Montpellier

Hauptort des franz. Dep. Hérault und der Region Languedoc-Roussillon. Wohl schon im HochMA, sicher ab dem 14. Jh. besuchten Schweizer Medizinstudenten die 1289 gestiftete Univ. M. Im SpätMA machten St. Galler Kaufleute auf dem Weg nach Barcelona in M. Zwischenstation. In der Zeit von Humanismus und Reformation kam es dank dem hohen Ansehen der medizin. Fakultät und der prot. Konfession ihres Lehrkörpers zu einem Aufschwung der gelehrten Beziehungen zwischen der Schweiz und M. Hohe Besuchsfrequenzen von schweiz. Studenten brachten die Jahre 1551-60 sowie 1591-1600. Besonders eng war die Verbindung zwischen M. und der Stadt und Univ. Basel, etwa über die Fam. Platter und Bauhin. Nur wenige Schweizer schlossen ihre Studien in M. mit einem akadem. Grad ab, so Felix Platter (1557 Bakalaureus), der in seiner Autobiografie anschaulich über den Aufenthalt in M. berichtet, oder Auguste Tissot (1749 Dr. med.). Ausser mit Basel bestanden rege Kontakte mit Genf und den Westschweizer Reformatoren, die auf das Glaubensleben in M. Einfluss nahmen und sich von den dortigen Medizinprofessoren in Gesundheitsfragen beraten liessen. 13 von 32 zwischen 1696 und 1798 praktizierenden Genfer Ärzten mit Universitätsabschluss, darunter Refugianten, hatten studiert in M. Im 18. Jh. erlangte neben der Universität die Akad. von M. als Forum wissenschaftl. Gedankenaustausches für Johann Jakob Scheuchzer, Albrecht von Haller und andere Schweizer Gelehrte an Bedeutung. Einzelne schweiz. Unternehmen, darunter etwa die Textilhandelsgesellschaft Senn, Biedermann und Gross, gründeten Ende 18. Jh. sowie im 19. Jh. in M. Filialen. Die akadem. Beziehungen der Schweiz zu M. setzen sich bis ins 21. Jh. durch Ehrendoktorate, Studien und Sprachkurse fort. Die Stadt und ihre Umgebung locken auch zahlreiche schweiz. Touristen an.


Literatur
– J. Cadier, «Un réformateur du Pays de Vaud en séjour à M. et au Béarn», in Monspeliensis Hippocrates 2, 1958, 3-7
– J. Turchini, L. Dulieu, «Quelques aspects des relations médicales entre Bâle et M. à l'époque de la Renaissance», in Aktuelle Probleme aus der Gesch. der Medizin, hg. von R. Blaser, H. Buess, 1966, 541-549
– B. Lohff, «Die Rezeption der Werke Johann Georg Zimmermanns in M.», in Gesnerus 54, 1997, 174-193

Autorin/Autor: Hanspeter Marti