Lettland

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Nachdem L. ab dem 13. Jh. unter wechselnder Fremdherrschaft gestanden hatte und 1710 Teil des Russ. Reichs geworden war, wurde am Ende des 1. Weltkriegs die Republik L. ausgerufen. Der Bundesrat anerkannte den Staat im April 1921. Das 1868 in Riga errichtete Schweizer Konsulat bestand bis zur Annexion L.s durch die UdSSR 1940. L. hatte in der Schweiz ab 1919 eine konsular. Vertretung, für die Schweiz zuständig war der lett. Gesandte in Berlin. Der Bundesrat anerkannte die bei der Auflösung der UdSSR wieder ausgerufene Republik kurz nach der Unabhängigkeitserklärung im Aug. 1991. Im Juni 1992 wurde eine Botschaft in Riga eröffnet, die auch die Schweizer Interessen in Litauen vertritt. Seit 1992 schlossen L. und die Schweiz eine Reihe von bilateralen Verträgen ab. Die Handelsbeziehungen basieren auf den bilateralen Abkommen zwischen der Schweiz und der EG bzw. EU. 2004 exportierte die Schweiz Waren im Wert von 123 Mio. Fr. nach L. (v.a. pharmazeut. Erzeugnisse) und importierte für 11,7 Mio. Fr. aus L. (v.a. Holz, Kork und chem. Produkte).

Die wirtschaftl. und kulturellen Beziehungen setzten lange vor der staatl. Eigenständigkeit L.s ein. Sie verdichteten sich im 18. Jh., da der Landweg in das neu gegründete St. Petersburg über Riga führte. Enge Verknüpfungen gab es v.a. im Bildungswesen: 1775 wurde in Jelgava nach Johann Georg Sulzers Konzept das akadem. Gymnasium gegründet, 1862 in Riga nach Zürcher Vorbild das Polytechnikum. Neun Schweizer Professoren und Dozenten unterrichteten dort. Umgekehrt studierten an Schweizer Universitäten viele russ. Staatsangehörige aus L. Ihre Zahl nahm nach 1918 noch zu. Während des 1. Weltkriegs arbeiteten lett. Emigranten in der Schweiz für die Unabhängigkeit ihres Staates, unter ihnen das Schriftstellerehepaar Janis und Aspazija Rainis. Der seit 1991 wieder vermehrt gepflegte kulturelle Austausch knüpft an alte Traditionen an: 1998-2000 wurde ein vom Kt. Bern und vom EDA unterstütztes Projekt für die Lehrerausbildung durchgeführt. Auch die 1992 gegr. Gesellschaft Schweiz-Lettland und die Gebert-Rüf-Stiftung engagieren sich besonders im Bildungsbereich. Wie in Estland und Litauen ermöglichen sie in L. die Einrichtung von Schweizer Lesezimmern und -ecken, die dank kultureller Veranstaltungen auch als Orte der Begegnung dienen. In der Schweiz lebten Ende 2004 699 Lettinnen und Letten, in L. 18 Schweizerinnen und Schweizer.


Archive
– EDA, Dok.
Literatur
– A. Plakans, Historical Dictionary of Latvia, 1997
Zwischen Riga und Lugano, hg. von M. Schweizer, 2002

Autorin/Autor: Heinrich Riggenbach