Littau

Ehemalige politische Gemeinde LU, Wahlkreis Luzern-Stadt, seit 2010 Teil der Gemeinde Luzern. L. umfasste beidseits der Kl. Emme vier Teile mit unterschiedl. Topografie und hist. Entwicklung: erstens das Dorf L., zweitens Niederlittau und Littauerboden, drittens das Einzelhofgebiet Littauerberg und viertens Reussbühl und Ruopigen. 1178 Litowo. Um 1695 ca. 500 Einw.; 1798 668; 1816 1'066; 1850 1'314; 1900 3'699; 1950 5'644; 1960 8'715; 1970 13'495; 2000 15'929.

L. entstand durch hochma. Siedlungsausbau entlang der Nord-Süd-Verbindung, die vermutlich ab röm. Zeit bis um 1300 über Hellbühl und Thorenberg führte (und dort die Kl. Emme überquerte), später über Rothenburg. Die Burg Thorenberg (ursprünglich Tornberg), Lehen des Klosters Luzern, diente vermutlich als Brückenfeste (1369 Ruine; ab Mitte des 19. Jh. neu aufgebaut). Das Kloster Luzern besass in L. einen Dinghof (mit Meier- und Kelleramt), der 1291 durch Kauf an Habsburg gelangte. Er wurde Teil des Amtes Rothenburg, dann aber als Lehen wieder herausgelöst. Träger des Dinghofs waren ab ca. 1346 die Herren von L., ab 1375/83 die Herren von Meggen. Der Dinghof stimmte räumlich mit der Vogtei und Filialpfarrei L. überein, was die Gemeindebildung förderte. 1481 erwarb die Stadt Luzern den Dinghof und vereinigte ihn mit Malters zur Landvogtei Malters und L. In der Gemeinde bildeten sich drei Twinge mit Allmendbesitz aus, deren Aufgabe primär in den Wuhrarbeiten an der Kl. Emme bestand. 1798 kam L. zum Distrikt Luzern, 1803-1913 gehörte es zum Gerichtsbezirk Kriens (ab 1831 Kriens und Malters).

Ab dem FrühMA war L. Teil der Grosspfarrei Luzern, vor 1257 entstand die Filialkirche. Kollator und Verweser blieb das Kloster im Hof bzw. der Luzerner Leutpriester. 1520 stifteten die Kirchgenossen eine Kuratkaplanei. 1871 wurde die Pfarrei selbstständig. 1892-93 trennte sich Reussbühl zur eigenen Pfarrei ab. Die erste Kirche in L. aus dem 10. oder 11. Jh. wurde sukzessive vergrössert, 1752-64 barockisiert, 1938-39 abgebrochen und durch einen Neubau ersetzt. 1975 erfolgte die Errichtung einer ref. Kirchgemeinde.

In der frühen Neuzeit führten durch das Gemeindegebiet zwei Überlandstrassen: das Dorf L. lag an der Landstrasse nach Willisau und Bern, Reussbühl mit der Zollstelle Emmenbrücke an der Baslerstrasse. Ab den 1850er Jahren erfolgten der Bau moderner Strassen und die Korrektion der Kl. Emme. 1875 wurde L. an die Bahnlinie Luzern-Langnau-Bern angeschlossen. Die Mühle Thorenberg, ursprünglich ein Lehen des Klosters Luzern, war schon im 15. Jh. mit einer Sägerei verbunden. Sie musste den Emmensteg (ab 1789 Brücke) unterhalten, der vom SpätMA an nur noch dem regionalen Verkehr diente. Im 17. und 18. Jh. siedelten sich zahlreiche Landhandwerker an, die von der Stadtnähe profitieren wollten. Vor der Mitte des 17. Jh. entstand in Fluhmühle (Reussbühl) unmittelbar vor dem Stadtbann eine Gewerbesiedlung. Luzerner Patrizierfamilien investierten ab den 1830er Jahren in Industriebetriebe in Thorenberg und Rothen (Reussbühl). Niklaus Meyer von Schauensee kaufte 1833 die Thorenberger Mühle und errichtete einen Eisenhammer, dessen Sohn Franz Meyer von Schauensee (Offizier der Sonderbundstruppen) fügte 1837 eine kleine Baumwollspinnerei und danach andere Betriebe hinzu, die im Sonderbundskrieg zerstört wurden. 1852 gründete Xaver Segesser von Brunegg in Rothen eine Parkettfabrik. 1890 erbauten Karl und Viktor Troller in Thorenberg ein Elektrizitätswerk, das Strom in die Stadt Luzern lieferte. 1866-81 und während der Weltkriege erfolgte am Sonnenberg der Abbau von Kohle. Mehrere Kiesgruben wurden nach 1930 industriell ausgebeutet, später als Deponien genutzt. Die Gemeinde entwickelte sich bis um 1870 zu einem bedeutenden Industrievorort. Im Littauerboden entstand eine neue Industriezone, in der seit 1980 das Walzwerk der Von Moos Stahl AG betrieben wird und sich 1987 das Verwaltungs- und Vertriebszentrum der John Lay Electronics AG niederliess. Ab 1960 beschleunigte sich die Entwicklung zur Agglomerationsgemeinde mit stark wachsender Bevölkerung (darunter zahlreiche Ausländer, 2003 36%).


Literatur
– H. Dommann, F. Glauser, Litowo - L., 1979
– H.-P. Hug, Fabrikindustrialisierung, Bevölkerungsentwicklung und Zuwanderungen, Liz. Zürich, 1993

Autorin/Autor: Waltraud Hörsch