06/09/2006 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Eschenbach (LU)

Polit. Gem. LU, Amt Hochdorf, auf der glazial geprägten Geländeschwelle zwischen Reuss- und Seetal gelegen. 924 Eskinpah und Essinpahc. Um 1695 ca. 400 Einw.; 1798 1'097; 1816 790; 1850 1'229; 1900 1'204; 1950 1'656; 2000 2'966.

Ende des 13. Jh. erscheint der mit einer Eigenkirche versehene Hof E. als Teil der Herrschaft der Frh. von E. An der Reuss, wahrscheinlich an einem Flussübergang, entstand vermutlich kurz vor 1250 die 1292/96 stat ze Eschibach genannte Kleinstadt mit einem Megalithturm, heute Unter- oder Alt-E. (Gem. Inwil) genannt. Ein Flussübergang existierte bis in die Neuzeit. Um 1407 befand sich in Unter-E. ein Beginenhaus, um 1600 lebten dort Eremiten. Vom 11. Jh. bis um 1200 existierte in der Nähe eine weitere Siedlung. Um 1285 stifteten die Freiherren an der Reuss ein Augustinerinnenkloster. 1296 wird ein Zöllner erwähnt. Der Hof und das Dorf E., die 1309 von den Habsburgern beim Feldzug gegen die Mörder Kg. Albrechts zerstört wurden, entwickelte sich zur kleinen Stadt Obereschenbach.

Die Pfarrei wird erstmals 1226/62 erwähnt, evtl. bereits 1108. 1302 verkauften die Freiherren dem Kloster den Hof und den Kirchensatz von Obereschenbach, 1324 erfolgte die Inkorporation. Vor 1309 verlegte der Konvent seinen Sitz vom Reussufer nach Obereschenbach; an das verlassene Kloster erinnert die Kapelle St. Kathrinen. 1309 konfiszierten die Habsburger Twing- und Vogteirechte von E. als Besitz des geächteten Königsmörders; 1330 schenkten sie diese dem Stift. Die Klosterkirche war zugleich Pfarrkirche; nach dem Bau der neuen Klosterkirche 1911 wurde die alte zur Pfarrkirche umgestaltet. Im Bauernkrieg von 1653 erscheint ein Einwohner unter den aufständ. Führern des Amtes. Im 2. Villmergerkrieg profilierte sich die dörfl. Oberschicht führend im bäuerl. Aufstand. Mit der Auflösung der Landvogtei Rothenburg kam E. zunächst zum Gerichtsdistrikt Hochdorf, bildete 1803-14 ein eigenes Gemeindegericht und gehörte dann bis 1913 zum Bezirksgericht Rothenburg. 1807-12 wurden die Pfarreigrenzen stark verändert; E. erhielt Zuwachs von der Pfarrei Hochdorf. 1834-1907 lag die Kollatur beim Kanton.

1394 werden zwei Mühlen genannt, eine klösterliche und eine freie; bis um 1900 bestanden drei bis vier Mühlen nebeneinander, wovon zwei dem Kloster gehörten. Seit dem SpätMA stehen in E. zwei Tavernen; 1471 wird eine Badstube erwähnt. Der Luzerner Rat nahm die Verleihung der klösterl. Ehaften im 16. Jh. an sich. Ab dem 17. Jh. erteilten u.a. Kaplane regelmässig Unterricht. Seit 1869 besteht in E. eine Bezirks- und Sekundarschule. E. und seine Einzelhöfe bildeten eine Schwellenregion mit Feldgrasbau und Zelgensystem. 1883 erfolgte der Anschluss an die Seetalbahn. Seit dem 19. Jh. wird in E. Torfgewinnung und kommunaler Kiesabbau betrieben. Ende des 19. Jh. gab es eine Kirschdestillerie. Mit der Industrialisierung in Hochdorf, Emmenbrücke und Perlen entwickelte sich E. zusehends zur Wohngemeinde. Seit den 1950er und 60er Jahren finden sich auch Gemüse- und Tabakkulturen, Schweine- und Rindermast. Im 20. Jh. wurden Fabriken angesiedelt, die Maschinen, Chemie- und Kunststoffprodukte herstellen. Seit 1941 befindet sich im Unterwerk Mettlen eine schweiz. Transformatorenstation.


Literatur
– H. Ammann, «Die Stadt E. und die allg. Städtegesch.», in Innerschweiz. Jb. für Heimatkunde 19/20, 1959, 155-158
– W. Drack, «Gesch. und Anlage der Burg und Stadt Alt-E. bei Inwil», in Innerschweiz. Jb. für Heimatkunde 19/20, 1959, 131-154
Kdm LU 6, 1963, 45-81, 209-219
E., 1971
– F. Glauser, J.J. Siegrist, Die Luzerner Pfarreien und Landvogteien, 1977
– M. Merki-Vollenwyder, Unruhige Untertanen, 1995
– J. Rickenbach, Alt-E., 1995

Autorin/Autor: Waltraud Hörsch