07/11/2005 | Rückmeldung | PDF | drucken

Ebersecken

Ehem. Kloster und polit. Gem. LU, Amt Willisau. Ausgedehnte Gem. im Einzelhofgebiet des Willisauer Berglands mit kleinen Weilern. 1274 Eberseche, 1275 Ebersegge. Um 1695 ca. 150 Einw.; 1798 541; 1850 583; 1900 476; 1950 552; 1990 386; 2000 404. 1274 gehörten Kapelle und Kirchensatz Frh. Rudolf von Balm. Er stiftete hier 1274-75 mit Jakob von Fischbach, Bürger von Zofingen, ein Zisterzienserinnenkloster, das 1275 unter dem Namen Pura vallis (Luther Thal, belegt 1660) besiedelt und St. Urban unterstellt wurde. Der Gründungskonvent kam aus Rathausen. Er erhielt u.a. das Dorf E. sowie Güter und Fischweiher in Egolzwil und Langnau bei Reiden. Eine Kirchweihe fand 1277 statt, 1279 wird ein Brandschaden an der Kirche genannt, 1353 eine weitere Kirchweihe. Das Kloster, das Frauen aus dem niederen Adel und Stadtbürgerinnen aufnahm, wurde anfänglich von Äbtissinnen geleitet, im 16. Jh. von Priorinnen bzw. Meisterinnen, und dürfte immer klein gewesen sein. Um 1460 zerstreute sich der Konvent nach einem Brand vorübergehend, bis 1471 ein Prokurator von St. Urban die Leitung übernahm. Um 1535 unterstellte Luzern E. einem weltl. Pfleger. Im Zuge der Reform der Luzerner Frauenklöster wurde das Kloster E. zwischen 1588 und 1594 aufgehoben und die Schwestern nach Eschenbach (LU) und Rathausen überwiesen, während die kirchl. Rechte an Rathausen gingen. Die Konventgebäude wurden vermutlich um 1590 abgetragen. Nachdem die Klosterkirche 1662 umfangreich saniert worden war, wurde sie 1707 abgebrochen und auf Insistieren der Bauern durch eine pfründenlose Katharinenkapelle ersetzt (1731 geweiht, 1997-98 restauriert). Die 1940 abgetragene Ulrichskapelle (Bau 1777, Vorgängerbau belegt) ob E. wurde von Grossdietwil aus betreut.

E. unterstand der Schutzvogtei der jeweiligen Landesherren, ab 1407 Luzern, kirchlich den Pfarreien Altishofen, Grossdietwil, Zell, Schötz und Richenthal. Auf dem Klosterareal entstand 1817-18 das erste, um 1913 das zweite Schulhaus. Zu Beginn des 19. Jh. lag E. in der Feldgraswirtschaftszone mit Einzelhöfen, wo Vieh- und Milchwirtschaft betrieben wurde. Bis ins 19. Jh. bestand kein Gemeindegut. Noch heute ist die Gem. stark agrarisch geprägt (2000 gut die Hälfte der Arbeitsplätze im 1. Sektor). Ein Tunnel bei E. erinnert an ein gescheitertes Bahnprojekt der Centralbahn von Langenthal nach Wauwil (1874-75).


Archive
– StALU, KlosterA
Literatur
– H. Steinmann, Zur Schulhausweihe E., 1913
Kdm LU 5, 1959, 59-63
HS III/3, 597-607
– J. Manser, «E.», in JHGL 16, 1998, 123 f.
– H.-C. Steiner, «E.», in JHGL 17, 1999, 64-67

Autorin/Autor: Waltraud Hörsch