• <b>Wiedlisbach</b><br>"Spezialplan des Einungs-Bezirks". Erster Parzellenplan aus einer Serie von 46 Blättern, aufgenommen in den Jahren 1789 und 1790, von  J.G. Frintz (Staatsarchiv Bern, Atlanten 114). Die kleine Stadtanlage besteht aus einem Mauerviereck mit angebauten Häusern sowie aus einer Mittelreihe. Die Hauptgasse heisst Städtli und verbindet das westliche Bieltor mit dem östlichen Baseltor. Das Kornhaus schliesst nördlich ans Bieltor an, das Rathaus liegt in der Mitte der südlichen Häuserzeile. Die Mühle am Stadtbach steht auf der Höhe des Rathauses an der Aussenseite der südlichen Stadtmauer.

Wiedlisbach

Polit. Gem. BE, Amtsbez. Wangen, Verwaltungskreis Oberaargau. Das Städtchen W. mit Aussenquartieren und Aussenhöfen liegt zwischen Aare und Jurafuss. 1275 Wietilspach. 1764 478 Einw.; 1850 924; 1900 1'370; 1950 1'823; 2000 2'414. Einzelfunde aus dem Meso- und dem Neolithikum im Raum Aarerainterrasse, Riselhof und Stutzacker sowie ein Schalenstein bzw. Grabhügel im Stierenweidwald bzw. Kleinhölzli belegen eine frühe Besiedlung. Davon zeugen auch ein Frauengrab aus der Latènezeit am Mühlackerweg und ein weiteres aus dem FrühMA im Raum Walki-Moosrain. Am Donerain lag ein prähist. Erdwerk oder eine früh- bis hochma. Burgstelle, während ein röm. Gutshof aus dem 2./3. Jh. im Niederfeld und Leistenziegel im Dettenbühl auf eine röm. Siedlung hinweisen. Reste einer eindrückl., früh- bis spätma. Burgstelle befinden sich auf dem Walkihügel. Ausserhalb der Stadtmauern stiess man auf ein vielleicht spätbronzezeitl. Grab und einen Freistein, der ursprünglich am Chrüzacher stand.

<b>Wiedlisbach</b><br>"Spezialplan des Einungs-Bezirks". Erster Parzellenplan aus einer Serie von 46 Blättern, aufgenommen in den Jahren 1789 und 1790, von  J.G. Frintz (Staatsarchiv Bern, Atlanten 114).<BR/>Die kleine Stadtanlage besteht aus einem Mauerviereck mit angebauten Häusern sowie aus einer Mittelreihe. Die Hauptgasse heisst Städtli und verbindet das westliche Bieltor mit dem östlichen Baseltor. Das Kornhaus schliesst nördlich ans Bieltor an, das Rathaus liegt in der Mitte der südlichen Häuserzeile. Die Mühle am Stadtbach steht auf der Höhe des Rathauses an der Aussenseite der südlichen Stadtmauer.<BR/>
"Spezialplan des Einungs-Bezirks". Erster Parzellenplan aus einer Serie von 46 Blättern, aufgenommen in den Jahren 1789 und 1790, von J.G. Frintz (Staatsarchiv Bern, Atlanten 114).
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Die Frohburger gründeten das Städtchen im 1. Drittel des 13. Jh. als westlichste Festung ihrer Herrschaft Bipp. W. gelangte als Erbe an die Gf. von Neuenburg-Nidau, die von Thierstein und zuletzt an die Kyburger, die es 1405 an Bern und Solothurn verpfändeten. 1463 kam W. an Bern. Das Städtchen besteht aus der Hauptgasse, einem Wohnturm (evtl. als Vogtsitz) in der nordwestl. Ecke und dem Hinterstädtchen mit Kapelle und Gassenmarkt. Die städt. Infrastruktur beschränkte sich auf das im 16. Jh. errichtete Rathaus, das 1487-1863 betriebene Burgerspital und eine Badestube. Die meisten Bürger lebten von der Landwirtschaft, einige betrieben ein städt. Gewerbe wie Gerbereien, eine Bäckerei, zwei Tavernen und einen Kramladen. Für seine Treue im Sempacherkrieg erhielt W. von Habsburg 1386 einen Wochenmarkt und das Recht auf die Ungeldsteuer. Bern stattete W. 1578 mit zwei Jahrmärkten aus (später aufgehoben). Der frohburg. Zoll ging nicht an die Stadt, sondern blieb bei der Herrschaft und wurde ab 1463 von Bern bezogen, das 1693 das staatl. Kornhaus errichtete (seit 1955 Museum). W. hatte nie eine Pfarrkirche. Seine 1275 indirekt erw. Katharinakapelle mit Fresken war Filiale der Kirche Oberbipp und wurde bis zur Reformation von einem Kaplan versehen. 1275 ist W. als municipium bezeugt mit Bürgern und Schultheiss, an dessen Stelle im 14. Jh. ein kyburg. Vogt trat. Dieser verwaltete von W. aus das ganze Amt. Diese Praxis blieb im 15. Jh. z.T. bestehen, indem man Gerichtstage nicht in Oberbipp, sondern in W. abhielt. Im 16. Jh. werden erstmals das Rathaus und ein Bürgermeister erwähnt. 1516 erhielt W. von Bern ein Stadtrecht. 1375 brandschatzten die Gugler das Städtchen, 1653 plünderten es bern. Truppen als Strafe für seine Teilnahme am Bauernaufstand und beraubten es vorübergehend seiner Tore. 1827 wurden diese definitiv entfernt.

Die Bürger betrieben Ackerbau in Zelgen und hatten bis zur Aufteilung 1745 mit den Nachbargemeinden eine Weidegemeinschaft im Längwald sowie am Jura. Bis zur Renovation ab 1950, die dem Ort 1974 den Wakkerpreis eintrug, blieb das Hinterstädtchen von der landwirtschaftl. Nutzung geprägt. 1874 wurde die Sparkasse W. gegründet, die 1992 mit der Ersparniskasse Langenthal fusionierte; 2012 gehörte die Filiale der Raiffeisenbank. Nach dem Anschluss an die Solothurn-Niederbipp-Bahn 1918 erfolgte der Bau der Aussenquartiere. Vorübergehend bestanden eine Biskuit-, eine Bürsten-, eine Möbel- und eine Chemiefabrik. Bei der Erweiterung des Waffenplatzes Wangen an der Aare 1973 entfielen 80% der Fläche auf das Gemeindegebiet von W., was den Zuzug von Unternehmen einschränkte. Die Gewerbezone beherbergt v.a. Betriebe der Baubranche. Die Verkehrssituation begünstigt das Zu- und Wegpendeln, v.a. in die Region Solothurn. Die 1860 eröffnete Sekundarschule W. dient der ganzen Kirchgemeinde Oberbipp. Das Oberaarg. Pflegeheim mit einer psychiatr. Abteilung, 1891 als Armenanstalt gegründet, ist für die ehem. Amtsbezirke Wangen und Aarwangen zuständig.


Quellen
SSRQ BE II/10
Literatur
– H. Freudiger, Die politisch wirtschaftl. Entwicklung des Amtes Bipp, 1912
– K.H. Flatt, Die Errichtung der bern. Landeshoheit über den Oberaargau, 1969
– R. Hug, Bauinventar der Gem. W., 2002
– A. Boschetti-Maradi, Das Städtchen W.: Ber. über die archäolog. Unters. bis ins Jahr 2000, 2004

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler