• <b>Berlin</b><br>Plakat für eine Ausstellung des Zürcher Architekten und Künstlers Max Bill, 1976 (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste).

Berlin

Vor dem Ende des 17. Jh. sind kaum Beziehungen zwischen B., der Residenzstadt des Kurfürsten von Brandenburg und ab 1701 des Königs von Preussen, und der Schweiz festzustellen. Eine Ausnahme bildet Leonhard Thurneysen von Basel, der in B. 1571-84 als Arzt, Alchimist, Buchdrucker und Verleger zu Geld und Ansehen kam, aber alles wieder verlor. Erster Direktor der 1696 eröffneten Akademie der Künste und mechan. Wissenschaften war bis 1700 der Berner Miniaturenmaler Joseph Werner. 1684-1710 liessen sich aufgrund einer Vereinbarung ref. Schweizer Orte mit dem brandenburg. Kurfürsten 92 Schweizer Handwerker, unter ihnen 23 Vertreter des Textilgewerbes, mit ihren Familien in B. nieder. Die Auswanderung nach B. aus wirtschaftl. Gründen hörte im 18. Jh. nie ganz auf; so siedelten sich 1770 nochmals 33 Schweizer Familien in B. an. Friedrich II., der ab 1743 die Akademie der Wissenschaften neu belebte, holte zahlreiche Schweizer Gelehrte nach B. Ca. 1750-80 gaben sie der Akademie das Gepräge und erbrachten z.T. bedeutende Leistungen. Zweisprachigkeit, solide Bildung, kosmopolit. Gesinnung machten sie für eine Wirksamkeit in B., wo der aufgeklärte Herrscher die franz. Kultur stark bevorzugte, besonders geeignet. Zu nennen sind Leonhard Euler, Nicolas von Béguelin, Johann Georg Sulzer, Johann Bernoulli (1744-1807), Johann Heinrich Lambert, Jakob Wegelin, François Achard. In die v.a. die 1750er Jahre beherrschenden wiss. Auseinandersetzungen zwischen Newtonianern und Leibnizianern waren mehrere schweiz. Mitglieder der Akademie in B. verwickelt. Aber auch später entfalteten einzelne Schweizer, v.a. Historiker, in der Stadt ihre Talente: Johannes von Müller und Johann Heinrich Gelzer nahmen einflussreiche Positionen ein, Jacob Burckhardt und im 20. Jh. Jean Rudolf von Salis und Edgar Bonjour studierten an der 1810 gegr. Berliner Univ. und nutzten die Möglichkeit, vielfältige Beziehungen zu knüpfen.

Das Bildungs- und Kulturangebot B.s. zog v.a. auch seit der 2. Hälfte des 19. Jh. immer wieder junge Schweizer an. Umgekehrt hatten zur Zeit der Restauration bedeutende Wissenschaftler, die sich in B. aus polit. Gründen nicht halten konnten, in der Schweiz ihren Wirkungskreis gefunden, wie der Theologe Wilhelm Martin Leberecht De Wette und der Germanist Wilhelm Wackernagel. Die Metropole B. war und ist auch für Schweizer Künstler und Autoren von Bedeutung. Hier erschien nach dem Tod von Jeremias Gotthelf die Gesamtausgabe seiner Werke. Für Gottfried Keller waren die Berliner Jahre (1850-55) die kreativste Phase seines Lebens. Die 1889-1910 in B. wirkende Opernsängerin Emilie Welti-Herzog genoss hier wie in ihrer Heimat gleichermassen Verehrung. Hugo von Tschudi, 1896-1908 Direktor der Nationalgalerie, kämpfte für die Anerkennung des Impressionismus. Robert Walser gelang 1907 in B. der literar. Durchbruch. Die während des 1. Weltkriegs von emigrierten Künstlern in Zürich ausgerufene Parole "Dada" wurde im Frühjahr 1917 von dort nach B. gebracht. Sie gewann hier provokative Kraft und stärkere polit. Konturen. Bert Brechts Theaterarbeit in Ostberlin zog bis 1956 Schweizer Schauspieler (u.a. Benno Besson, Regine Lutz) an.

<b>Berlin</b><br>Plakat für eine Ausstellung des Zürcher Architekten und Künstlers Max Bill, 1976 (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste).<BR/>
Plakat für eine Ausstellung des Zürcher Architekten und Künstlers Max Bill, 1976 (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste).
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1867 hatten die eidg. Räte einer Gesandtschaft in B. zugestimmt, die dann bis 1945 bestand. Die bei Kriegsende noch in der Stadt lebenden Schweizer schlossen sich zu einer Schweizer Kolonie zusammen. Die sog. Heimschaffungsdelegation betreute ab 1945 von der schweiz. Gesandtschaft aus die über 10'000 in der sowjet. besetzten Zone lebenden Schweizer. Nach Anerkennung der DDR durch die Schweiz wurde in Berlin-Ost 1972 eine Schweizer Botschaft eingerichtet. 1993 wurde Unter den Linden das 1936 gebaute Haus der Schweiz, eine Art Schaufenster der Schweizer Wirtschaft, neu eröffnet. Da nach dem Zusammenbruch der DDR B. zur Hauptstadt Deutschlands proklamiert worden war, wurde 1999 die Schweizer Botschaft von Bonn nach B. verlegt. Zuerst im "Haus am Wasser" untergebracht, zog sie Ende 2000 in das umgebaute und erweiterte frühere Botschaftsgebäude im Spreebogen ein.


Literatur
– H. Müller, Die königl. Akad. der Künste zu B. 1696-1896, 1896
– A. Harnack, Gesch. der Königl. Preuss. Akad. der Wissenschaften zu B. 1, 1900, 317-458
– E. Kaeber, «Die Pfälzer und die Schweizer Kolonie in B. im Jahre 1711», in Zs. des Vereins für die Gesch. B.s 51, 1934, 18-27
– Bonjour, Neutralität 4
Schweizer im Berlin des 18. Jh., hg. von M. Fontius, H. Holzhey, 1996
– P. Widmer, Die Schweizer Gesandtschaft in Berlin, 1997 (21998)

Autorin/Autor: Hanspeter Marti