Marseille

Bedeutendste Hafenstadt Frankreichs, am Mittelmeer östlich des Rhonedeltas gelegen. Bei Châtillon-sur-Glâne entdeckte Reste von Tongefässen aus dem 6. und 5. Jh. v.Chr. sowie andere aus der griech. Kolonie Massalia stammende archäolog. Funde weisen auf frühe Verbindungen zwischen dem Gebiet der heutigen Schweiz und der Gegend von M. hin. Für das MA und die Reformationszeit sind wirtschaftl. Beziehungen auf der Rhone-Rhein-Achse sowie zwischen der Westschweiz und M. bezeugt. Der Hafen von M. spielte in der frühen Neuzeit für den Import von Getreide, Seife, Salz aus den Salinen von Peccais und Kolonialwaren in die Schweiz, aber auch für den Export schweiz. Produkte (etwa Greyerzerkäse) eine wichtige Rolle. Im 17. Jh., v.a. nach einem Edikt Jean-Baptiste Colberts von 1669, das den Zuzug von Ausländern nach M. förderte, nahmen Schweizer dort Wohnsitz. Sie waren v.a. als Kaufleute (über Jahrhunderte hinweg die St. Galler Fam. Zollikofer), die zeitweise auch Handel mit der Levante trieben, und in der Uhrenfabrikation (Fam. Bornand) tätig. Die Schweizer Kolonie behauptete sich, trotz eines Rückschlags, während der Zeit der Franz. Revolution; seit 1799 besteht in M. ein schweiz. Konsulat. Im 19. Jh. kamen - bei bestehender Dominanz des Handels (Fam. Imer) - Erwerbszweige wie die Konfiserie, das Hotelgewerbe und die Bierbrauerei hinzu. In der Folge vergrösserte sich die Zahl der schweiz. Dienstboten. Die Auswanderer aus der Schweiz nach Nordafrika trugen zur Verschärfung sozialer Probleme bei, denen die Schweizer Kolonie 1840 mit der Gründung der Société de bienfaisance begegnete. Bis 1921 entstanden in M. weitere Vereinigungen von Schweizern, die versch. Lebensbereiche (Sport, Berufsbildung, Geselligkeit, Wirtschaftskontakte) abdeckten und in der Stärkung der Verbundenheit mit der alten Heimat ihr gemeinsames Ziel erblickten. Der Bau des Schweizerhauses 1925 unterstrich deren Präsenz in der Stadt, in der 2007 1'584 Schweizer lebten. Ab dem Ende des 2. Weltkriegs gewann der Grossraum M. für die Schweiz wieder an wirtschaftl. Bedeutung, u.a. 1966 durch die Eröffnung der Ölpipeline Fos-sur-Mer-Cressier (NE). Zudem wurde M. insbesondere seit der Eröffnung der TGV-Linie Genf-Méditerranée 2001 zu einem beliebten Reiseziel.


Literatur
– R. Théry-Lopez, Une immigration de longue durée: les Suisses à M., 2 Bde., 1986

Autorin/Autor: Hanspeter Marti