• <b>Wallisellen</b><br>Einkaufszentrum Glatt am Eröffnungstag, dem 2. Februar 1975. Fotografie von Hans Krebs (ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv, Bestand Comet Photo AG). Das Glattzentrum ist eines der ersten Shoppingcenter der Schweiz und erzielt regelmässig die höchsten Umsätze. Bereits 1962 gründeten der Migros-Genossenschaftsbund sowie die beiden Warenhäuser Globus und Jelmoli eine Betriebsgesellschaft, die den Bau realisierte. Geplant wurde dieser nach einem Konzept des amerikanisch-österreichischen Architekten Victor Gruen. Für die örtliche Anpassung und die Umsetzung der Wünsche der Bauherrschaft sorgte der Zürcher Architekt Ernst Schwarzenbach.

Wallisellen

Konsultieren Sie diesen Artikel auf der neuen HLS-Webseite (Beta-Version)

Polit. Gem. ZH, Bez. Bülach, die in der Agglomeration Zürich im mittleren Glattal liegt und seit 1916 auch Rieden umfasst. Zwischen 874 und 887 Wolasselda, 1153 Walaseldon. 1467 ca. 95 Einw.; 1634 271; 1762 531; 1850 574; 1900 1'022; 1950 5'202; 1960 8'601; 2000 11'939.

Grabfunde auf dem Föhrlibuck und beim Neugut aus der mittleren Bronze- bzw. der älteren Eisenzeit belegen eine frühe Besiedlung der Gegend. Ausserdem wurden frühma. Flachgräber entdeckt. In der 2. Hälfte des 9. Jh. gehörte ein grosser Hof dem Chorherrenstift Grossmünster, im 12. Jh. waren das Kloster St. Martin auf dem Zürichberg und das Fraumünsterstift in W. begütert. Im 11. und 12. Jh. besassen die Gf. von Lenzburg die Vogtei über W. Nach deren Aussterben 1173 kamen Hoch- und Niedergericht an die Gf. von Kyburg und 1264 an die Habsburger. Mit der Herrschaft Kyburg gelangte W. 1424 bzw. 1452 an Zürich und war bis 1798 Teil des Unteren Amts der Landvogtei Kyburg. W. bildete schon früh eine selbstständige Dorfschaft; 1528 erhielt es eine Offnung, 1564 einen Einzugsbrief. Im Ancien Régime lag der Ort an der Landstrasse Zürich-Winterthur, die bei der Herzogenmühle die Glatt überquerte. Die 1293 erstmals erw. Herzogenmühle lag auf Walliseller Gebiet, war aber bis 1931 nach Schwamendingen schul- und kirchgenössig. Die Stadtnähe begünstigte im 17. Jh. die Woll- und Seidenverarbeitung für Zürcher Verleger; auch waren einige Einwohner als Lohnarbeiter in der Stadt beschäftigt. 1798 wurde W. selbstständige Munizipalgemeinde im Distrikt Bassersdorf. Der Ort gehörte 1803-14 und ab 1831 zum Bez. Bülach, dazwischen 1814-31 zum Oberamt Embrach.

Kirchlich zählte W. vom FrühMA an zur Pfarrei Kloten. Um 1370 bestanden in W. und in Rieden Filialkapellen. Das Filialverhältnis zu Kloten und damit die Abhängigkeit vom Kloster Wettingen blieben nach der Reformation bestehen. Auf Gesuch der Kirchgenossen bewilligte der Rat von Zürich 1704 die Errichtung einer Kirchgemeinde, die in Ermangelung eines Pfarrhauses von Zürich aus versehen wurde. Die Kollatur besass der Kl. Rat von Zürich. 1866 wurde ein Pfarrhaus errichtet, 1906-08 erfolgte der Bau einer repräsentativen Kirche im Jugendstil, mit Elementen des Heimatstils, durch die Architekten Robert Bischoff und Hermann Weideli; die beim Ortskern gelegene Kapelle wurde 1931 abgebrochen. Die kath. Kirche St. Antonius wurde 1957-58 erstellt.

Eckpfeiler der Industrialisierung bildeten die peripher an der Glatt gelegenen Textilfabriken Herzogenmühle (1817) und Neugut (1840). Die 1841-42 neu angelegte Winterthurerstrasse südlich des Dorfs, die 1855 eröffnete Bahnlinie Oerlikon-Winterthur und die von dieser in W. seit 1856 abzweigende Linie nach Uster beschleunigten die wirtschaftl. und baul. Entwicklung. Das Geschäftszentrum verschob sich allmählich vom Dorfkern ins Bahnhofquartier. Ab 1900 siedelten sich Betriebe versch. Branchen im Industriegebiet südlich der Bahnlinie an. Die 1916 erfolgte polit. und kirchl. Angliederung Riedens an W. ermöglichte gemeinsame Infrastrukturen der beiden Ortschaften, die in den 1960er Jahren zusammenwuchsen. 1930 arbeiteten nur noch 6% der Erwerbstätigen im 1. Sektor. Nach dem 2. Weltkrieg bewirkten die Flughafennähe und der Anschluss ans Nationalstrassennetz (1972) ein baul. und industrielles Wachstum, das durch attraktive Steuerverhältnisse begünstigt wurde. Das auf Automobilisten ausgerichtete Einkaufszentrum Glatt (1975) wies Pioniercharakter auf. 1985 verzeichnete W. 7'715 Arbeitsplätze, von denen 46% dem 2. und 53% dem 3. Sektor zuzurechnen waren. 2005 war die Zahl der Arbeitsplätze mit 12'074 immer noch hoch; der Dienstleistungssektor dominierte jetzt mit 75% der Arbeitsplätze klar. Der Bau der neuen Glattalbahn, die W. seit 2010 mit Dübendorf-Stettbach und dem Flughafen verbindet, leitete einen Entwicklungsschub ein. Der Bahnhofsbereich erhielt durch die Zentrumsüberbauung Mittim eine neue Gestalt. Südlich der Bahnlinien wurde in den brachliegenden Industriearealen Neugut (Zwicky), Integra und Richti nach 2005 mit weiteren Grossprojekten vielfältiger Wohn- und Arbeitsraum geschaffen.

<b>Wallisellen</b><br>Einkaufszentrum Glatt am Eröffnungstag, dem 2. Februar 1975. Fotografie von Hans Krebs (ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv, Bestand Comet Photo AG).<BR/>Das Glattzentrum ist eines der ersten Shoppingcenter der Schweiz und erzielt regelmässig die höchsten Umsätze. Bereits 1962 gründeten der Migros-Genossenschaftsbund sowie die beiden Warenhäuser Globus und Jelmoli eine Betriebsgesellschaft, die den Bau realisierte. Geplant wurde dieser nach einem Konzept des amerikanisch-österreichischen Architekten Victor Gruen. Für die örtliche Anpassung und die Umsetzung der Wünsche der Bauherrschaft sorgte der Zürcher Architekt Ernst Schwarzenbach.<BR/>
Einkaufszentrum Glatt am Eröffnungstag, dem 2. Februar 1975. Fotografie von Hans Krebs (ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv, Bestand Comet Photo AG).
(...)


Literatur
Gesch. der Gem. W., 1952
– P. Nussberger, E. Schneiter, Bezirkschroniken des Kt. Zürich 5, 1962, 107-113
– F. Bodenmann et al., Verzelle vo Walliselle, Gesch. der Gem. W. vom Zweiten Weltkrieg bis zur Jahrtausendwende, 2002

Autorin/Autor: Ueli Müller