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Grossdietwil

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Polit. Gem. LU, Amt Willisau. Gem. im oberen Rottal, zu der die Exklaven Eppenwil mit Arpolingen und Kället gehören. 1194 Toutwillare, seit 1810 G. Um 1695 ca. 410 Einw. (Eppenwil ca. 160); 1798 681; 1837 1'324; 1850 1292; 1900 918; 1930 806; 1950 868; 1980 740; 2000 808. Unter der Pfarrkirche liegen Reste eines röm. Gutshofes aus dem 2./3. Jh. G. gehörte zur Herrschaft Wolhusen und kam um 1234 zur älteren Linie der Frh. von Wolhusen. Im 14. Jh. wurde es in ein österr. Lehen umgewandelt und so von den Freiherren getragen und weiterverliehen. Um 1386 gelangte es an Johann von Liebegg, 1398 empfing Hans von Lütishofen die Laienzehnten (die Fam. besass G. bis 1483). Um 1400 trennte sich G. vom äusseren Amt Wolhusen (späteres Amt Ruswil) und gelangte 1407 mit der Grafschaft Willisau an Luzern. Twing, Bann und niedere Gerichte im Dorf G. waren mit dem Kirchenlehen verbunden. Der Pfarrer hatte niedergerichtl. Kompetenzen, kontrollierte Masse und Gewichte. 1478 vergabten die Lütishofen die Kollatur und die Twingherrschaft dem Stift Beromünster. 1480 wurde der Kirchensatz dem Stift inkorporiert (1931 Übergang der Pfarrpfründe an die Kirchgem. G.). Twing und Bann wurden bis 1798 als Mannlehen des Stifts an Luzerner Ratsherren ausgegeben, was zu Kompetenzstreitigkeiten mit dem Rat führte.

In G. finden sich Spuren einer ersten Kirche aus dem 8./9. Jh., zweier weiterer Krypten aus dem 9./10. Jh. und einer rom. Kirche aus dem 11.-13. Jh. mit einem bestehenden Turm von ca. 1315 (Patrone Johannes Baptista und der fränk. Dionysius). In der ehem. Pfarrkirche wurden Zierbacksteine aus St. Urban aus dem 13. Jh. und die Grabplatte eines Albker (vermutlich ein Adliger) aus dem 10./11. Jh. entdeckt. Weitere Neugestaltungen der Kirche erfolgten nach dem Dorfbrand von 1334, um 1507 und 1665-67. Die Kirche musste 1879-80 einem historistischen Neubau weichen. Die Pantaleonskaplanei existierte schon 1330, eine zweite Kaplanei wurde 1437 gestiftet. G. gehörte zum Archidiakonat Burgund. Bis 1528 war G. eine Grosspfarrei, welche auch die bern. Orte Melchnau (mit der Burgkapelle Grünenberg), Gondiswil (mit der Wallfahrtskapelle Fribach) sowie Reisiswil umfasste. Diese traten zum neuen Glauben über und bildeten fortan die Pfarrei Melchnau. Nach der Reformation gehörten noch Altbüron (mit Ludligen), Fischbach und ein Teil von Ebersecken (Kapelle St. Ulrich) zur Pfarrei. Bei der Abkurung gingen der Pfarrei zwischen 1803 und 1809 dreissig Höfe verloren.

Auch Twing und Allmend von G. erstreckten sich ins Bernbiet. Erst 1809 wurde die Gemeindegrenze angepasst. 1819 wies der Kanton den Bergtwing Eppenwil (Einzelhöfe) mit dem Hof Kället G. als Exklave zu. 1803-14 war das Dorf Sitz eines Bezirksgerichts, 1765-1848 einer Zollstelle. 1330 ist eine Mühle erwähnt, im 16. Jh. eine Gerberei. 1471 war G. unter den Dörfern, denen der Luzerner Rat ein eigenes Gewerbe erlaubte. Nach 1645 war das Dorf Sitz der Schmiedebruderschaft für das obere Gäu. In G. wurde Dreizelgenwirtschaft und Wiesenwässerung betrieben. Im Bauernkrieg 1653 bestanden enge Kontakte zu Berner Anführern in Melchnau. Der Löwenwirt Lienhard Steinmann wurde hingerichtet. Ab 1632 verzeichnete man von Beromünster besoldete Schulmeister. Versch. Pfarrer waren schul- und sozialpolitisch aktiv; so entstand 1783 eine erste Waisenkasse. Seit 1953 besteht in D. eine regionale Oberschule. Zur Nutzung der weitgehend unverteilten Allmendgüter wurden 1862 eine Personal- und eine Realkorporation gegründet. Im 19. Jh. fand eine grosse Abwanderung statt. G. hat seinen landwirtschaftlich geprägten Charakter bis in die Gegenwart beibehalten. 2000 war noch rund ein Drittel der in G. Erwerbstätigen im 1. Sektor tätig.


Literatur
Kdm LU 5, 1959, 105-114
– J. Bucher, Gesch. der Korporationen G., 1964
– R. Huber, Die Dorfchronik von G., 1969
– F. Glauser, J.J. Siegrist, Luzerner Pfarreien und Landvogteien, 1977
– A. Bickel, Willisau, 1982
– A.-M. Dubler, Handwerk, Gewerbe und Zunft in Stadt und Landschaft Luzern, 1982
– J. Bucher-Häfliger, G., 1999

Autorin/Autor: Waltraud Hörsch