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Neuenkirch

Polit. Gem. LU, Amt Sursee. Die Gem. am oberen Ende des Sempachersees umfasst nebst N. u.a. die Höfe und Weiler Adelwil, Büezwil, Hälfestäge, Hellbühl, Homel, Lipperüti, Mättiwil, Rippertschwand, Rüeggringe, Trutige und Werlige sowie das Schloss Wartensee. 1256 nova ecclesia, 1259 Nuwenkilch. Um 1695 ca. 960 Einw.; 1850 2'413; 1900 2'121; 1950 2'856; 2000 5'517.

Jungsteinzeitl. Siedlungsreste bei Brämestall. Die namengebende "neue" Kirche war eine Eigenkirche der Herren von Küssnacht. Von den bereits vor 1248 in N. lebenden Beginen zogen einige um 1256 zum Aufbau des Klosters Selnau nach Zürich. 1282 erhielten die Reuerinnen (Magdalenenschwestern) von den Herren von Küssnacht zur Errichtung eines Konvents die Kirche St. Ulrich in N. mit der Kollatur. Erst unterstanden sie dem Stift Beromünster, dann übernahmen nach der Ordenskrise der Reuerinnen die Dominikaner die Leitung, und 1361 wurden sie dem Dominikanerorden inkorporiert. Die Schwestern bemühten sich, die Kloster- und Pfarrkirche von der Mutterkirche in Sursee zu lösen; um 1296 konnte N. den Status als Leutpriesterei durchsetzen, blieb jedoch Sursee bzw. Muri zehntpflichtig. N. gehörte um 1304 grösstenteils zum habsburg. Officium Sempach, dann zum habsburg. Amt Rothenburg und gelangte nach dem Sempacherkrieg mit der Schutzherrschaft über das Kloster an die Stadt Luzern. 1588 hob Luzern das von fünf Schwestern bewohnte, klausurlose Haus bei der Reform der Frauenklöster auf und überliess die Pfrund- und Kollaturrechte dem Kloster Rathausen. Die Pfarrkirche wurde 1765 durch einen Neubau ersetzt und 1938 erweitert sowie in der Unterkirche 1952 eine Grabstätte für Niklaus Wolf von Rippertschwand eingerichtet. Zur Pfarrei N. kamen 1807 die Höfe um Rippertschwand hinzu, während 1864-65 der Sprengel Hellbühl abgetrennt wurde. Hellbühl mit der Kirche St. Wendelin bildet seither eine eigene Pfarrgemeinde.

Aus dem Dinghof Adelwil, der verstreute Höfe umfasste, entwickelte sich ein weiterer Teil von N., der kirchlich noch zu Beginn des 21. Jh. zur Pfarrei Sempach gehört. Bis 1798 besass Luzern in der Landvogtei Rothenburg die hohen und niederen Gerichte. 1798-1803 war N. Teil des Distrikts Sempach und 1803-14 des Gerichts Sempach im Amt Sursee. Im Seehüsli befand sich bis 1834 die Sempacher Zollstelle. 1856 erhielt N. mit dem Bau von Sempach-Station Anschluss an die Centralbahn Olten-Luzern. 1957 wurde die Chem. Fabrik in Sempach-Station eröffnet; hier entstand ab 1977 eine Industrie- und Gewerbezone u.a. mit der Produktion von Folien, Kunstharzen, Klebstoffen sowie einer Futtermühle. Landwirtschaftlich blieb N. bis ins 19. Jh. stark auf den Feldgrasbau ausgerichtet, intensivierte Ende des 19. Jh. die Viehzucht und seit 1960 die Schweinezucht. 2005 stellte der 1. Sektor 16%, der 3. 51% der Arbeitsplätze in der Gemeinde.


Literatur
– F. Glauser, J.J. Siegrist, Die Luzerner Pfarreien und Landvogteien, 1977, 157
– H. Wicki, Bevölkerung und Wirtschaft des Kt. Luzern, 1979, 144, 169-183
– M. Wehrli-Johns, Gesch. des Zürcher Predigerkonvents 1230-1524, 1980, 162-164
Heimatkunde der Gem. N., 1985
– A. Ineichen, Innovative Bauern, 1996, 224 f.
HS IV/5, 704-723

Autorin/Autor: Waltraud Hörsch