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Nottwil

Polit. Gem. LU, Amt Sursee. Am Südufer des Sempachersees gelegen. Die Gem. umfasst nebst N. u.a. die Streusiedlungen Eggerswil, Ei, Gattwil, Huprächtigen, Tann und Studen sowie das Schloss Tannenfels. 1217-22 Nottewile, 1275 Otewile. Um 1695 ca. 288 Einw.; 1850 1'212; 1900 928; 1950 1'185; 2000 2'682.

Funde von Holzpfählen beim Eisenbahnbau um 1850 liessen Überreste von jungsteinzeitl. Pfahlbauten am Ufergelände vermuten, röm. Siedlungsreste und Münzfunde bei Iflikon. 1276 erschienen die Frh. von Gösgen als Grundherren in N. 1322 vergabte Konrad von Gösgen, der Propst des Stifts Schönenwerd, als erster Kirchherr die Kapelle und Kaplanei von N. in der Pfarrei Sursee dem Stift Schönenwerd. 1461 gingen Kapelle, Twing und Güter in den Besitz der Kaplanei Unserer Lieben Frau an der Pfarrkirche Ruswil über. 1494 erwarben die Kapellengenossen von N. die Marienkapelle und erneuerten sie ca. 1497. Ende des 16. Jh. war sie eine Filiale von Oberkirch. 1577 teilten die Kapelle und sechs Höfe Wald sowie Weideland unter sich auf. Erst 1678 errichtete N. eine neue Pfründe, 1694 eine Kuratkaplanei und schuf 1804 eine eigene Pfarrei. Die barocke, Maria geweihte Kirche von 1686-88 wurde nach einem Brand 1868-72 durch einen neugot. Bau ersetzt. N. war spätestens seit der frühen Neuzeit ein beliebtes Ziel von Wallfahrten und Kreuzgängen. 1574 wurde die St.-Anna-Kapelle in Gattwil und 1678 die Flüsskapelle, 1815-1914 mit einer Einsiedelei, gestiftet sowie 1480-90 die Kapelle St. Margrethen in Tann neu gebaut. N. gehörte nach dem Sempacher Krieg teils zum Luzerner Michelsamt (ab 1415), teils zur Landvogtei Ruswil (ab 1406 als österr. Pfand) sowie zum Rothenburgeramt (1424-33) und kam in der Helvetik zum Distrikt Sempach. 1803-14 gehörte N. zum Gerichtsbez. Sempach im Amt Sursee. 1801 wurde die polit. Gem. aufgrund der Pfarreigrenzen geschaffen und 1819 zu einem eigenen Steuerbrief zusammengefasst, wobei Teile der Kirchgemeinde abgetrennt wurden. Bis ins 19. Jh. wurde Feldgraswirtschaft betrieben. 1957 wurde die Zimbelnfabrik Paiste, 1990 das Schweizer Paraplegiker-Zentrum und das Ausbildungszentrum des Schweiz. Roten Kreuzes eröffnet. 2005 stellte der 1. Sektor 11%, der 3. 75% der Arbeitsplätze in der Gemeinde.


Literatur
– F. Glauser, J.J. Siegrist, Die Luzerner Pfarreien und Landvogteien, 1977, 158
JHGL 6, 1988, 121 f.; 8, 1990, 84-87
– A. Ineichen, Innovative Bauern, 1996
– H. Bossard-Borner, Im Bann der Revolution, 1998

Autorin/Autor: Waltraud Hörsch