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Oberbipp

Polit. Gem. BE, Amtsbez. Wangen, die am südl. Jurafuss liegt und das gleichnamige Dorf, den Dorfteil Buchli und Aussiedelhöfe umfasst. 968 Pippa, 1327 Obern Bipp. 1764 447 Einw.; 1850 801; 1900 801; 1950 981; 2000 1'407. Frühbesiedeltes Gebiet mit neolith. Einzelfunden (O., Breitholz), einem spätbronzezeitl. Trockenmauergrab (Hasenrain), unbestimmten Steintumuli (Stierenweid), röm. Villa aus dem 2. und 3. Jh., eventuell einem röm. Strassenstück und frühma. Gräberfeld. Das Schloss und das Dorf bildeten das Zentrum der ma. Herrschaft Bipp und kamen mit dieser 1413 an Bern und Solothurn. 1463-1798 diente das ausgebaute Schloss als bern. Landvogteisitz; 1798 wurde es geplündert - in der Ruine wurde 1855 ein Herrenhaus erstellt - und O. gelangte zum Distrikt bzw. Amtsbez. Wangen. Das Niedergericht Wiedlisbach umfasste O., Wiedlisbach, Attiswil, Farnern und Rumisberg. Über der Villa und dem Gräberfeld entstand im 8. Jh. eine Kirche, die um 1100 durch eine Pfeilerbasilika ersetzt wurde (1275 erw., Johannespatrozinium). Der heutige Bau wurde 1686 von Abraham Dünz errichtet. Der Kirchensatz kam mit den Herrschaftsrechten 1463 an Bern. Bis zur Reformation gehörte die Pfarrei O., zu der Farnern, Rumisberg, Wiedlisbach und Wolfisberg zählten, zum Bistum Basel. 1533 teilte man der Kirchgemeinde O. überdies noch Attiswil (davor bei Flumenthal) zu. Mit anderen Gem. nutzte das Ackerbauerndorf den Herrschaftswald Längwald. Im 18. und 19. Jh. ergänzte Heimarbeit (Weben, Posamenterie) den bäuerl. Verdienst. Der Übergang zur Milchwirtschaft vollzog sich erst spät: 1851 wurde die Gemeinweide aufgehoben, 1890 und 1891 erfolgte dieGründung der landwirtschaftl. sowie der Käsereigenossenschaft. Die Solothurn-Niederbipp-Bahn (1918) förderte das Gewerbe (Berufskleider-, Bindfaden-, Kalkfabrik). Die Autobahn löste die Gesamtmelioration (1962-77) und die Ansiedlung von Unternehmen im Raum Niedermatte aus (Leichtmetall-, Stahlbau, Verpackungsmaschinenfabrik, Landmaschinenhandel, Heizöl-Tankanlage). Das Kant. Sonderschulheim bestand 1839-1994. Das Ortsbild von nationaler Bedeutung wurde unter Schutz gestellt sowie das Naturschutzgebiet Erlimoos errichtet.


Literatur
– K.H. Flatt et al., 1000 Jahre O., 1971
– S. Steger, Bauinventar der Gem. O., 2004

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler