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Hergiswil bei Willisau

Polit. Gem. LU, Amt Willisau. H. umfasst das hintere Tal der Enziwigger im nördl. Napfgebiet und liegt in einer typ. Einzelhof-, Wechsel-, Alp- und Waldwirtschaftsregion. 1246 de Hergosswile. Um 1695 ca. 650 Einw.; 1798 223 (im alten Twing); 1816 2'021 (Dorf im Umfang der Pfarrei); 1850 2'487; 1900 1'940; 1950 2'130; 1980 1'780; 2000 1'809. Auf Salbüel befand sich vom Ende des 10. bis zur Mitte des 13. Jh. eine Erd-Holz-Burg. Um 1300 beanspruchte Habsburg die hohen und niederen Gerichte im Twing H. und in Wiggen. Siedlungen freier Leute wie z.B. Opfersei und Wissbühl gehörten zur oberen Burg Willisau. Ab 1407 stand H. unter Luzerner Herrschaft bzw. unter dem Stadtgericht von Willisau. 1605 konnte das bis anhin im Willisauer Sprengel integrierte H. eine Pfarrei bilden, die den Umfang des Twings weit übertraf. Sie bildete auch die Grundlage des späteren Steuerbriefs und der Gemeinde. Eine Kapelle besteht vermutlich seit dem 16. Jh. Die erste Kirche wurde 1603 geweiht (Kuratkaplanei ab 1602). Die zweite entstand 1840-42. Im 14. Jh. ist eine Mühle erwähnt und noch in der Frühneuzeit wurde viel Getreide angebaut. Im alten Twing H. bestand bis um 1598 Dreizelgenwirtschaft, und der Twingwald wurde erstmals im 16. Jh. aufgeteilt. Bis ins 19. Jh. betrieb man auch Flussgoldwäscherei. Industrie siedelte sich keine an. Im 20. Jh. gewann aber die Fleischproduktion, Mastschweine und Hühnerzucht, an Bedeutung. 2000 war fast die Hälfte der in H. Erwerbstätigen im 1. Sektor beschäftigt. Zu Beginn des 19. Jh. ereignete sich ein Dorfbrand. Im 19. Jh. befand sich bei der Bergkapelle St. Joder eine Einsiedelei, die der Waldbruder Michael Achermann von Malters, ein Bildhauer, bewohnte. Der Dorfkern wurde bis 1920 nach biedermeierl.-ital. Art gestaltet. 1956 baute die Gem. drei Schulhäuser, wobei das Schulhaus St. Joder 1971 wieder stillgelegt wurde.


Literatur
Kdm LU 5, 1959, 115-122
– A. Bickel, Willisau, 1982
– J. Zihlmann, Namenlandschaft im Quellgebiet der Wigger, 1984
– W. Meyer, Pfostenbau und Grubenhaus, 1991
– A. Ineichen, Innovative Bauern, 1996

Autorin/Autor: Waltraud Hörsch