29/10/2009 | Rückmeldung | PDF | drucken

Ebikon (Gemeinde)

Polit. Gem. LU, Amt Luzern-Land. Das Strassendorf E. liegt an der alten Landstrasse Luzern-Zürich. Die Gem. umfasst den grössten Teil des Rotsees, das obere Rontal und den Ortsteil Rathausen. Ende 9. Jh. marcha Abinchova. 1465 ca. 110 Einw.; um 1695 ca. 300; 1798 532; 1850 854; 1900 1'287; 1930 2'240; 1950 3'007; 1970 7'770; 2000 11'322. Das Gebiet der Gem. deckt sich mit demjenigen der Vogtei E., ebenso deren Herrschaftsgeschichte. Um 900 bildete die "Mark E." einen reichslehenbaren Verband freier Bauern. Die Vogtei konstituierte sich aus den Genossen von E. und vom Rotsee. Zahlreiche Höfe und der Rotsee gehörten den Zisterzienserinnen in Rathausen.

Die erste Nennung des Friedhofs geht auf 1245 zurück, diejenige der Kirche auf 1257. 1275 wird E. als Pfarrei bezeichnet, obwohl es zu dieser Zeit eine Filiale von St. Leodegar in Luzern war. 1518 erfolgte die Stiftung einer Kuratkaplanei, erst 1875 die Erhebung zur Pfarrei. Die Kirche wurde um 1400 und 1655 erneuert und 1790 durch einen Neubau von Josef Singer ersetzt (1926-27 Vergrösserung). E. war mit dem Grab des legendären Einsiedlers Diobald (14. Jh.) bis in die frühe Neuzeit regionaler Wallfahrtsort. 1961 wurde die ref. Kirche gebaut.

Die Streusiedlung mit Einzelhöfen lag in der Feldgraswirtschaftszone. Bereits 1551 war die Allmend aufgeteilt und 1577 die Privatisierung des Gemeindewaldes vorgenommen worden. 1868-1921 produzierten in E. eine Teppichweberei und Färberei, ab 1921 die Kuvertfabrik Bochsler. Seit den 1950er Jahren setzte infolge der verkehrsgünstigen Lage der Gem. eine rasche Industrialisierung ein. Nachdem 1950-57 die Aufzüge- und Elektromotorenfabrik Schindler ihren Sitz von Luzern nach E. verlegt hatte, etablierte sich 1958 dort ebenfalls der Lebensmittelgrosshandel Hofer & Curti AG. In den 1980er Jahren siedelte sich die Automobilbranche an, Ende der 90er Jahre eröffneten Grossmärkte ihre Tore. 1957 wurde die erste Ortsplanung geschaffen, der 1973 die Abkehr der Gem. vom Verstädterungsprozess folgte. In der bedeutenden Wohngem. der Agglomeration Luzern waren 2000 gut zwei Fünftel der Beschäftigten im 2. und gut die Hälfte im 3. Sektor tätig. 1864 wurde die Bahnlinie Zug-Luzern eröffnet, 1986 die A14. Der Kt. Luzern erwarb 1838 von Rathausen den Sedelhof, nutzte ihn vorerst als Arbeitshof des Zuchthauses, 1884-1975 dann als kant. Strafanstalt (Neubau 1932-34). Der Seehof diente 1893-1953 als Frauenarbeitsanstalt. In den 1930er Jahren wurden in E. eine Hotelfachschule sowie zwei noch heute existierende Privatschulen errichtet: die 1931 von Klara Rey gegr. Rey-Schule und das 1932 eröffnete Pallottiner-Gymnasium St. Klemens mit Lehrlingsheim.


Literatur
Kdm LU 1, 1946, 247-261
– F. Glauser, J.J. Siegrist, Die Luzerner Pfarreien und Landvogteien, 1977
– P. Bernhard et al., E., 1984
– M. Huber, R. Huber, Die Gem. E., 1950-1988, Ms., 1988, (Geogr. Inst. Univ. Bern)
– A. Ineichen, «Bäuerl. Verschuldung - E. um 1690», in SZG 42, 1992, 69-93
– A. Ineichen, Innovative Bauern, 1996
– P. Schnider, Fabrikindustrie zwischen Landwirtschaft und Tourismus, 1996

Autorin/Autor: Waltraud Hörsch