No 27

Bucher, Rudolf

geboren 22.2.1899 Luzern, gestorben 17.3.1971 Luzern, kath., von Luzern. Sohn des Josef, Arztes. ∞ 1) 1928 Johanna Bodenehr, Tochter des Emil, von Luzern, 2) 1944 Luzia Rastetter, Tochter des Ludwig, von Luzern und Vitznau. Kantonsschule Luzern, bis 1925 Medizinstud. in Zürich, Berlin und Basel, 1931 Dr. med. in Bern. 1930-38 leitender Arzt der wiss. Abteilung der Chirurg. Universitätsklinik Basel. 1937 Habilitation und ab 1938 PD für chirurg. Experimentalforschung an der Univ. Basel, daneben Arztpraxis in Zürich. Grosse Forschungstätigkeit auf dem Gebiet der Vollblut- und Blutplasmatransfusionen. 1941 Chef des Blutspendedienstes der Armee. Aus medizin. Interesse nahm B. 1941-42 an der neutralitätspolitisch fragwürdigen "Freiwilligen Schweiz. Ärztemission" an die Ostfront teil. Dort wurde B. Augenzeuge der Erschiessung von 62 russ. Geiseln durch die Deutschen und erhielt Kenntnis von der Massenvernichtung der Juden sowie den Zuständen in den Konzentrationslagern. Die Behörden behinderten seine Bemühungen, die schweiz. Öffentlichkeit über die Vorgänge an der Ostfront aufzuklären. Erst 1967 legte er den umfassenden Erlebnisbericht "Zwischen Verrat und Menschlichkeit. Erlebnisse eines Schweizer Arztes an der dt.-russ. Front 1941/42" vor. B. setzte sich für das Rettungswesen ein und war 1952 Mitbegründer der Rega. Als Vertreter des Landesrings der Unabhängigen gehörte er 1947-50 dem Zürcher Kantonsrat sowie dem Nationalrat an.


Archive
– AfZ, Nachlass
Literatur
Who's Who in Switzerland, 1962/63, 71
NZZ, 26.3.1971

Autorin/Autor: Martin Illi