 1628-35 und 1891 mit Übernahme der alten Ausstattung neu errichtet. Die ursprünglich kleine Gem. dehnte sich in der Helvetik auf das Gebiet der Pfarrei aus, zudem wurde ihr Geiss einverleibt. 1798-1803 war M. Teil des Distrikts Ruswil, 1803-14 des Amtes Entlebuch als eigener Gerichtsbezirk, 1814-30 des Amtes Sursee, danach des Amtes Willisau. Im MA wurde im Dorf M. vermutlich Dreizelgenwirtschaft betrieben; in der frühen Neuzeit gehörte es zum Einzugsgebiet der Ruswiler Landzünfte. 1711 wurde ein Schulhaus mit festbesoldetem Lehrer und Organisten erwähnt. Kaplan Josef Grüter gründete 1831-35 in M. eine Taubstummenschule, welche 1839 zur ersten kant. Anstalt erhoben wurde (1840 nach Werthenstein, 1847 nach Hohenrain verlegt). 1895 erhielt M. eine Station mit Anschluss an die Wolhusen-Huttwil-Bahn. Bemühungen des 1956 gegr. Industriekomitees und der Gem. um die Ansiedlung von Industrie führten mit der Gründung des Spanplattenwerks Kronospan 1966 zum Erfolg (2005 500 Mitarbeiter). Ein Zweigbetrieb der Calida AG bestand bis 1994. Von den in M. Beschäftigten arbeiteten um 2000 27% in der Landwirtschaft und 43% im 2. Sektor. Naturschutzgebiet in Tutensee.


Literatur
– M. Hunkeler, M. - Geiss - Menzberg, 1907
– A. Bickel, Willisau, 2 Bde., 1982
– X. Vogel, «M. auf der Suche nach einem Industriebetrieb», in Heimatkunde des Wiggertals 64, 2007, 104-133

Autorin/Autor: Waltraud Hörsch