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Altishofen

Polit. Gem. LU, Amt Willisau. Im Wiggertal gelegen, bestehend aus Dorf A. und Weiler Eichbühl. 1184/90 Alteloshovin, 1190 Alteloshoven. Um 1695 72 Steuerpflichtige (ca. 430 Einw.); 1798 579 Einw.; 1850 892; 1900 710; 1950 818; 2000 1'279. Spuren eines röm. Gutshofes im Gebiet Fuchshalden-Rumi. Auf eine Kirchengründung in der Mitte des 7. Jh. deuten beigabeführende alemann. Gräber, die 1988-89 bei der Kirchenrenovation entdeckt wurden. Über die ma. Burgstelle auf einem Sporn oberhalb des Dorfes ist nichts Näheres bekannt. A. gehörte mit dem Kirchensatz im 12. Jh. verm. noch den Frh. von Altbüron, als deren Erben seit der Mitte des 13. Jh. die Frh. von Balm erscheinen. Rudolf von Balm war am Königsmord von 1308 beteiligt. Sein Allod fiel ans Reich und wurde Gf. Otto von Strassberg zu Lehen gegeben, welcher 1312 die südl. der Aare gelegenen Teile dem Deutschritterorden verkaufte. Dieser unterstellte die Herrschaft A. (fortan bestehend aus A. mit dem Kirchensatz sowie Altbüron) seiner Kommende Hitzkirch. Hochgerichtl. gehörte die Herrschaft A. zur österr. Grafschaft Willisau, die 1407 in den Besitz der Stadt Luzern gelangte. 1571 verkaufte der Dt. Orden die Herrschaft A. dem Luzerner Schultheissen Ludwig Pfyffer, der neben der Kirche ein Schloss als Landsitz erbaute und sich nach A. benannte. A. blieb bis 1839 Familienfideikommiss (Majorat) der Pfyffer von A. Das Schloss ging 1862 in den Besitz der Bürgergem. A. über und beherbergt heute die Gemeindeverwaltung und das Amtsstatthalteramt Willisau. Die Kirche A. (Patrozinium St. Martin) war Zentrum einer Grosspfarrei, welche auch die Dörfer Dagmersellen (zeitweise selbständig), Buchs (LU), Wauwil, Egolzwil, Nebikon, Schötz, Ebersecken und Aesch (LU) umfasste. Das Kollaturrecht verkauften die Pfyffer von A. 1858 dem luzern. Staat, der es 1957 der Kirchgem. A. überliess. Versch. Einrichtungen belegen die Bedeutung des Herrschaftszentrums A. im 17. und 18. Jh.: Zur Kirche gehörten eine Kaplanei und eine Schulpfründe, an ehaftem Gewerbe werden Mühle, Taverne, Bad, Metzgbank, Färberei, Gerberei, Schmiede und Ziegelhütte erw. Trotz Anfängen der Industrialisierung im 19. Jh. (Wollspinnerei) wuchs A. erst seit den 1970er und 80er (naher Anschluss an die A2, Ansiedlung von Transportgewerbe). 73% der in A. Erwerbstätigen sind im 3. Sektor beschäftigt (1990). Der Brauch der Umrittsprozession (heute jeweils am Auffahrtstag) wird bereits im 16. Jh. erwähnt.


Literatur
Kdm LU 5, 1959, 22-47
– F. Glauser, J.J. Siegrist, Die Luzerner Pfarreien und Landvogteien, 1977, 124 f.
A. 1190-1990, 1990

Autorin/Autor: August Bickel