23/07/2013 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Grosswangen

Polit. Gem. LU, Amt Sursee, gelegen im unteren Rottal und bestehend aus Innerdorf, Oberdorf, Roth, Sigerswil und Stettenbach. 893 Wanga. 1745 1'540 Einw.; 1810 1'842; 1850 2'724; 1900 2'035; 1950 2'436; 1970 2'213; 2000 2'731. Das Gebiet von G. ist vermutlich seit der Jungsteinzeit besiedelt. Römerzeitl. Siedlungsspuren aus dem 1. Jh. n.Chr. fanden sich in Oberroth. Im Innerdorf wurde eine alemann. Grabstätte aus dem 7. Jh. n.Chr. freigelegt. Vermutlich im 12. Jh. kam das Gut Wangen in den Besitz der Frh. von Wolhusen. Deren älterer Zweig zog sich vor 1300 auf die Burg G. (1277 castrum Wangen, heute Burghügel) als Herrschaftszentrum auch für Grossdietwil zurück. Im 14. Jh. wurde G. habsburg. Lehen. Im 15. Jh. kam es an Luzern und gehörte bis 1798 zur luzern. Landvogtei Ruswil. Als Pfarrei ist G. seit dem frühen 14. Jh. bezeugt. Die erste, Bf. Konrad von Konstanz geweihte Kirche wurde vermutlich von den Frh. von Wolhusen gestiftet. Vor 1400 gelangte das Kirchenpatronat mit dem Kanzelgericht von den Frh. von Wolhusen an die Fam. von Lütishofen. 1478 ging die Pfarrei an das Stift Beromünster. Am Auffahrtstag findet eine regional bekannte Wallfahrt zur St.-Antonius-Kapelle in Stettenbach statt.

Siedlungsgeografisch liegt G. in einer Übergangszone: Das tiefer gelegene, flachere Gemeindegebiet, der sog. Twing Wangen, kannte bis ins 18. Jh. hauptsächlich die dörflich organisierte Dreizelgenwirtschaft, der höher gelegene Teil der sog. 14 äusseren Höfe gehörte zur von Einzelhöfen geprägten Feldgraswirtschaftszone. Gesellschaftlich und politisch wurde G. über den Zusammenbruch des Ancien Régime hinaus von wenigen Grossbauernfamilien dominiert. In bescheidenem Ausmass boten sich bis in die Mitte des 19. Jh. alternative Erwerbsmöglichkeiten in der textilen Heimindustrie. Die Landwirtschaft prägt G. bis heute. Der Schweinemast kommt eine überdurchschnittl. Bedeutung zu. 2000 war etwa ein Fünftel der in der Gem. Erwerbstätigen in der Landwirtschaft beschäftigt. Seit den 1980er Jahren steht G. im Sog der Stadt Luzern, was mit einem Wohnungsbauboom verbunden ist.


Literatur
– F. Glauser, J.J. Siegrist, Die Luzerner Pfarreien und Landvogteien, 1977
– W. Frey et al., G., 1993

Autorin/Autor: Walter Frey