Historisches Lexikon der Schweiz (HLS) Dictionnaire historique de la Suisse (DHS) Dizionario storico della Svizzera (DSS)

08/12/2009

Luzern (Gemeinde)



Polit. Gem. LU, Amt L., am Ausfluss der Reuss aus dem Vierwaldstättersee gelegen. 840 luciaria. Das ma. L. bestand aus der Klostersiedlung Sankt Leodegar, dem Kern der städt. Siedlung am rechten Reussufer und der in der 2. Hälfte des 13. Jh. um den Brückenkopf auf dem linken Flussufer entstandenen Kleinstadt. Entscheidend für die Entwicklung der Stadt war das Aufkommen des Handels über den Gotthardpass im 13. Jh. Die ganze frühe Neuzeit hindurch blieb die städt. Siedlung im Wesentlichen auf den Raum innerhalb des zweiten Mauerrings aus dem beginnenden 15. Jh. beschränkt. Im 19. und 20. Jh. wuchs die städt. Siedlung auf beiden Seiten der Luzernerbucht und entlang der Ausfallstrassen. Eine weitere räuml. Ausdehnung der Stadtgemeinde wurde lange verhindert, weil sich die Agglomerationsgemeinden nicht eingemeinden liessen. Als grössere unbebaute Gebiete blieben der Gütschwald im Westen der Stadt, die Höhen des Utenbergs und Dietschibergs im Nordosten und die Exklave am Bürgenstock erhalten. 2007 stimmten die städt. Stimmbürger der Eingemeindung von Littau per 2010 zu.

L. ist Kantonshauptstadt und Sitz der kant. Behörden. Es fungiert als Handels- und Dienstleistungszentrum für die wachsende Agglomeration und die Innerschweiz. Auch im Bereich der Bildung (Universität Luzern, vier Teilschulen der Fachhochschule Zentralschweiz, Pädagog. Hochschule, Zentral- und Hochschulbibliothek) und Kultur (Kultur- und Kongresszentrum, Stadttheater, Museen) erfüllt es zentralörtl. Aufgaben. L. ist Sitz des Eidg. Versicherungsgerichts (Bundesgericht) und der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva). Ab den 1830er Jahren entwickelte sich L. aufgrund seiner hist. Denkmäler, seiner Lage am See und der Nähe zu viel besuchten Bergen (Rigi, Pilatus und Bürgenstock) zu einem der wichtigsten Fremdenverkehrsorte der Schweiz.

Bevölkerung Luzern
JahrEinwohner
1445ca. 3 500
1654ca. 4 000
1700ca. 4 000
17844 235
17984 314

Jahr18501870a18881900191019301950197019902000
Einwohner10 06814 40020 31429 25539 33947 06660 52669 87961 03459 496
Anteil an Kantonsbevölkerung7,6%10,9%15,0%20,0%23,5%24,9%27,1%24,1%18,7%17,0%
Sprache          
Deutsch  19 64527 30335 92843 61556 38561 32251 44950 252
Italienisch  2851 2422 2951 9982 1994 7552 3831 627
Französisch  2935298111 0241 4041 070763677
Andere  911813054295382 7326 4396 940
Religion, Konfession          
Katholischb9 75113 12417 34123 95530 91735 09743 77353 29841 99535 682
Protestantisch3171 2912 7574 9337 52410 63014 55214 47611 1349 227
Andere 1092163678981 3392 2012 1057 90514 587
davon jüdischen Glaubens  184299435469457410277196
davon islamischen Glaubens       399721 824
davon ohne Zugehörigkeitc       8933 8106 310
Nationalität          
Schweizer9 70313 41618 38125 14132 29341 66356 83560 78750 53947 412
Ausländer3651 1081 9334 1147 0465 4033 6919 09210 49512 084

a Einwohner: Wohnbevölkerung; Religion, Nationalität: ortsanwesende Bevölkerung

b 1888-1930 einschliesslich der Christkatholiken; ab 1950 römisch-katholisch

c zu keiner Konfession oder religiösen Gruppe gehörig

Quellen:Autor; eidg. Volkszählungen

1 - Ur- und Frühgeschichte
2 - Herrschaft und Politik in Mittelalter und Frühneuzeit
3 - Wirtschaft und Gesellschaft vom Mittelalter bis ans Ende des 18. Jahrhunderts
4 - Politisch-administrative Entwicklung von der Helvetik bis zur Gegenwart
5 - Wirtschaft und Gesellschaft von 1800 bis zur Gegenwart
Quellen und Literatur

Autorin/Autor: Markus Lischer