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Müswangen

Ehem. polit. Gem. LU, Amt Hochdorf, seit 2009 zusammen mit Gelfingen, Hämikon, Mosen, Retschwil und Sulz (LU) Teil der polit. Gem. Hitzkirch. Am Westabhang des Lindenbergs gelegen. 924 Milizwaga. 1798 307 Einw.; 1850 442; 1900 324; 1950 259; 1980 217; 2000 439. Westlich des Dorfes wurde ein röm. Gebäude gefunden. M. zählte im 13. Jh. zum kyburg. Amt Lenzburg und nach 1300 zum Amt Richensee (ab 15. oder 16. Jh. Amt Hitzkirch genannt), das 1425-1798 zu den Freien Ämtern gehörte. 1798 kam M. zum Kt. Baden, 1803 zum Kt. Luzern. Vor 1798 lag die niedere und hohe Gerichtsbarkeit beim Amt Hitzkirch. Um 1300 befand sich bei M. ein freier Hof. Wichtige Güterbesitzer waren ab dem SpätMA die Deutschordenskommende Hitzkirch, 1694-1773 das Jesuitenkollegium Luzern und in dessen Nachfolge die Herrschaft Heidegg. 1804-48 befand sich in M. eine Zollstätte. Bis zur Erhebung zur Pfarrei 1958 gehörte M. zum Pfarrsprengel Hitzkirch. Eine Kapelle wurde 1608 erstmals erwähnt und um 1669 neu gebaut. 1786 stiftete die Gem. eine Mess- und Schulpfründe für einen Geistlichen, der auch als Schulmeister wirkte; 1809 entstand eine Kuratkaplanei. Die Primarschule wurde 1976 aufgehoben und Hämikon zugeteilt. Mit Hämikon hatte M. bis 1739 die Allmendgüter, das Bürgerrecht und das 1595 aufgezeichnete Dorfrecht gemeinsam; zu Teilausscheidungen kam es schon 1364, 1375 und 1671. In den 1860er Jahren suchten drei Dorfbrände M. heim. Bis heute dominiert die Landwirtschaft (Beschäftigungsanteil 2000 58%) mit Getreide, Hochstammobst, Milch- und Viehwirtschaft sowie Schweinezucht. Ein Tavernenrecht wird 1497 erwähnt. 1791 legte das Kloster Muri einen Tuffsteinbruch an. Ab Ende des 18. Jh. wurde Torf abgebaut, im 19. Jh. Strohflechterei betrieben. 2006 stimmte M. einem ersten Fusionsprojekt von elf Gem. des Hitzkirchertals zu, das aber an der Ablehnung anderer Gem. scheiterte. Das reduzierte Projekt wurde 2007 angenommen.


Literatur
– G. Rodel, «Die Strohindustrie im aarg. und luzern. Seetal», in Heimatkunde aus dem Seetal 24, 1950, 3-64
M., 1993

Autorin/Autor: Waltraud Hörsch