• <b>Freiburg im Breisgau</b><br>Volksausgabe der 1589 von   Gregor Sickinger   im Auftrag des Rates gestochenen Stadtansicht. Norden ist links, am Horizont der Schwarzwald (Zentralbibliothek Zürich, Graphische Sammlung und Fotoarchiv). Der Solothurner Kartograf hat parallel zwei Fassungen dieses Vogelschauplans ausgeführt: eine grossformatige und reich verzierte Repräsentationsausgabe für die dreissig Mitglieder des Stadtrats und eine kleine, weniger aufwendige Ausgabe in hoher Auflage. Der Verkauf dieses Billigdrucks sollte die Unkosten decken, die dem wissenschaftlichen Betreuer des Werks, Hans Jakob Schmidlin, für die zehnmonatige Beherbergung des Künstlers entstanden waren.

Freiburg im Breisgau

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Im Kernbereich der Zähringerherrschaft (Zähringen) im nördl. Breisgau liess Hzg. Berthold II. um 1091 Burg und Siedlung F. anlegen, die 1120 Marktrecht erhielt und sich im 12. Jh. als früheste zähring. Stadtgründung zu einem blühenden Gemeinwesen am Oberrhein entwickelte. Die Bürgerschaft, z.T. aus der zähring. Ministerialität entstammend, erhielt von Beginn an wichtige Privilegien, und das Freiburger Stadtrecht wurde Muster für zahlreiche Städte des dt. Südwestens und der heutigen Schweiz, namentlich Freiburg i.Ü., Bern und Diessenhofen. Im 13. Jh. und in der 1. Hälfte des 14. Jh. übten die Gf. von F. die Stadtherrschaft aus; damals vermochten die Bürger gegenüber dem in finanzielle Bedrängnis geratenden Stadtherrn ihre Rechte und ihr Gewicht zu verstärken. Einen neuen Aufschwung nahm F., das sich 1368 der Herrschaft Habsburgs unterstellt hatte, ab der Mitte des 15. Jh., als Ehzg. Albrecht VI. von Österreich hier residierte und 1457 eine Universität ins Leben rief. Zu den ersten Universitätsrektoren zählte Johannes Sutor aus Zurzach. Bis heute haben immer wieder Schweizer Gelehrte an der Freiburger Universität gewirkt; auch zahlreiche Studenten aus der Schweiz haben dort studiert.

Unter Kg. Maximilian I. wurde die Stadt zu einem kulturellen Zentrum am Oberrhein. Hier wirkten namhafte Humanisten, darunter Jakob Wimpfeling und Ulrich Zasius; dieser erarbeitete als Rechtsgelehrter und Stadtschreiber 1520 das einflussreiche "Neue Stadtrecht" und scharte zusammen mit seinem Schüler, dem Basler Bonifacius Amerbach, einen bedeutsamen Freundeskreis um sich. Im Gefolge der Reformation kam Erasmus von Rotterdam 1529 von Basel nach F., wie auch der aus Glarus stammende Humanist und Musiktheoretiker Glarean. Auch das Domkapitel von Basel zog 1528 nach F., wo es bis zur Übersiedlung nach Arlesheim 1677 blieb. Bürgerl. Selbstbewusstsein spiegelt sich in der 1589 von dem aus Solothurn stammenden Kupferstecher Gregor Sickinger im Auftrag des Rates geschaffenen Stadtansicht. Im 16. Jh. unterhielten F. und Basel durch das Druckerei- und Verlagswesen rege Kontakte. Zu den Folgen des Dreissigjährigen Krieges zählte die Verlegung der niederösterr. Regierung aus dem französisch gewordenen Elsass (Ensisheim) nach F.; sie war u.a. auch für das heute aarg. Fricktal zuständig. Im 17. und 18. Jh. wurde das Freiburger Jesuitenkolleg, das enge Beziehungen mit Schweizer Jesuitenkollegien pflegte, besonders mit Luzern, von vielen Schweizern als Ausbildungsstätte besucht.

<b>Freiburg im Breisgau</b><br>Volksausgabe der 1589 von   Gregor Sickinger   im Auftrag des Rates gestochenen Stadtansicht. Norden ist links, am Horizont der Schwarzwald (Zentralbibliothek Zürich, Graphische Sammlung und Fotoarchiv).<BR/>Der Solothurner Kartograf hat parallel zwei Fassungen dieses Vogelschauplans ausgeführt: eine grossformatige und reich verzierte Repräsentationsausgabe für die dreissig Mitglieder des Stadtrats und eine kleine, weniger aufwendige Ausgabe in hoher Auflage. Der Verkauf dieses Billigdrucks sollte die Unkosten decken, die dem wissenschaftlichen Betreuer des Werks, Hans Jakob Schmidlin, für die zehnmonatige Beherbergung des Künstlers entstanden waren.<BR/>
Volksausgabe der 1589 von Gregor Sickinger im Auftrag des Rates gestochenen Stadtansicht. Norden ist links, am Horizont der Schwarzwald (Zentralbibliothek Zürich, Graphische Sammlung und Fotoarchiv).
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Ab 1750 brachten die Reformen der Ks. Maria Theresia und Joseph II. der Stadt bessere Zeiten; die Universität, ab 1620 in Händen der Jesuiten, erlebte nach der Ordensauflösung 1773 den zentralist. Zugriff Wiens, aber auch freieren Geist (Friedrich Heinrich Jacobi, Karl von Rotteck), der ins 19. Jh. weiterwirkte. Nach dem Übergang an das Herzogtum Baden 1805 prägten die durch Grosshzg. Ludwig in ihrem Bestand gesicherte Universität und nach der Auflösung des Bistums Konstanz die Installation des Erzbischofssitzes 1821 die Stadt, aber auch der ab 1850 einsetzende Aufschwung von Gewerbe und Industrie. Im 19. Jh. pflegten F. und Basel vielfältige wirtschaftl. Beziehungen. Die Nationalsozialisten erzielten bereits 1930 grosse Erfolge, und Stadt wie Universität folgten nach 1933, etwa in der Judenvertreibung, der polit. Linie des Dritten Reiches. Einigen Freiburger Juden gelang es, in der Schweiz Exil zu erhalten. Von der Bombardierung 1944 schwer getroffen, schaffte F. in der Nachkriegszeit unter franz. Besatzung den Wiederaufbau bis 1955; dem folgte eine Phase rapiden Wachstums bis etwa 1970, verbunden mit einer städtebaulichen Erweiterung. Nach einer u.a. vom Wohnungsproblem und von Unruhen (Hausbesetzungen) gekennzeichneten Zeit der Stagnation gilt F. heute, profiliert als Stadt des Umweltschutzes und attraktiv für den Fremdenverkehr, als Dienstleistungszentrum in der trinationalen Regio (Regio Basiliensis) am Oberrhein, welche die angrenzenden Gebiete Deutschlands, Frankreichs und der Schweiz umfasst.


Literatur
– A. Legner, «Schweizer Bergkristall und die Kristallschleiferei in F.», in ZAK 19, 1959, 226-290
– F.G. Gemmert, «Das Basler Domkapitel zu F.», in Schau-ins-Land 84/85, 1966/67, 125-159
– J. Schlippe, «Der Basler Hof in F.», in Schau-ins-Land 84/85, 1966/67, 160-192
– T. Scott, Freiburg and the Breisgau, 1986
– M. Blattmann, «Die Freiburger Stadtrechte am Oberrhein und in der Schweiz», in Besançon 1290-1990, 1992, 101-111
Gesch. der Stadt F., hg. von H. Haumann, H. Schadek, 3 Bde., 1992-96
Der Kaiser in seiner Stadt, hg. von H. Schadek, 1998
– F. Hefele, «F. als vorderösterr. Stadt», in Vorderösterreich, hg. von F. Metz, 42000

Autorin/Autor: Thomas Zotz