22/10/2009 | Rückmeldung | PDF | drucken

Mainz

Hauptstadt des heutigen dt. Bundeslands Rheinland-Pfalz, am linken Rheinufer, ehem. Erzbistum. Bereits in der Antike, als M. die Hauptstadt der Provinz Germania Superior war, bestanden zwischen M. und dem Gebiet der heutigen Schweiz Beziehungen, die später von der Kirche fortgesetzt wurden. Das Bistum M. ist seit dem 4. Jh. bezeugt. Es wurde nach dem Ende der röm. Herrschaft am Rhein im Zuge der Neuorganisation der fränk. Kirche unter dem Bonifatius-Nachfolger Lullus (754-786) 780/781 zum Erzbistum erhoben. Als grösste Kirchenprovinz des Hl. Röm. Reichs, die sich von den Bündner Alpen bis zur unteren Elbe erstreckte, umfasste es meist zwölf Suffraganbistümer, darunter wohl von Anfang an die alemann. Diözese Konstanz (belegt seit 810) sowie ab 843 das rät. Bistum Chur.

Die Mainzer Erzbischöfe besassen als Primas Germaniae den Ehrenvorrang vor den übrigen dt. Erzbischöfen und Bischöfen sowie das Krönungsrecht für das Reich, das im MA zwischen den Erzbischöfen von Köln und M. strittig war. Als Landesherren eines Kurstaates und Erzkanzler des Reiches (965-1806) waren sie ranghöchste Reichsfürsten mit Vorsitz im Kurfürstenkolleg (ab 1257) und entscheidender Stimme bei Königswahlen. Ab dem 16. Jh. stand ihnen das Direktorium des Reichstags zu. Für Chur und Konstanz war M. Appellationsinstanz im Bereich der geistl. Gerichtsbarkeit. Auf reichskirchl. Ebene unterstützte es z.B. die Konstanzer Fürstbischöfe bei der Wahrung ihrer Interessen gegenüber der konkurrierenden Jurisdiktion der Luzerner Nuntiatur wie auch gegenüber Ansprüchen staatl. Kirchenpolitik.

Der Ausgang der Revolutionskriege und die Säkularisation 1802-03 führten zum Zusammenbruch von Erzbistum und Kurstaat. 1803 bzw. 1805 wurde der Erzstuhl M. nach Regensburg transferiert und dem letzten Mainzer Ebf. und Bf. von Konstanz Karl Theodor von Dalberg als Metropoliten alle Diözesen des Reichs unterstellt, mit Ausnahme jener Österreichs und Preussens. Der für ihn neu geschaffene Kurstaat wurde 1810 säkularisiert. 1815 erfolgte die Trennung der schweiz. Teile des Bistums Konstanz vom Metropolitanverband M.-Regensburg, 1818 diejenige des Bistums Chur. 1821 bzw. 1827 wurde das heutige Bistum M. als Suffragan des Erzbistums Freiburg i.Br. errichtet.


Literatur
– F. Jürgensmeier, Das Bistum M., 1988 (21989)
TRE 21, 710-717
HS I/2, 959-998
LThK 6, 1209-1212
Der Mainzer Kurfürst als Reichserzkanzler, hg. von P.C. Hartmann, 1997

Autorin/Autor: Franz Xaver Bischof, Maria Lehner-Helbig