10/08/2004 | Rückmeldung | PDF | drucken
No 1

Bill, Max

Dieser Artikel wurde für die Buchausgabe des HLS mit einem Bild illustriert. Bestellen Sie das HLS bei unserem Verlag.

geboren 22.12.1908 Winterthur,gestorben 9.12.1994 Berlin, von Moosseedorf. Sohn des Alfred Erwin, Bahnhofvorstandes, und der Marie geb. Geiger. ∞ 1) 1931 Binia Spoerri (gestorben 1988), Cellistin und Fotografin, 2) 1991 Angela Thomas, Kunsthistorikerin. B. besuchte 1924-27 die Kunstgewerbeschule in Zürich, ging dann für ein Jahr ans Bauhaus nach Dessau (Unterricht bei Paul Klee, Wassily Kandinsky, Oskar Schlemmer und Josef Albers). Nach seiner Rückkehr nach Zürich 1929 war er als Architekt, Maler, Plastiker und Publizist tätig. Seine künstler. Orientierung führte ihn mehrmals zu Hans Arp, Piet Mondrian, Theo van Doesburg und Georges Vantongerloo nach Paris, wo er 1932 der Gruppe Abstraction-Création beitrat. 1933 entstanden erste Plastiken und Bauten (Atelierhaus in Zürich-Höngg). Auf der Grundlage von Theo van Doesburgs Begriff art concret begründete B. die konkrete Kunst und setzte sich für die Systematisierung der Bildidee in Theorie und Praxis ein ("15 variationen über ein thema" 1935-38, "konkrete gestaltung" 1936, "konkrete kunst" 1944, "die mathemat. denkweise in der kunst unserer zeit" 1949). Als Mitinitiator der Ausstellung "Zeitprobleme in der Schweizer Malerei und Plastik" und mit seiner Beteiligung an der Triennale in Mailand (beide 1936) kümmerte er sich auch aktiv um Ausstellungs- und Kunstpolitik; 1937 trat er der Künstlervereinigung Allianz bei und bildete mit Camille Graeser, Verena Loewensberg und Richard Paul Lohse den harten Kern der Zürcher Konkreten. Mit Plakatgestaltung und Typografie war B. bereits hervorgetreten, als er 1944 begann, sich mit der Produktgestaltung auseinander zu setzen. Der später von ihm geprägte Begriff "Produktform" umschrieb das Streben nach der funktionalen Zweckform und universalen Umweltgestaltung. Für den Schweiz. Werkbund organisierte B. 1949 die Ausstellung "Die Gute Form". 1947 wurde seine Plastik "Kontinuität" ausgeführt, als Weiterentwicklung der bereits 1935 entstandenen "unendl. Schleife" (aus einer Fläche nach dem Prinzip des Moebiusbandes). 1950 war B. Mitbegründer der Hochschule für Gestaltung in Ulm; er entwarf 1951 deren Gebäude und wirkte bis 1956 als Rektor. 1951 wurde B. sowohl für den "Schweizerpavillon" an der Triennale in Mailand als auch mit dem Preis für Plastik an der Triennale von São Paulo ausgezeichnet. Damit gewann er grossen Einfluss in Südamerika. 1957 eröffnete er in Zürich erneut ein Atelier. Neben seiner künstler. Tätigkeit leitete er 1964 den Sektor Bilden und Gestalten an der Expo in Lausanne und baute 1967 sein zweites Haus in Zumikon. 1961-68 Mitglied der Eidg. Kunstkommission. Im Rahmen seines polit. Engagements vertrat B. den LdU ab 1961 im Zürcher Gemeinderat und 1967-71 im Nationalrat. Als er 1968 den Kunstpreis der Stadt Zürich empfing, stellte er seine Dankesrede unter den Titel "Das Behagen im Kleinstaat". B. erhielt viele nationale und internat. Auszeichnungen. Er gehört zu den international bedeutenden Vertretern der konstruktiv-konkreten Kunst. Als einer der führenden Künstler der Zürcher Konkreten hat B. seit den 1930er Jahren die konkrete Kunst und ihre systemat. und serielle Denkweise geprägt.


Literatur
– M. Staber, Max B., 1971
– E. Hüttinger, Max B., 1977 (21987)
– A. Thomas, max bill, Ausstellungskat. Studen, 1993
BLSK, 110 f., (mit Bibl.)
– M. Bill, Max B.: unendl. Schleife 1935-95 und die Einflächner, 2000

Autorin/Autor: Annemarie Bucher