Rickenbach (LU)

Politische Gemeinde LU, Amt bzw. Wahlkreis Sursee. Die Gemeinde im Kessel eines Hochtals über dem Wynental umfasst neben dem Dorf R. die Weiler Niederwil und Mullwil sowie seit 2013 auch Pfeffikon. 1230/31 Richenbach. Um 1695 ca. 650 Einw.; 1798 771; 1850 1'060; 1900 853; 1950 1'110; 2000 2'017. Bei Sagen erhob sich bis zum Sempacherkrieg 1386 die Burg Hintere Rinach. Bis ins 15. Jh. war R. Eigengut und Niedergericht der Herren von Reinach, die ihre Güterrechte im 14. und 15. Jh. nach und nach verkauften. Seit 1415 liegt R. im Luzerner Hochgericht Michelsamt. 1424 erfolgte die Gerichtsausscheidung zwischen Luzern und den Herren von Reinach, 1464 kaufte Luzern Twing und Bann in R. 1464-1750 war R. Teil des Gerichts Gunzwil, danach ein eigenes Gericht. Die Pfarrei mit der 1230/31 erstmals erw. Kirche war Teil des Dekanats Oberkirch. Der Norden der Gemeinde mit Mullwil gehörte bis 1806 zur Pfarrei Pfeffikon und danach zur Pfarrei R. Ende 14. Jh. gelangte der Kirchensatz an die Frh. von Grünenberg und 1400 an das Stift Beromünster (1401 Inkorporation). Die Kirche St. Margaretha wurde 1453 neu erbaut, spätere Neubauten datieren von 1661-62 und 1957-58. Die 1806 und 1812 arrondierte Gemeinde bestand aus Dreizelgendörfern im Feldgrasbaugebiet. 1330 werden die Mühlen in R. und Mullwil, 1414 in Niederwil genannt. Das Wirtshaus in R. ist seit dem 14. Jh. bezeugt. Eine erste Schule wird 1640 erwähnt und seit 1967 verfügt R. über eine Sekundarschule. 1765-1848 existierte eine Zollstelle. Im 18. und 19. Jh. war R. ein Schwerpunkt der Baumwollproduktion, die im 19. Jh. durch Seidenweberei, Zigarrenfabrikation (1878 bis in die 1970er Jahre) sowie Stroh- und Hanfflechterei abgelöst wurde. 1981 siedelten sich Dominikanerinnen von Arenberg bei Koblenz (Rheinland-Pfalz) an. R. ist mit der Wirtschaftsregion Reinach, Menziken, Pfeffikon verflochten. 2005 arbeiteten ca. 17% der Beschäftigten im 1., ca. 45% im 2. und ca. 38% im 3. Sektor.


Literatur
– M. Estermann, Gesch. der Pfarrei R., 1882
Kdm LU 4, 1956, 317-326
– F. Glauser, J.J. Siegrist, Die Luzerner Pfarreien und Landvogteien, 1977, v.a. 164
– H. Wicki, Bevölkerung und Wirtschaft des Kt. Luzern im 18. Jh., 1979
Damals in R., 1991

Autorin/Autor: Waltraud Hörsch