No 2

Bernhard, Hans

geboren 13.9.1888 Wülflingen (heute Gem. Winterthur),gestorben 8.4.1942 Mammern, ref., von Winterthur. Sohn des Konrad, Landwirts, und der Anna Katharina geb. Benz, von Wülflingen. Ledig. Nach Abschluss der Landwirtschaftl. Schule Strickhof in Zürich studierte B. 1906-09 Agrarwiss. an der ETH Zürich, dann Geografie, v.a. Wirtschafts- und Agrargeografie, an der Univ. Zürich. Das Stud. verband er mit zahlreichen Auslandsaufenthalten, v.a. am Landwirtschaftl. Institut in Rom. Es folgten 1911 die Promotion, 1915 die Habilitation an der naturwiss. Fakultät in Zürich. 1911-21 lehrte B. am Strickhof. 1918 wurde er Mitbegründer und Geschäftsführer der "Schweiz. Vereinigung für Innenkolonisation und industrielle Landwirtschaft" (SVIL). 1925 folgte die Ernennung zum Titularprof. der Univ. Zürich, und ab 1928 dozierte B. "Wirtschaftslehre des Landbaus" an der ETH. 1939 nahm B., der als rauher, in sich gekehrter, gläubiger Mensch die polit. Laufbahn nur widerwillig ergriff, die Wahl als Zürcher BGB-Ständerat an. Zentral war B.s Wirken an der Spitze der 1918 unter dem Eindruck der kriegsbedingten Versorgungskrise gegr. SVIL. Unter seinem Einfluss entwickelte sich diese zu einer quasi-staatl. Landwirtschafts-Planungsstelle. Dem industrialisierungsbedingten Rückgang der landwirtschaftl. Eigenversorgung wollte B. mit einer radikalen Steigerung der Innenkolonisation begegnen - dies jedoch nicht gegen, sondern in Zusammenarbeit mit der Industrie. Als Ständerat widmete sich B. bis zu seinem frühen Tod den Vorbereitungen der sog. Anbauschlacht, als deren Vordenker er zu betrachten ist.


Werke
Die Agrargeographie als wiss. Disziplin, 1915
Die Ausnützung der letzten Kolonisierungsmöglichkeiten in der Schweiz als dringl. Gegenwartsaufgabe, 1934
Literatur
– P. Maurer, Anbauschlacht, 1985
– W. Baumann, Bauernstand und Bürgerblock, 1993

Autorin/Autor: Pietro Morandi