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Polit. Gem. LU, Amt Luzern. Die Gem. umfasst das Strassendorf R. am rechten Ufer der Reuss im Rontal und einen Teil der Industriesiedlung Perlen. 1236 Rota. 1456 ca. 140 Einw.; 1695 ca. 330; 1784 ca. 1'010; 1798 646; 1850 1'044; 1870 952; 1900 1'516; 1950 2'095; 2000 3'625. Die hohe Gerichtsbarkeit der Vogtei R. lag 1306 bei den Habsburgern. Nach dem Sempacherkrieg 1386 und mit dem 20-jährigen Frieden von 1394 wurde die Vogtei vom habsburg. Amt Meienberg abgetrennt, war ab 1392 einem luzern. Vogt unterstellt und kam nach 1406 zum Amt Habsburg. Im Bauernkrieg 1653 blieb R. auf der Seite der Obrigkeit und erhielt dafür Amtsbuch, Amtsfahne, Zoll- und Steuerprivilegien, verlor diese aber 1712 als Zentrum eines neuerl. Bauernaufstands wieder. 1798 entstand aus der Pfarrei die Gem. R., die zunächst zum Distrikt Luzern und ab 1803 zum Amt Luzern gehörte (1913-95 Amt Luzern-Land). Dierikon sowie Gisikon und Honau trennten sich 1800 bzw. 1814 von R.

Die Kirche St. Martin gelangte Anfang des 13. Jh. vermutlich von den Lenzburgern an die Nachfahren des Pfalzgf. Otto von Burgund. Alix von Burgund und ihr Gatte Hugo von Chalon vermachten R. 1253 dem Zisterzienserkloster Hauterive. Die übrigen Rechte in R. erbten die Gf. von Kyburg. Vor 1306 erlangten die Habsburger das Patronat durch eine Erbschaft und vergabten es ihrerseits 1396 dem Stift Zofingen, welches es 1478 dem Stift Luzern verkaufte, das 1932 die Kollatur an die Kirchgemeinde abtrat. Die erste, um 1425 und 1595-96 umgebaute Pfarrkirche mit Beinhaus stand am Ort des späteren barocken Pfarrhofs. Der verlegte Neubau von 1707-08 wurde 1819-22, 1886-87 und im 20. Jh. umgestaltet und vergrössert. 1936 trat R. Unterperlen an die Pfarrei Buchrain ab. 1669 stifteten die Pfarrgenossen eine geistl. Schulpfründe und richteten eine Winterschule ein. Ab 1836 war R. mit Meggen alternierender Standort der Sekundarschule des Amts Luzern, ab 1854 des Rontals und verfügte am Ende des 20. Jh. über ein Oberstufenzentrum (1966 gebaut).

Der Ackerbau wurde im Zelgensystem betrieben, daneben existierten auch Steckhöfe. Um 1500 ist Weinbau nachgewiesen. 1576 erfolgte die Aufteilung der Allmenden. Grundsätzlich waren die Nutzungsrechte in R. im Ancien Régime nach dem Personalrecht organisiert und um 1800 beschränkte sich der volle Bürgernutzen auf die vier Geschlechter Arnet, Gunz, Petermann und Schiffmann. Aufgrund von Nutzungsverträgen von 1590 und 1697 bildete sich im 18. Jh. eine eigene Genossenschaft der Hintersassen. Nach langen Verteilkämpfen setzte sich bis ins 19. Jh. das Realrecht durch (Nutzungsrecht an ein Haus oder eine Liegenschaft gebunden). 1423 ist die erste Taverne belegt. 1471 wurden eine Mühle und eine Schmiede zugelassen, ab dem 17. Jh. stand in R. die grösste Mühle des Rontals. R. war an der Reuss, über die auch eine Fähre betrieben wurde, wuhrpflichtig. Der vermutlich schon im 16. Jh. betriebene Sandsteinabbau erlebte im 19. Jh. eine Hochblüte (ab 1838 Steinbrechergesellschaft). Protoindustrielle Kleinbetriebe in R. arbeiteten für städt. Verleger (Seide), was bereits im Ancien Régime zu einem Agglomerationseffekt führte. Der Ausbau der Kantonsstrasse 1849 und der Anschluss an die Eisenbahn 1864 förderten Gewerbe und Industrie, v.a. die 1872 gegr. Holzstoff- und Papierfabrik AG in der Industriesiedlung Perlen, während sich in R. vorübergehend eine Zementplattenfabrik, eine Schuhfabrik, ein Gaswerk und eine Feilenfabrik niederliessen. Bereits 1920 wies R. eine stark industriell und gewerblich geprägte Beschäftigungsstruktur auf. In den 1970er Jahren und nach der Eröffnung der A14 1986 zogen Gewerbe und Pendler nach R., das sich vermehrt nach Zug ausrichtete. Die Gem. wies 2000 einen Anteil von knapp 69% Wegpendlern und etwa 73% Zupendlern auf. 2005 verfügte R. über ein vielfältiges Dienstleistungs- und Kleingewerbe mit ca. 54% Beschäftigten im 2. und ca. 42% im 3. Sektor.


Literatur
– K. Lütolf, Pfarrgesch. von R., 1908
– F. Glauser, J.J. Siegrist, Die Luzerner Pfarreien und Landvogteien, 1977, v.a. 167
– H. Horat, Pfarrkirche und Beinhaus R., 1980
R. stellt sich vor, 1988
– M. Merki-Vollenwyder, Unruhige Untertanen, 1995

Autorin/Autor: Waltraud Hörsch