Vitznau

Polit. Gem. LU, Amt Luzern-Land, Wahlkreis Luzern-Land. Umfasst das am Ufer des Vierwaldstättersees und am Fuss der Rigi gelegene Dorf sowie Einzelhöfe. 1342 Vitzenouwa. Um 1695 ca. 340 Einw.; 1798 507; 1850 579; 1900 896; 1950 1'000; 2000 1'039. Altsteinzeitl. Höhlensiedlung bei Steigelfadbalm. V. bildete keinen eigenen Niedergerichtsbezirk, sondern war Teil des Pfäferser Kelnhofs. Seit dem 14. Jh. ist V. als Dorfgemeinde fassbar. 1359 wird es mit Weggis und Gersau als Bündnispartner des eidg. Bunds von 1332 genannt. 1380 gelangte V. mit der Kirchhöre Weggis unter die Vogtei der Stadt Luzern und gehörte bis 1798 zum Amt Weggis. An der 1478 erstmals genannten, um 1505 baulich erneuerten Filialkapelle St. Hieronymus wurde 1641-42 eine Kaplanei errichtet (Kollator Rat Luzern). Das helvet. Direktorium ermöglichte 1799 die Pfarreibildung. 1839-43 wurde die kath. Kirche, 1904 die ref. Kirche gebaut. Luzern fürchtete 1841-47 Putschversuche aus der seit dem 19. Jh. liberalen Gemeinde. 1845 erfolgte die Teilung der Korporationsgüter, 1868 die Grenzausmarchung mit Weggis. Die spätma. Spezialisierung auf Alpwirtschaft und Viehhandel führte 1450 zu Alpkonflikten mit Arth und ab 1503 mit Gersau, die 1507 und 1510-11 durch die Vermarchung der Alpen beigelegt wurden. 1593 wurde eine Sennenbruderschaft gegründet. V. lebte von bescheidenem Ackerbau (1695 zwei Mühlen), der Schifffahrt, der Fischerei, der Holzverarbeitung und der Nutzung von Kastanienhainen sowie zeitweise vom Rebbau. 1687 richtete ein Unwetter mit Murgang Zerstörungen an. 1780 wird erstmals ein Schulmeister erwähnt, seit 1952 besteht eine Sekundarschule. Im 19. Jh. war die textile Heimindustrie verbreitet. Eine Brauerei produzierte bis in die 1880er Jahre. Die 1911 gegr. Druckerei gab ab 1912 den Bezirksanzeiger heraus. Touristisch wurde V. erst mit dem Ausbau der Fusswege nach Weggis (1866) und Gersau (1886) erschlossen. 1865 erhielt es eine Dampfschiffanlegestelle und 1871 nahm die V.-Rigi-Bahn als erste europ. Zahnradbahn den Betrieb auf, was zum raschen Aufschwung des noch zu Beginn des 21. Jh. bedeutenden Sommertourismus führte (Hotellerie, Ferienwohnungen). Um 1872 entstand eine Werft für Salondampfer, 1888 der Kurverein und 1927 das Strandbad.


Literatur
– J. Zimmermann, V. am Fusse der Rigi, 1913
– F. Glauser, J.J. Siegrist, Die Luzerner Pfarreien und Landvogteien, 1977
– P.J. Brändli, «Ma. Grenzstreitigkeiten im Alpenraum», in MHVS 78, 1986, 19-188, v.a. 112-117
V., hg. von J.C. Diehl, 2008
Kdm LU 2, 2009, 480-507

Autorin/Autor: Waltraud Hörsch