23/09/2010 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Padua

Stadt in Venetien, in der Poebene gelegen. Hauptstadt der gleichnamigen nordital. Provinz. 2004 210'821 Einw. Kleriker aus dem Gebiet der Schweiz besuchten die Univ. P. schon kurz nach deren Gründung 1222, vermehrt jedoch ab dem SpätMA, oder absolvierten in der ab 1405 unter venezian. Hoheit stehenden Stadt ihre Ordensstudien. Im 16. Jh. wählten Basler Rechts- und Medizinstudenten, die dem Humanismus nahestanden (u.a. Basilius Amerbach, Theodor Zwinger), P. gerne als Studienort. Die Stadt war fortan häufig das Ziel von Schweizern, die sich auf einer Bildungsreise befanden. Andererseits wurden in Basel Hauptwerke von Paduaner Medizinern (u.a. Andreas Vesalius) und Juristen gedruckt. Um 1580 gab es eine eigentl. Basler Kolonie in P., der auch Handelsleute angehörten. Vom 17. bis zum 20. Jh. zählte die im Nov. 1599 u.a. von Galileo Galilei gegründete und 1600 eröffnete Accademia dei Ricoverati auch Schweizer zu ihren Mitgliedern. Von den rund 170 Schweizer Studenten, die im 17. Jh. die Univ. P. besuchten, war ein Drittel Bündner - in den beiden ersten Jahrzehnten des 18. Jh. war ihre Dominanz noch ausgeprägter -, ein Fünftel Zürcher und nur noch knapp ein Zehntel Basler. In dieser Zeit übernahmen nacheinander die Basler Jacob Hermann und Nicolaus Bernoulli (1687-1759) den Lehrstuhl für Mathematik an der Univ. P., wo sie als Anhänger Gottfried Wilhelm Leibniz' wirkten, der sich persönlich für ihre Berufung eingesetzt hatte. Im 18. Jh. waren es vornehmlich Schweizer Naturwissenschafter und Mediziner, hauptsächlich Albrecht von Haller, aber auch Johann Jakob Scheuchzer (1672-1733), Charles Bonnet und andere, die Briefkontakte zu Fachkollegen in P. unterhielten. Schon im 2. Viertel des 18. Jh. verlor die Univ. P. für Schweizer Studenten an Attraktivität, und der akadem. Austausch reduzierte sich fortan auf gelegentl. Kontakte. Zu Beginn des 21. Jh. war die Stadt für die Schweiz fast nur noch als Ziel von Ferienreisen und Wallfahrten (Basilika des hl. Antonius) von Bedeutung.


Literatur
– A. Robinet, L'empire leibnizien, 1991

Autorin/Autor: Hanspeter Marti