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Polit. Gem. JU, Bez. Pruntrut. Eines der grössten Dörfer der Ajoie, mit charakterist. Häuserreihen aus dem 17. und 18. Jh. längs der Allaine und des Cornolbachs. 1136 Alla, dt. früher Hall. 1809 696 Einw.; 1850 918; 1900 1'238; 1950 1'371; 1970 1'615; 2000 1'542.

1 - Urgeschichte und römische Zeit

Auf einer Terrasse am linken Allaine-Ufer, am Fuss einer Antiklinale aus Kalken des oberen Kimmeridge, liegen die 1990-93 entdeckten und z.T. erforschten archäolog. Fundorte Noir Bois und Pré Monsieur. Sie zählen zu den bedeutendsten in der Schweiz bekannten Plätzen des Moustérien, an welchen Silex bearbeitet wurde. Davon zeugen mehr als 100'000 Abschläge und Arbeitsgeräte aus örtl. Gestein aus dem Zeitraum um 120000-50000 v.Chr. Im Magdalénien (um 13000 v.Chr.) war A. Station durchziehender Jäger. Bäuerl. Siedlungsplätze der Glockenbecherkultur (um 2300 v.Chr.) und der älteren Latènezeit (um 400 v.Chr.) zeitigten Siedlungsformen und eine Reihe von Gegenständen, v.a. Töpferware, wie sie zuvor in der Schweiz kaum bekannt waren. Die röm. Strasse, die Epomanduodurum (Mandeure, F) durch die Pierre Pertuis mit Aventicum verband, war in A. 6,5 m breit und führte an zwei galloröm. Anlagen vorbei. Eine dritte lag im oberen Teil des heutigen Dorfes.

Autorin/Autor: François Schifferdecker / AA

2 - Mittelalter bis heute

Ein Gräberfeld datiert in das FrühMA. Später teilte A. das wechselvolle Schicksal der Vogtei Ajoie, die im 13. Jh. zum Bistum Basel geschlagen wurde. Das Dorf wurde 1634-39, während des Dreissigjährigen Kriegs, mehrmals gebrandschatzt. Im 16. Jh. wurde A. Hauptort eines der vier grossen Meierämter der Ajoie. Während der Landestroublen von 1730-40 war das Dorf ein Zentrum des bäuerl. Aufruhrs. 1836 nahm A. den Status einer Gemischten Gem. an. Die 1302 erstmals erw. Pfarrei (Kirchenpatron Johannes Evangelista) gehörte bis 1779 zum Bistum Besançon, seither zum Bistum Basel. Der spätma. Glockenturm mit Satteldach blieb vom Kirchenumbau von 1951-53 unberührt. Vom 14. bis ins 19. Jh. stritten sich die Gem. A. und Courgenay um die Nutzung des Walds Montagne d'A. Ein ebenso lang dauernder Zwist mit der Bürgerschaft von Pruntrut ging um das Zufluchtsrecht der Einw. von A. in dieser Stadt gegen regelmässige Holzlieferungen. Im 19. Jh. war A. eine recht wohlhabende Bauerngem. Mit dem Bau der Bahnlinie Pruntrut-Bonfol (1901) blühte die Industrie auf, und im Lauf des 20. Jh. wandelte sich A. zu einem kleinen Industriezentrum -- mit Holzbearbeitung, Uhrenmacherei (Gehäuse), einer Wirkwarenfabrik und einer Kammgarnspinnerei --, in dem zahlreiche Grenzgänger arbeiteten. 1990 überwog der 2. Sektor, doch ist A. eine bäuerl. Hochburg geblieben: Die landwirtschaftl. Genossenschaft Centre-Ajoie betreibt seit 1964 eine Sammel- und Verwertungsstelle für Getreide, und seit 1973 findet in A. alljährl. die Fête des paysans jurassiens statt. 1984 bezog das kant. Zeughaus die Räume einer aufgelassenen Fabrik.

Autorin/Autor: François Kohler / AA

Quellen und Literatur

Literatur