• <b>Venedig</b><br>Tafelaufsatz in Form des Löwen von San Marco. Silber gegossen, ziseliert und vergoldet, geschaffen vom Zürcher Goldschmied  Diethelm Holzhalb,  1608 (Schweizerisches Nationalmuseum). Die Stadt Zürich erhielt den Löwen als Geschenk des Gesandten von Venedig. Dieser versuchte sich die Unterstützung der reformierten Kantone zu sichern, da die spanisch-österreichischen Truppen Habsburgs Venedig bedrohten. Zur Übergabe des Geschenks wurde ein Bankett veranstaltet, an dem jeder Gast aus dem abnehmbaren Kelch trank, der als Löwenkopf gestaltet ist.
  • <b>Venedig</b><br>Installation von  Fabrice Gygi  in der Kirche San Stae anlässlich der 53. internationalen Kunstbiennale von Venedig, 2009  © KEYSTONE / Walter Bieri. Die Baslerin Silvia Bächli und der Genfer Fabrice Gygi waren 2009 die offiziellen Vertreter der Schweiz in Venedig. Sie wurden vom Bundesamt für Kultur auf Empfehlung der Eidgenössischen Kunstkommission an die Biennale geschickt. Bächli zeigte ihre Zeichnungen im Schweizer Pavillon auf dem Ausstellungsgelände, Gygi präsentierte in der am Canale Grande gelegenen Kirche San Stae eine seiner Installationen.

Venedig

Hauptstadt der gleichnamigen Provinz sowie der Region Venetien, am nördl. Ende der Adria gelegen, und ehem. Stadtstaat mit Landterritorium, das nebst Dalmatien, Istrien und dem Friaul die zu Padua, Vicenza, Verona, Brescia und Bergamo gehörenden Landgebiete (terra ferma) umfasste und in dieser Ausdehnung vom frühen 15. Jh. bis Ende des 18. Jh. bestand. 1797-1805 unter österr. Herrschaft, 1805-14 Teil des napoleon. Königreichs Italien, 1815-66 des Lombardo-Venezianischen Königreichs und ab 1866 bzw. 1946 des Königreichs bzw. der Republik Italien.

1 - Spätmittelalter

Die Kontakte V.s. mit Graubünden waren wegen der räuml. Nähe intensiver als diejenigen mit den eidg. Orten. Erste Hinweise auf die Niederlassung von Bündnern in der Lagunenstadt stammen aus dem 14. Jh. Zur Schliessung der durch Pestzüge um 1350 in der Bevölkerung gerissenen Lücken boten die Stadtbehörden gewerbetreibenden Immigranten Privilegien an; im 15. Jh. sind v.a. Schuhmacher, Gürtler, Bäcker und Salsizhersteller aus dem churrät. Bereich und aus weiteren Tälern des Alpensüdfusses in V. bezeugt. 1458 tritt mit Antonio di Giacomo erstmals ein Bündner Bäcker namentlich in Erscheinung; 1493 beklagte sich die venezian. Zuckerbäckerzunft über die Konkurrenz durch die vielen Engadiner. Versch. Schweizer im Gebiet V.s widmeten sich dem Handel, so z.B. Bündner dem Viehhandel und St. Galler dem Leinwandhandel (bezeugt ab 1362). Aber auch Basler und Zürcher Kaufleute sind vom 14. Jh. an in V. nachgewiesen. Venezian. Kaufleute suchten umgekehrt in der 2. Hälfte des 15. Jh. häufig die Zurzacher Messe auf. Die Gefangennahme einiger venezian. Kaufleute 1484 durch Glarus und Schwyz in Weesen als Repressalie führte zu einem Rückschlag in den Handelsbeziehungen. V. reagierte mit einer Aufhebung von bisher gewährten Privilegien und der Einführung eines Zollzuschlags in der Stadt V., was v.a. die St. Galler Kaufleute zu spüren bekamen.

Damals befanden sich bereits Schweizer und Bündner in venezian. Kriegsdiensten, die noch ohne staatl. Militärkapitulationen geworben worden waren. In diesem Zusammenhang erscheinen die ersten venezian. Gesandten auf Schweizer Boden, so 1425 Giovanni Amati in Luzern sowie 1439 Francesco Brunicardi und 1463 Niccolò Bernardo in Zürich; Letzterer strebte den Abschluss eines Militärbündnisses an, was die Eidgenossen ebenso ablehnten wie 1478 das Gesuch für eine Soldwerbung von 1'000 Mann. 1489 reiste der Berner Johann von Erlach als Gesandter nach V., um auf Wunsch der Eidgenossen um ein Bündnis nachzusuchen. V. trat darauf nicht ein, bedachte aber namhafte eidg. Politiker mit Pensionen, damit sie einen allfälligen Bündnisabschluss mit Frankreich verhinderten. Um 1490/94 bemühte sich Gf. Jörg von Werdenberg-Sargans vergeblich um ein Bündnis von Eidgenossen und Bündnern mit V.

Autorin/Autor: Martin Bundi

2 - Frühe Neuzeit

Anfang des 16. Jh. lavierte die äussere Politik der Drei Bünde zwischen Frankreich und V. Die Drei Bünde schlossen 1500 eine Militärkapitulation für 4'000 Söldner mit V. ab, nachdem die Signoria ihnen im Schwabenkrieg im Jahre zuvor (1499 Schlacht an der Calven) Hilfe hatte zuteil werden lassen. Dies hinderte sie aber nicht, 1509 einen Soldvertrag mit Frankreich zu vereinbaren und zuzulassen, dass sich Bündner neben anderen Schweizer Söldnern am Feldzug der Liga von Cambrai gegen V. beteiligten; den Avancen des venezian. Gesandten Hieronimo Savorgnano, der auf ein umfassendes Bündnis drängte, hatten Eidgenossen wie Bündner eine Absage erteilt. Ende 1511 und Anfang 1512 weilten Bernardino Morosini als Gesandter der Eidgenossen und Rudolf von Salis-Soglio für die Drei Bünde in V., um die Ankunft einer Gesandtschaft aller eidg. Orte, die Konkordanz einer antifranz. Koalition und den Zug von Pavia vom Frühjahr 1512 vorzubereiten (Heilige Liga). Mit dem Erwerb der ennetbirg. Untertanenlande rückten Eidgenossen und Bündner 1512 näher an V. heran. Die Orob. Alpenkette südlich des Veltlins war zur gemeinsamen bündner.-venezian. Grenze geworden. Der Freistaat der Drei Bünde intensivierte seit seiner Neukonstituierung 1524 die Kontakte zu V. So delegierte er noch im gleichen Jahr den Misoxer Notar und Poeten Martino Bovollino in die Lagunenstadt, um von V. eine Besitzstandsgarantie für das Veltlin zu erhalten. 1526 vermittelten V., Frankreich und der Papst zwischen den Drei Bünden und dem Kastellan von Musso einen Frieden (Müsserkriege), der für Graubünden die Preisgabe der Drei Pleven bedeutete.

Zum Abschluss von Militärverträgen kam es wieder 1560. Auf den 1. Juni dieses Jahres trat der spätere Nidwaldner Landammann Melchior Lussi als Oberst mit einem Regiment von zwölf Schweizer Fähnlein in den venezian. Kriegsdienst; ebenfalls auf diesen Zeitpunkt schloss der Bergeller Hercules Salis, zusammen mit seinen beiden Söhnen Rudolf und Abundius, eine Kapitulation für ein Regiment ab. 1571 führte Josua Salis ein Kontingent von 600 kath. Bündnern als Ruderknechte in den venezian. Dienst, welche logist. Unterstützung bei der Seeschlacht von Lepanto leisteten.

Das Interesse V.s an der Eidgenossenschaft und an Graubünden stieg, nachdem die humanist. Literatur und die Kartografie den schweiz. Raum in V. bekannt gemacht hatten. Insbesondere Aegidius Tschudis Monografie "Die uralt warhafftig Alpisch Rhetia" (lat. "De prisca ac vera Alpina Rhaetia") sowie die dazugehörige Karte der Schweiz von 1538 stiessen - übersetzt und in Berichte ital. Gesandten eingebaut - südlich der Alpen auf grosse Resonanz. An den Verkehrswegen in der Orob. Alpenkette, so am Passo di San Marco, am Aprica-Übergang und am Mortirolo, wurden erhebl. Verbesserungen vorgenommen. Über diese Routen gelangte seit Einführung der Reformation in Graubünden kontinuierlich ref. Literatur nach Bergamo, Brescia und V. In diesen Gebieten etablierten sich in der Folge prot. Minderheiten oder gar Kirchgemeinden. Reformiert waren die meisten der im Venezianischen gewerbetreibenden Bündner, aber auch die Mehrheit der seit 1560 in Bergamo niedergelassenen Zürcher Kaufleute. Viele dieser Gewerbetreibenden und v.a. viele ital. Protestanten flüchteten wegen Nachstellungen durch die Inquisition und die staatl. Behörden nach Graubünden. Zu diesen Flüchtlingen zählten Handwerker aus dem Val Trompia (Brescia), Bergbauspezialisten wie die Brüder Bellinchetti, der Theologe Girolamo Zanchi, der Arzt Guglielmo Gratirolo aus Bergamo oder diverse Angehörige der adeligen Fam. Martinengo da Barco (Brescia). Die Bündner Gesandten Friedrich von Salis und dessen Sohn Johann von Salis setzten sich ab 1554 wiederholt für den religiösen Schutz ihrer Landsleute im Venezianischen ein und erwirkten entsprechende Zusicherungen vom venezian. Senat. Ab 1564 garantierte V. auch den Zürcher Kaufleuten solche Schutzklauseln. Durch Beharrlichkeit bündner. Gesandter wurde eine Reihe von Abkommen und Privilegien ausgehandelt, so 1554 ein Auslieferungsvertrag, 1579 die Befreiung vom Personenzoll (in Brescia besassen Bündner Kaufleute diese schon seit 1541), 1582 der Zugang für bündner. Kaufleute zum Fondaco der Deutschen in V. (ein Privileg, das juristisch schon ab 1475 bestand) sowie das Recht, in venezian. Gebiet eine Waffe auf sich tragen zu dürfen. Um 1600 erfolgte die Installierung Francesco Pontes als "Handelsattaché" der Bündner in V. Der Handel hatte sich beträchtlich ausgeweitet. Bündner Schlachtvieh, Engadiner Käse und Lavezgeschirr aus Plurs wurden in die Stadt V. exportiert; umgekehrt fanden venezian. Salz und Korn den Weg nach Graubünden. Die Zahl der in der Lagunenstadt ein Gewerbe ausübenden Bündner betrug um 1600 ca. 3'000.

In dieser Zeit der wirtschaftl. Blüte kam 1603 das lang erstrebte polit.-militär. Bündnis zwischen V. und dem Freistaat der Drei Bünde zustande. Dieses Abkommen, ein postumes Werk des Gesandten Johann von Salis, stand im Gegensatz zu den polit. Interessen der span.-österr. Partei in Graubünden, welche die bündner. Politik ganz auf die span.-mailänd. Nachbarschaft auszurichten trachtete. Spanien reagierte postwendend mit dem Bau der nach dem span. Gubernator in Mailand genannten riesigen Festung Fuentes am oberen Comersee beim Eingang ins Veltlin. Die polit. Verhärtung der Fronten führte die Drei Bünde in der Folge in die Bündner Wirren und in den Dreissigjährigen Krieg. Sie erneuerten 1613 das auf zehn Jahre befristete Bündnis mit V. wegen der polit. Komplikationen nicht. Als Ersatz dafür und um die Verbindung zu Frankreich einigermassen sicherzustellen, schloss V. 1615 mit Zürich und Bern ein ähnl. Bündnis ab, das 1618 beschworen wurde. Es erlaubte ihm, bei Bedarf gegen die Zahlung von Pensionen je ein Zürcher und ein Berner Regiment anzuwerben. Im Übrigen aber sicherte V. den Zürchern und Bernern freien Handel und Wandel - davon profitierte v.a. Zürichs Seidenindustrie - sowie die freie Ausübung des ref. Bekenntnisses zu. Vonseiten V.s waren diese Bündnisse durch den Gesandten Giovanni Battista Padavino seit 1605 vorbereitet und von Gregorio Barbadigó abgeschlossen worden. Padavinos Gesandtenberichte über die Regierungen und die polit. Verhältnisse in Graubünden von 1605 und in der Eidgenossenschaft von 1606 sind eher negativ; er zollt aber auch der Kriegstüchtigkeit der Schweizer hohes Lob und erachtet es für V. als vorteilhaft, so mächtige befreundete Republiken in der nächsten Nachbarschaft zu besitzen. Für den Dreibündestaat sei überdies von Nutzen, dass dessen Fam. ihre Söhne mit privilegierter Stellung an der Univ. Padua studieren lassen könnten. An dieser Hochschule wehte ein besonders toleranter Geist, der auch viele Protestanten aus Gebieten nördlich der Alpen anzog. Der Bündner Thomas von Schauenstein war 1583-85 Rektor der jurist. Fakultät, und Niccolò Guicciardi und Ercole Guarinoni, die beide aus den bündner. Untertanenlanden stammten, amtierten 1539 bzw. 1584 als Rektoren der artist. Fakultät. Intensive universitäre Beziehungen bestanden mit Basel. Ferner wirkte 1624-29 der Jesuit Barthélemy Souvey aus Corbières als Mathematikprofessor an der Univ. Padua.

<b>Venedig</b><br>Tafelaufsatz in Form des Löwen von San Marco. Silber gegossen, ziseliert und vergoldet, geschaffen vom Zürcher Goldschmied  Diethelm Holzhalb,  1608 (Schweizerisches Nationalmuseum).<BR/>Die Stadt Zürich erhielt den Löwen als Geschenk des Gesandten von Venedig. Dieser versuchte sich die Unterstützung der reformierten Kantone zu sichern, da die spanisch-österreichischen Truppen Habsburgs Venedig bedrohten. Zur Übergabe des Geschenks wurde ein Bankett veranstaltet, an dem jeder Gast aus dem abnehmbaren Kelch trank, der als Löwenkopf gestaltet ist.<BR/><BR/>
Tafelaufsatz in Form des Löwen von San Marco. Silber gegossen, ziseliert und vergoldet, geschaffen vom Zürcher Goldschmied Diethelm Holzhalb, 1608 (Schweizerisches Nationalmuseum).
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Aufgrund des Bündnisses von Zürich und Bern mit V. wurden im 17. Jh. mehrere Militärkapitulationen abgeschlossen. So zog 1648 ein Regiment Werdtmüller und 1658 ein Regiment Weiss nach Dalmatien in venezian. Dienste. 1671 delegierten Zürich und Bern Georg von Orelli als Sondergesandten nach V., um angefallene Pensionengelder im Umfang von 104'000 Dukaten einzutreiben. Im Türkenkrieg kämpfte das Solothurner Regiment Büeler 1652-64 im Dienste V.s. auf Kreta und in Dalmatien. Einen schlimmen Ausgang nahm die ohne Bündnisabsicherung 1687 mit V. abgeschlossene Militärkapitulation mehrerer kath. Orte; von den rund 2'500 Söldnern, die vom Urner Obersten Sebastian Peregrin Schmid in Griechenland in den Krieg gegen die Türken geführt wurden, kehrten 1691 nach Niederlagen auf dem Peloponnes und der Insel Euböa nur rund 200 in die Heimat zurück (Moreazug). Im 17. Jh. begannen einzelne eidg. Orte überdies, Vagabunden und Delinquenten zum venezian. Galeerendienst zu verurteilen und nach V. abzuschieben, wo sie im Krieg gegen die Türken eingesetzt wurden.

Gegen Ende des 17. Jh. machte sich allgemein eine Abkühlung der eidg.-venezian. Beziehungen bemerkbar. V. lag aber daran, die militär. Kraft der Schweizer und Bündner weiterhin zu nutzen. Darum schickte es 1705 den Gesandten Vendramino Bianchi in die Schweiz, dem es gelang, 1706 ein Bündnis mit Zürich und Bern einerseits und mit dem Freistaat der Drei Bünde andererseits abzuschliessen. Diese Bündnisse beruhten zwar weitgehend auf den Vorlagen von 1603 bzw. 1615, hatten aber prioritär die Anwerbung von Söldnern und nicht den freien Handel zum Gegenstand. In Zürich wurde das Bündnis Anfang 1706 mit grossem Pomp gefeiert, und Bianchi veröffentlichte, von seinem Erfolg beflügelt, 1708 einen Bericht über die Schweiz und deren zugewandte Orte. In der 1. Hälfte des 18. Jh. informierten die venezian. Behörden wiederholt den Zürcher Sanitätsrat über den Ausbruch von Seuchen im Adriaraum.

Gegen die in der Lagunenstadt gewerbetreibenden Bündner ging V. dagegen zunehmend mit einengenden Vorschriften vor; diese Schikanen sollten die Dominanz der Bündner - und unter diesen vorwiegend der Reformierten - in einzelnen Wirtschaftsbereichen brechen. So befanden sich 1704 von 104 Zuckerbäckerläden 95 in Händen von Bündnern; 1773 waren von 100 Branntweinverkäufern 75 und von 39 Scherenschleifern 23 Bündner. Nachdem die offizielle Bündner Politik und insbesondere die Vertreter der versch. Häuser von Salis sich wieder stärker an Mailand angelehnt hatten (3. Mailänder Kapitulat von 1763) und auch auf V.s Vorschlag, gemeinsam die Strassenverbindung zwischen den Bündner Alpenpässen und V. auszubauen, nicht eingegangen waren, kündigte die Lagunenstadt 1764 die Allianz mit dem Freistaat der Drei Bünde; der Entzug der vorher gewährten Privilegien zwang 1766 rund 3'000 Bündner Kaufleute und Gewerbetreibende zur Rückkehr in die Heimat. Zu diesem Beschluss hatten Neid und Konkurrenzängste des einheim. Gewerbes beigetragen. In Zusammenhang mit diesen Repressalien und mit Massnahmen gegen die Protestanten lockerten sich auch die Beziehungen zwischen V. und den Städten Zürich und Bern.

Jean-Jacques Rousseau hielt sich 1743-44 als Sekr. des franz. Gesandten Gf. Pierre François de Montaigu in V. auf. In der Lagunenstadt übten viele Tessiner künstler. oder wissenschaftl. Berufe aus. Schon in den 1480er Jahren war der Architekt Pietro Lombardo an der Scuola di S. Marco tätig. Im 16. Jh. wirkten der Bildhauer Lorenzo Bregno sowie die Architekten Bernardo Contino und Marc-Antonio Paleari, im 17. Jh. die Architekten Baldassare Longhena und Giuseppe Sardi, der Bildhauer Bernardo Falcone sowie der Maler Pier Francesco Mola, im 18. Jh. die Architekten Domenico Rossi und Giorgio Domenico Fossati, die Stuckateure Abbondio Stazio und Carpoforo Mazzetti Tencalla und der Bibliothekar Jacopo Morelli (an der Markusbibliothek), im 19. Jh. der Militärchirurg Tommaso Rima sowie der Maler und Bühnenbildner Vittore Pelli. Die Erinnerung an die Tessiner Künstler in der venezian. Republik wird heute durch die Schweiz. Stiftung Pro Venezia wachgehalten.

Autorin/Autor: Martin Bundi

3 - 19. und 20. Jahrhundert

Die Besetzung durch Napoleon Bonaparte und der Frieden von Campoformio 1797 bedeuteten das Ende der alten Republik V., deren Gebiet 1815-66 zum Lombardo-Venezian. Königreich zählte. Anlässlich des Aufstands vom März 1848 gegen Österreich wurde die Republik San Marco ausgerufen und zu deren Verteidigung der Wunsch nach Schweizertruppen laut. Trotz Verbot in den liberalen Kantonen warb der Thurgauer Hauptmann Johannes Debrunner 126 Schweizer und zog mit ihnen nach V. Diese Kompanie kam an diversen Plätzen zum Einsatz, v.a. im Ordnungsdienst, und es wurde ihr Tapferkeit und gute Mannszucht bescheinigt. Nach der Kapitulation von V. kehrten 1849 noch 61 Mann in die Heimat zurück.

Anfang 1848, kurz vor der Proklamation der Republik, hatte die Schweiz Benedikt Wölflin als Vizekonsul in V. eingesetzt; dieser pflegte v.a. von Mailand aus auch (Brief-)Kontakte mit der provisor. Regierung und blieb nach deren Fall bis 1850 im Amt. 1862 wurde schliesslich eine ständige Konsularvertretung in V. eingerichtet. Besondere Verdienste erwarb sich Konsul Victor Cérésole (1865-92), der die gesamte Geschichte der diplomat. Beziehungen, der bündner.-venezianischen ebenso wie der schweiz.-venezianischen, in seinem Buch "La République de Venise et les Suisses" (1864) regestenartig aufarbeitete und die Abschrift der meisten einschlägigen Dokumente (94 Bände im Bundesarchiv in Bern) überwachte.

Im 20. Jh. entwickelte sich die Stadt V. zu einer beliebten Tourismusdestination. Seit 1895 findet in der Lagunenstadt die Biennale V. statt, einer der wichtigsten internat. Anlässe der Gegenwartskunst. Die Schweiz nimmt seit 1920 offiziell an der Biennale Teil und unterhält seit 1951 in den Giardini einen eigenen Pavillon, indem von der Eidg. Kunstkommission empfohlene Werke schweiz. Künstler ausgestellt werden. 1988-2009 wurden schweiz. Werke auch in der Kirche S. Stae präsentiert, 2011 im Teatro Fondamenta Nuove.

<b>Venedig</b><br>Installation von  Fabrice Gygi  in der Kirche San Stae anlässlich der 53. internationalen Kunstbiennale von Venedig, 2009  © KEYSTONE / Walter Bieri.<BR/>Die Baslerin Silvia Bächli und der Genfer Fabrice Gygi waren 2009 die offiziellen Vertreter der Schweiz in Venedig. Sie wurden vom Bundesamt für Kultur auf Empfehlung der Eidgenössischen Kunstkommission an die Biennale geschickt. Bächli zeigte ihre Zeichnungen im Schweizer Pavillon auf dem Ausstellungsgelände, Gygi präsentierte in der am Canale Grande gelegenen Kirche San Stae eine seiner Installationen.<BR/>
Installation von Fabrice Gygi in der Kirche San Stae anlässlich der 53. internationalen Kunstbiennale von Venedig, 2009 © KEYSTONE / Walter Bieri.
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Quellen und Literatur

Archive
– BAR, Abschriften aus dem Staatsarchiv V.
Quellen
– V. Bianchi, Relazione del paese de' Svizzeri, e loro alleati, 1708
– J. Debrunner, Die Erlebnisse der Schweizerkompagnie in V., 1849 (21850)
– G.B. Padavino, Del governo e stato dei Signori Svizzeri, hg. und kommentiert von V. Cérésole, 1874
Literatur
– J. Jegerlehner, Die polit. Beziehungen V.s mit Zürich und Bern im XVII. Jh., 1897
– H. Gmür, Das Bündnis zwischen Zürich/Bern und V. 1615/1618, 1945
Presenza ticinese a Venezia, Ausstellungskat. Lugano 1977
– D. Kaiser, Fast ein Volk von Zuckerbäckern?, 1985 (21988)
– M. Bundi, Frühe Beziehungen zwischen Graubünden und V. (15./16. Jh.), 1988
– V. Ruckstuhl, Aufbruch wider die Türken, 1991
– E. Meyer, «Hans Jakob Büeler und seine zwei Regimenter im Türkenkrieg 1652-1664», in JbSolG 70, 1997, 4-58
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Autorin/Autor: Martin Bundi