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Gitermann, Valentin

geboren 4.6.1900 Uman (Ukraine),gestorben 21.6.1965 Zürich, isr., später konfessionslos, ab 1929 von Zürich. Sohn des Marcus, Lehrers und Sozialdemokraten, und der Chaja Mindlja Lwowna geb. Seidmann. ∞ 1) 1925 Stefania Feigenbaum, Dr. phil., Tochter des Eliasz, aus Warschau, 2) 1934 Hedwig Oechsli, Tochter des Wilhelm, Chemikers, und Enkelin des Historikers Wilhelm Oechsli, 3) 1950 Lilian Westphal, Schauspielerin, Tochter des Paul, aus München. 1905 Flucht der Fam. aus polit. Gründen nach Berlin, 1907 wohnhaft in Genf, ab 1908 in Zürich (1911 kurze Rückkehr nach Uman). Aufgewachsen in ärml. Verhältnissen. 1919-23 Stud. von Geschichte, Staatsrecht, Kunstgeschichte und Psychologie in Zürich, Berlin und Warschau, 1923 Dr. phil. in Zürich. Hist. Studien in Berlin, Wien und Warschau, bis 1933 Mitarbeiter des "Archivs für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik". 1924-29 Lehrer an der Handelsschule des Kaufmänn. Vereins, 1924-31 am Institut Minerva, 1932-65 an der Töchterschule. Daneben entfaltete G. eine rege Kurstätigkeit, so ab 1928 an der Volkshochschule (auch Stiftungs- und Aufsichtsrat) und 1931-62 im Bildungsausschuss der SP Zürich. Mitglied des VPOD, 1930 Eintritt in die SP, 1944-65 Nationalrat. 1946-52 Redaktor der SP-Zeitschrift "Rote Revue".

G. vertrat als Historiker, beeinflusst von Eduard Fueter, einen wirtschafts- und sozialgeschichtl. Ansatz und suchte, den Marxismus kritisch weiterzuentwickeln. Er arbeitete über Russland ("Geschichte Russlands", 3 Bde., 1944-49, 31987; "Geschichte der Russ. Revolution" in der "Propyläen-Weltgeschichte" 1960), die sozialist. Ideen, die Aufklärung sowie die Schweiz ("Geschichte der Schweiz" 1941), Themen, die er in populärwissenschaftl. Darstellungen sowie in zahlreichen Vorträgen und Artikeln behandelte. Als Politiker widmete er sich v.a. kultur- und sozialpolit. Fragen. In den 1950er Jahren engagierte er sich gegen den Kalten Krieg.


Archive
– Nachlass im Familienbesitz
Literatur
Volksrecht, 22.6.1965
TA, 26.6.1965
Rote Revue, Nr. 7/8, 1965
– B. Ilari-Kopp, Valentin G. (1900-1965), Liz. Zürich, 1986, (mit Werkverz.)
– R. Aegerter, Die Entwicklung der hist. Osteuropakunde in der Schweiz bis 1971, Liz. Zürich, 1988, 62-69

Autorin/Autor: Markus Bürgi