28/05/2009 | Rückmeldung | PDF | drucken

Oberkirch (LU)

Polit. Gem. LU, Amt Sursee. Die südwestlich des Sempachersees gelegene Gem. umfasst nebst O. die Siedlungen Dogelzwil, Oberhof, Unterhof und Zellhüsli. 1036 Ecclesia superior (Kopie des 14. Jh.), 1052 Obernkilch. Um 1695 ca. 150 Einw.; 1850 1'141; 1900 935; 1950 1'166; 2000 2'661.

Jungsteinzeitl., kelt. und röm. Funde. Die Gf. von Lenzburg vergabten 1036 die um ca. 800 erbaute "obere" Kirche als Teil von Sursee und Vogtgut dem Stift Beromünster. 1275 war O. Dekanatssitz. Im SpätMA bildete die Pfarrei rund um den Sprengel Sursee die Exklaven Schenkon, Hunzikon, Ober- und Unterlehn, Grüt, Gstell sowie Krummbach. Um 1300 gab es frohburg. Lehensgüter in O. 1376 erhielt das Kloster St. Urban von den Gf. von Habsburg die Kollatur. Sie fiel 1848 nach der Klosteraufhebung an den Kt. Luzern. 1807 wurde die Pfarrei aufgehoben und Sursee bzw. der Kaplanei Mariazell unterstellt. 1822 erhielt O. eine Kuratkaplanei und wurde 1850 wieder eine eigene Pfarrei. Neubauten der Pfarrkirche St. Pankratius erfolgten im SpätMA, 1687 und 1967-68.

Die Gem. lag teils im Michelsamt, teils in der Landvogtei Ruswil. In der Helvetik kam sie zum Distrikt Sursee und gehörte 1803-14 zum Amt und Gericht Sursee. Die Twingherrschaft O. wurde zu Beginn des 15. Jh. von den Herren von Büttikon an Bürger von Sursee und 1425 an Hans Kiel von Zürich verliehen. 1532 verkaufte Heinrich von Alikon seinem Schwiegersohn Moritz von Mettenwil das niedere Gericht, das 1614 über die Fam. Dulliker an Sursee gelangte. Die Grenzziehung von 1803 verlagerte Gebiete der Pfarrei Sursee aus der Gem. Grosswangen zu O., welche als "Berg" mit eigener Schule in Dogelzwil (1856-1979) bis zu den Pfarreiarrondierungen 1959-73 ein Eigenleben führten. Um 1554 kam es zu Zelgeneinhegungen. 1260-1806 ist eine Mühle an der Suhre belegt. Ende des 17. Jh. war der Barchentverleger Jakob Hunkeler in O. ansässig. 1874-1918 Ziegelei, um 1879 Strumpffabrik im Strasshüsli, Ofenfabrik, Orgelbaufirma (gegr. 1949), Calida, 1972 Ausbildungszentrum des Schweiz. Baumeisterverbands. 1930 Bahnstation. 2005 stellte der 1. Sektor 16%, der 3. 45% der Arbeitsplätze in der Gemeinde.


Literatur
– F. Glauser, J.J. Siegrist, Die Luzerner Pfarreien und Landvogteien, 1977
– A.-M. Dubler, Müller und Mühlen im alten Staat Luzern, 1978, 173
O., 1986
– A. Ineichen, Innovative Bauern, 1996

Autorin/Autor: Waltraud Hörsch